Straßenaufnahmen und Erotikprogramm
Medienstreit um saarländischen Sender Citi.TV
Von Kevin Körber
Saarbrücken – Seit Anfang März ist der saarländische Stadtsender Citi.TV auf Sendung. Nach nicht mal zwei Monaten Sendebetrieb geriet der Kanal jetzt in die öffentliche Kritik, die sich insbesondere gegen Aufnahmen saarländischer Straßen und das Erotikprogramm in der Nacht richtet.
Für mehr Zündstoff sorgen jedoch andere Ausstrahlungen des Stadtsenders. Am vergangenen Montag berichtete die Saarlandausgabe der „Bild“-Zeitung über den „Busen-Alarm bei Citi.TV“ und bezieht sich damit auf die Sendestrecke nach 23 Uhr. Dort zeigt der Fernsehsender neben erotischen Clips und den nicht erst seit Citi.TV bekannten Hotline-Werbespots auch softpornografische Spielfilme. Dem Artikel nach, zeigen sich saarländische Medienwächter und Politiker über diese Art des Programms nun entrüstet. Darüber informiert waren sie jedoch bereits vor dem Sendestart. „Wir haben natürlich bei der Landesmedienanstalt angezeigt, dass wir nachts Erotikprogramm senden werden und der Medienrat hat dies auch für unbedenklich erklärt“, sagte Citi.TV-Geschäftsführer Florian Schuck gegenüber newsecho.de.
Zugeliefert werden diese Inhalte von der in Zürich ansässigen Firma Pinksim. Der Anbieter liefert den Erotik-Content kostenlos an Fernsehsender, die eine geeignete Programmfläche in der Nacht freiräumen. Dadurch werden zusätzliche Einnahmen generiert. „Auch wir nutzen diese Einnahmequelle. Zu einem guten Regionalsender gehört auch ein gutes, erotisches Nachtprogramm. Genauso wie die ‚Bild‘-Zeitung sich dazu entscheidet, Erotik auf der ersten Seite zu platzieren“, so Schuck. „Hier sehen wir den Versuch eines Wettbewerbers gegen uns vorzugehen. Das weisen wir zurück.“
Jugendschutzrechtliche Bedenken gibt es bei diesen Inhalten jedoch keine; Richtlinien, wie einer entsprechende FSK-Kennzeichnung und der Ausstrahlung nach 23 Uhr wird nachgekommen. „Allerdings dürfen die Erotik-Clips und Werbespots nicht die Grenze zur Pornografie überschreiten“, erklärt der Direktor der saarländischen Landesmedienanstalt (LMS), Dr. Gerd Bauer, gegenüber newsecho.de. „Ansonsten müsste die Aufsicht wegen unzulässiger Inhalte einschreiten.“ Hier könnten bei vorsätzlicher oder fahrlässiger Ordnungswidrigkeit Geldbußen von bis zu 500.000 Euro verhängt werden.
Das gleiche Programm ist nachts auch auf anderen Regionalsendern wie beispielsweise Hamburg 1 oder dem schweizer Privatsender 3+ zu sehen. Die LMS hält eine solche Programmgestaltung der Sender jedoch generell für „nicht wünschenswert“.
Auch der Saarländische Rundfunk (SR) berichtete am Montag über den „großen Ärger“ mit dem „kleinen Sender“. Neben dem Erotikprogramm werden hier auch Aufnahmen erwähnt, die laut SR dem Prinzip von Googles StreetView ähneln sollen. Als Programmfüller zeigt Citi.TV Kamerafahrten durch das Saarland, die aus dem Auto heraus gefilmt wurden. Passanten oder Kennzeichen wurden dabei nicht unkenntlich gemacht, eine Beschwerde wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte sei bereits Anfang März bei der Landesmedienanstalt eingegangen, berichtet der SR.
