Pflegeskandal im „Paulinenhof“?
Obduktion bestätigt: Patient ist nicht verhungert
Von Dominik Hammes und Meike Schwarz
Ludwigshafen-Oppau – Am Dienstag wurden der breiten Öffentlichkeit erstmals Vorwürfe gegenüber einem Pflegeheim im Ludwigshafener Ortsteil Oppau bekannt. Eine frühere Mitarbeiterin warf der Heimleitung vor, dass ein Bewohner des Heimes aufgrund von Vernachlässigung verstarb. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Auch der vorläufige Obduktionsbericht bestätigt inzwischen die uns mitgeteilten Informationen: Dauerhafter Nahrungsentzug sei unwahrscheinlich, da der Pflegezustand des Mannes gut gewesen sei. Dennoch stehe der Abschlussbericht noch aus und Polizei und Staatsanwaltschaft wollen wegen des Verdachts auf Körperverletzung auch nach dem Ergebnis der Obduktion noch weiter ermitteln.
Der Sprecher der Casa-Reha-Unternehmensgruppe, Ralf-Joachim Krenzin, teilte mit, dass durch das negative Obduktionsergebnis vor allem die vielen Mitarbeiter des Heims entlastet würden. Sie hätten sich sehr über die Vorwürfe geärgert.
Am Dienstag hatte Lothar Liebig, der Leitende Oberstaatsanwalt, gegenüber der Presse bekannt gegeben, eine ehemalige Mitarbeiterin des Heimes habe Anzeige erstattet. Wie der Südwestrundfunk berichtete, werde wegen Verdacht auf Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und fahrlässiger Tötung ermittelt.
Neben dem konkreten Fall des verstorbenen Patienten, der laut Klägerin verhungert sein soll, werden der Pflegeleitung des Heimes allgemein „unzumutbare Zustände“ vorgeworfen, so ein Bericht der „Rheinpfalz“. So soll es in dem, von der Casa Reha Holding GmbH betriebenen Heim, auch zu Misshandlungen gekommen sein. Die Klägerin hatte zuvor nach zwei Jahren in dem Heim gekündigt und will nun die Missstände vor Gericht bringen, so die Zeitung.
Mehrere Angehörige von Patienten, sowie Udo Scheuermann, Ortsvorsteher von Oppenau, berichteten ebenfalls von Missständen. Scheuermann sei mehrfach von Betroffenen auf das Pflegeheim angesprochen worden. Er habe bei Heimleitung und Betreiber interveniert, jedoch vergebens.
Casa Reha wies die Vorwürfe von Anfang an zurück. Der verstorbene Patient sei schwer krank gewesen und an natürlichen Ursachen verstorben, so Sprecher Ralf Krenzin. Das Unternehmen begrüße die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft, da man die Vorwürfe so rückhaltlos aufklären könne. Man werde vollständig mit den Behörden kooperieren. Auch eine Anzeige der ehemaligen Mitarbeiterin wegen falscher Verdächtigungen werde geprüft.
Die Heimaufsicht des Landes Rheinland-Pfalz, das Amt für Soziales, will die Situation vor Ort prüfen und gegebenenfalls aufsichtsrechtliche Maßnahmen einleiten. Man nehme die Vorwürfe dort sehr ernst, sagte ein Sprecher, stehe in einem engen Kontakt mit Kriminalinspektion und Staatsanwaltschaft. Diese teilte mit, dass die Untersuchungen über Monate andauern können.
Im Jahr 2008 waren Pflegeprobleme in einem Mainzer Seniorenheim der Casa-Reha-Gruppe bekannt geworden. Im Saarland machte erst kürzlich ein Pflegeskandal Schlagzeilen. Dort wird einem ehemaligen Pfleger eines Heimes der Arbeiterwohlfahrt der Tod von zwei Patienten vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft untersucht allerdings alle Todesfälle seit September 2011 (newsecho.de berichtete).
























