Als ein Telefon sein Nest verließ

iPhone 4G – Ein Sommermärchen

Von Kevin Körber

Foto: Screenshot Gizmodo.com
Foto: Screenshot Gizmodo.com Sieht so das neue iPhone aus?

Heute Abend schenkt Apple-Guru Steve Jobs der Welt wieder ein neues iPhone – aller Voraussicht nach. Sagen wir: die Anzeichen stehen gut. Millionen Apple-Jünger haben ihr Campingzelt noch vom iPad-Verkaufsstart griffbereit, der Run auf die neueste Generation des Apple-Smartphones kann also beginnen. Doch es könnte die vielleicht unspektakulärste iPhone-Präsentation werden.

Denn sollte sich heute auf der Bühne in San Francisco herauskristallisieren, dass das neue iPhone 4G oder HD oder wie auch immer, dem vom Tech-Blog Gizmodo im April veröffentlichten Prototypen ähnlich sieht, hat die iSzene Jobs ganz schön die Show vermasselt. Gerade weil der Apple-Chef immer darauf aus ist, die Produktpräsentationen gekonnt initiiert ins Licht der Weltpresse zu rücken. Es wäre quasi ein iGentor für den Konzern. Denn die Geschichte um das weltweit beliebte Telefon, sie liest sich wie aus einem Märchenbuch.

Es war einmal ein Apple-Mitarbeiter namens Gray Powell. Der hatte nach einem anstrengenden Arbeitstag in Cupertino, Kalifornien, Lust auf ein kühles Bierchen. Und weil Gray ein Faible für Biere aus dem guten, alten Europa hat, zog es ihn ohne großes Nachdenken in das deutsche Bierhaus namens „Gourmet Haus Staudt“ im kalifornischen Redwood City bei San Jose. Gerade mal zehn Meilen vom Apple-Firmengelände entfernt, begoss er seinen Arbeitstag mit dem ein oder anderen Gerstensaft deutscher Herkunft. In seiner Hosentasche: das „magical“, „wonderful“, „amazing“ iPhone 4G. Doch da sollte es nicht lange bleiben, Medien vermeldeten später, er verlor oder vergaß das Testgerät, bevor er die Gaststätte verließ. In Wirklichkeit wollte das Schmuckstück raus in die große, weite Welt. Vorbei die Zeiten, in denen es sich als Testobjekt in der dunklen, dicken Plastikschale in Powells Hosentasche sah. Viel zu schön fühlte es sich, um länger vor der Öffentlichkeit versteckt zu werden.

Da lag es also. Verloren im Bierhaus. Doch ein Gast des Hauses entdeckte das kleine Telefon, fragte sich sogar durch, wer das edle Stück denn nun verloren habe. Doch niemand meldete sich zu Wort. So nahm er es mit auf sein Hotelzimmer, gab ihm vorübergehend eine neue Bleibe. Ja, er versuchte sogar des iPhones Zuhause zu kontaktieren – vergeblich. Bei Apple wollte für den holden Retter niemand so recht verantwortlich sein, schon gar nicht wollte man etwas von dem Abkömmling wissen. Plötzlich, nach näherer Betrachtung am Tageslicht, fiel die Tarnung des Telefons auf. Unter einem Plastikmantel, der den Anschein erwecken sollte, es handele sich um ein herkömmliches Modell seiner Gattung, entdeckte der Retter plötzlich ein nie zuvor gesehenes Gerät. Dann packte ihn die Geldgier – kurzerhand kontaktierte er die bösen Jungs von Gizmodo und veräußerte das iPhone für angeblich 5.000 US-Taler.

Nachdem der Blogger Jason Chen ganz viele Bilder und Videos vom angeblichen iPhone der Zukunft ins Internet gestellt hat, schrieb die Rechtsabteilung von Apple ein Briefchen an Gizmodo. Diese hätten ein Gerät, welches Apple gehöre. Das hätte man gerne zurück. Das muss doch der Beweis sein, dass das Ding tatsächlich echt ist! Spätestens nachdem dann wenige Tage später die Polizei die Wohnung von Bösewicht Jason Chen auf den Kopf stellte, um herauszufinden, wie der plötzlich nicht mehr ganz so holde iPhone-Retter aus dem Bierhaus hieß, wusste man, dass Steve Jobs reichlich erbost über den Verlust seines kleinen Schatzes gewesen sein muss, der sich nun so in die Öffentlichkeit drängte.

Apple wird den Paragrafen 2080 des kalifornischen Gesetztes sicher gut kennen, denn dieser besagt, dass jeder, der etwas so Wertvolles wie das neue iPhone findet, auch alles dafür tun muss, um es dem Besitzer zurückzugeben. Alles andere sei Diebstahl. Und genau das sagte der Steve auch Ende letzter Woche in einem Interview. Kann also sein, dass es wirklich ein wahrlich echter Prototyp war, den ein Mitarbeiter in einer Bierlaune verloren hatte. Muss aber nicht. Denn was der Steve heute Abend wirklich in seiner Hose hat, das stellt sich noch heraus. Ende offen...
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