„Wir und die Landesmedienanstalt haben das rechtlich geprüft. Also halten wir das nur für einen Versuchszwang, einem unliebsamen Konkurrenten mit rechtlichen Mitteln beizukommen“, kommentiert Schuck die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Anstalt. Auf ähnliche Inhalte würden auch andere regionale Sender wie Center-TV in Köln setzen. In dessen Programm sind oft stundenlange Straßenbahnfahrten oder Stadtteilporträts zu sehen – ebenfalls unzensiert.
Persönlichkeitsrechte sieht auch die LMS nicht verletzt. Die Ausstrahlung des städtischen Geschehens, bei dem auch der fließende und ruhende Verkehr gezeigt wird, stelle grundsätzlich keinen Verstoß dar. „Ein generelles Pixelgebot existiert nicht“, so LMS-Direktor Bauer. Lediglich beim Filmen und Ausstrahlen eines Verkehrsverstoßes oder einer Verkehrskontrolle wären solche Aufnahmen anders zu beurteilen.
Erotik-Finanzierung
Stein des Anstoßes scheint jedoch die Förderung von Citi.TV zu sein. Bei „Bild Saarland“ und SR fokussiert man die Berichterstattung auf geflossene Gelder der Landesmedienanstalt und Saartoto. Gegenüber newsecho.de bestätigten Citi.TV-Chef Florian Schuck sowie LMS-Direkor Gerd Bauer: Der Sender habe von beiden Institutionen Förderungen in Höhe von jeweils 50.000 Euro für die technische Ausstattung und Ausbildung erhalten. „Saar TV ging in die Insolvenz, es gab insgesamt acht Auszubildende, die sonst auf der Straße gelandet wären. Anfangs hätten wir es uns nicht leisten können, alle zu übernehmen. Daraufhin haben wir einen Zuschuss bekommen, um die technische Infrastruktur zu schaffen und um diese Auszubildenden übernehmen zu können.“
Verständlich, dass Nacktszenen bei den Förderern nicht gerade auf große Begeisterung stoßen. Dennoch verbleibt die programmliche Gestaltung von Citi.TV, solange man sich dabei an die jugendschutzrechtlichen Bedingungen hält, bei den Programmverantwortlichen. „Von einem regionalen Sender erwarte ich Inhalte aus dem Saarland. Dann sollen sie nachts halt Wiederholungen senden. Aber nicht solche Sachen“, kritisiert der Vorsitzende des Saartoto-Aufsichtsrats, Karl Rauber, den Sender in der Montagsausgabe der „Bild Saarland“.
Alleine durch Nacht-Wiederholungen lässt sich jedoch kein Fernsehsender finanzieren. Das zugelieferte Erotikprogramm scheint derzeit eine wichtige Einnahmequelle für Citi.TV zu sein – herkömmliche Werbung sucht man im Tagesprogramm vergebens. „Die Einnahmen kommen der Programmqualität zugute“, stellt Schuck klar.
„Wir haben aktuell drei neue Auszubildende eingestellt, die wir komplett selbst finanzieren. Heißt, die werden auch nicht gefördert.“ Als kleinstes saarländisches Medienunternehmen stellt die Funkhaus Saar GmbH als Citi.TV-Betreiber derzeit acht Mediengestalter-Azubis, Berufsschulklassen bestünden überwiegend aus ihren Lehrlingen, erklärt Florian Schuck. „Der SR bildet nur alle drei Jahre drei Auszubildende aus, Radio Salü bildet einen Auszubildenden aus. (...) Da ist es absolut gerechtfertigt, dass die Medienanstalt da eine kleine Förderungssumme gibt.“
Noch am heutigen Mittwoch soll der Saarländische Rundfunk eine Gegendarstellung ausstrahlen, wie Citi.TV gegenüber newsecho.de mitteilte. Der Hörfunksender SR3 soll bei seiner Berichterstattung zum Thema Datenschutz falsche Tatsachen behauptet haben. Schuck: „Hier habe ich nun eine Gegendarstellung verlangt. Dazu ist der SR gesetzlich verpflichtet.“
























