Aus für privates Regional-TV
Citi.TV stellt Sendebetrieb ein
Von Kevin Körber
Saarbrücken – Der private Regionalfernsehsender Citi.TV wird seinen Sendebetrieb einstellen. Laut Informationen, die newsecho.de vorliegen, wird schon Ende Januar Schluss sein.
Nun wird die Betreiberfirma, die Funkhaus Saar GmbH, jedoch den Schlussstrich unter Citi.TV ziehen. Laut newsecho.de-Informationen soll der Sendebetrieb Ende Januar eingestellt werden, Mitarbeiter hätten bereits vor einigen Wochen ihre Kündigungen erhalten. Damit ereilt den Sender das gleiche Schicksal wie seinen Vorgänger: der ehemalige Regionalsender Saar TV musste sein Programm Ende Mai 2009 nach einem Insolvenzverfahren einstellen. Zuletzt wurde auch dieser Sender von der Funkhaus Saar GmbH betrieben. Nach der Insolvenz von Saar TV war zunächst geplant, die freie Frequenz an die Lokalfernsehkette Center.TV zu vergeben. Diese sprang jedoch ab, sodass die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) erneut mit der Funkhaus Saar GmbH in Verhandlungen über ein neues Regionalprogramm trat.
Schwierige wirtschaftliche Lage
Die LMS bestätigte die newsecho.de vorliegenden Informationen am Freitagmittag. Demnach wird die Funkhaus Saar GmbH ihre Zulassung zum 31. Januar zurückgeben. „Wir bedauern sehr, dass es damit im Saarland zumindest vorübergehend keinen regionalen privaten Fernsehveranstalter mehr geben wird“, sagt Pressesprecherin Viola Betz. „Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es in der momentanen wirtschaftlichen Lage äußerst schwierig ist, regionales Fernsehen ohne Fördergelder aus Rundfunkgebühren oder Steuergelder kostendeckend zu veranstalten.“
„Saar TV ging in die Insolvenz, es gab insgesamt acht Auszubildende, die sonst auf der Straße gelandet wären“, sagte Florian Schuck, Geschäftsführer der Funkhaus Saar GmbH, Ende April 2010 im Gespräch mit newsecho.de. „Anfangs hätten wir es uns nicht leisten können, alle zu übernehmen. Daraufhin haben wir einen Zuschuss bekommen, um die technische Infrastruktur zu schaffen und um diese Auszubildenden übernehmen zu können“.
Wie geht es nun für die Mitarbeiter weiter? Citi.TV würde sich nun in besonderem Maße für den weiteren beruflichen Lebensweg der Angestellten und der Auszubildenden einsetzen, heißt es. Bei entsprechender Eignung sollen Auszubildende im Hause der Landesmedienanstalt übernommen werden.
Durch den Zuschuss, der unter anderem anteilig von der LMS bereitgestellt wurde, geht die eingesetzte Studiotechnik nun in den Besitz der Medienanstalt über. Diese soll künftig für die Ausbildung von Mediengestaltern eingesetzt werden. Für privates, regionales Fernsehen im Saarland ist damit zunächst erst mal Schluss: „Eine Frequenzausschreibung ist insofern nicht nötig, da Citi.TV nur über analoges und digitales Kabel und nicht über DVB-T verbreitet wird“, so die LMS-Sprecherin.
Die Geschäftsführung der Funkhaus Saar GmbH hat sich auf Anfrage von newsecho.de bisher nicht geäußert.
Der etwas andere Fernsehsender
In den ersten Sendemonaten wurden neben Passantenumfragen so gut wie ungeschnittene Reportagen oder unkommentierte Pressekonferenzen ausgestrahlt. Den Hauptteil der Sendezeit bestritt man in den Anfängen allerdings mit Kamerafahrten durch die Straßen saarländischer Städte als Füller oder mit zugelieferten Soft-Erotik-Streifen im Nachtprogramm. Schnell zeigte sich die lokal ansässige Presse entsetzt über das „Regionalprogramm“ des Senders; so sprach die „Bild Saarland“ von „Busen-Alarm bei Citi.TV“, der Saarländische Rundfunk verglich die Straßenbilder, gefilmt aus einem Auto, sogar mit Google StreetView (wir berichteten). Auch über Kameraaufnahmen im Saarbrücker Stadtrat gab es eine kurz aufflammende Medienpräsenz, nachdem ein Kameramann nicht die komplette Sitzung mitzeichnen durfte.
Nach den anfänglichen Pseudo-Skandalen wurde es allerdings schnell ruhig um Citi.TV. Nach und nach verschwanden zwar Kamerafahrten und Erotik aus dem Programm, dennoch schien der Sender nie eine größere Rolle in der Region einzunehmen. Dabei hätte man als einziger privater Anbieter durchaus gegen den öffentlich-rechtlichen Platzhirsch auf dem Halberg antreten können. Stattdessen wurde das Programm mit zeitunkritischen Reportagen bestückt, die sich nicht selten wiederholten. Von einem tagesaktuellen Einfluss war bis auf wenige Ausnahmen in Form von Pressekonferenzen nie etwas zu sehen.
- Medienstreit um saarländischen Sender Citi.TV
Wirklich vorhalten kann man das dem Sender aber nicht mal. So wurde das Programm, nachdem der ehemalige Chefredakteur den Sender bereits im September 2010 verlassen hatte, von einem kleinen Team gestemmt, das zum Großteil aus Auszubildenden Mediengestaltern und Praktikanten bestand. Es war eine Art Ausbildungsfernsehen, gegen das, als solches klar positioniert, nicht mal etwas einzuwenden wäre. So überraschten die jungen Macher auch mit tollen Sondersendungen – allen voran denen über das „Rocco del Schlacko“-Festival. Wie viele Zuschauer diese aber tatsächlich sahen, bleibt ein Geheimnis.
Ebenso wie das Konzept, das eigentlich gar keins war. Es sollte ein ständiger Fluss von aktuellen Beiträgen sein, die Tag für Tag produziert und dann, nach Fertigstellung, sofort in das laufende Programm eingesetzt werden können. Auch User-Generated-Content war angedacht. „Ich gehe davon aus, dass es uns in kürzester Zeit gelingen wird, die Menschen im Saarland davon zu überzeugen, dass dieses auch ein Medium ist, das man wunderbar vermarken kann“, sagte damals Citi.TV-Verkaufsleiter Wolfgang Klein im Imagefilm, der zum Launch des Senders im März 2010 gezeigt wurde. Gelungen ist dies innerhalb von knapp zwei Jahren scheinbar nicht. Zwar liefen zuletzt – im Gegensatz zu den Anfangsmonaten – auch vereinzelt Werbespots im Programm, diese konnten den Sender aber nicht refinanzieren.
Die Produktion von Formaten wie dem Wirtschaftstalk „Chefsache“, der Kochsendung „Schlauer Schlemmen“ (bei der es sich jedoch um eine Werbesendung handelte) oder dem Vereins-Magazin „Helden wie Ihr“, zeigte in den letzten Monaten, dass man bei Citi.TV offenbar versuchte, dem Zuschauer wieder klassische Fernsehkost zu servieren. Leider zu spät.
























