12.08.2010, 15:47 Uhr
Abgesetzt - Die Medien-Kolumne
TV-Stichprobe: Was kann das „Promi-Dinner“?
Von Dominik Hammes
Seit 2006 läuft das Zwitter-Format „Das Perfekte Promi-Dinner“ bereits bei Vox. Die Laufzeit suggeriert einen gewissen Erfolg, der Ruf der Sendung ist hingegen mehr als zweifelhaft. Dabei scheuchen die Verantwortlichen gerne Personen aus allen Bereichen hinter den Herd und vor die Kamera, einzige Bedingung: Irgendwann einmal müssen die vier Teilnehmer in einem Rampenlicht unbestimmter Größe gestanden haben.
Ein beliebtes Spiel unter den regelmäßigen Zuschauern beinhaltet daher das Erraten der angeblich prominenten Teilnehmer, denn je nachdem wo gerade der regionale Fokus der Ausgabe liegt, tut man sich selbst als Kenner schwer, die sich gegenseitig bekochenden Menschen einzuordnen.
Sich aber an den Teilnehmern aufzuhängen, bevor auch nur eine Minute der Sendung über den Bildschirm geflimmert ist, das wäre dreist. Spätestens nach einem Drittel der Sendung ist auch klar: Das Problem der Sendung sind nicht die Gäste.
Andere Folgen der Koch-Personality-Reality-Doku mögen vielleicht an der Auswahl (oder Verfügbarkeit) der mehr oder minder bekannten Prominenz scheitern. Bei unserer Stichprobe stellte das TV-Format allerdings unter Beweis, dass es durchaus den richtigen Rahmen für leichte aber angenehme Fernsehunterhaltung bieten kann. Mit Susan Atwell, Elmar Hörig, Daniel Kübelböck und Carolin Ruppert fügte sich eine Gruppe zusammen, die trotz gewollter Unterschiede überraschend harmonisch und sehr witzig miteinander konnte.
Wie erwartet, verkommen die gekochten Gerichte und die gewählte Esstischdekoration zu einer Nebensache. Was sich als Koch-Doku verkauft, ist – vermutlich mit Absicht – die am schlechtesten getarnte Personality-Show im deutschen Fernsehen.
Bei allen Altersunterschieden des Quartetts überwog eine Gemeinsamkeit: Ob aufgrund von jahrelanger Berufserfahrung oder durch den fragwürdigen Crash-Kurs in einem Casting-Format, die Gastgeber des „Perfekten Promidinners“ des letzten Sonntags waren alle mit der Kamera vertraut. Wohlwissend, dass die Produzenten hinter der Kamera möglichst zitierfähiges Material möchten und auch die Zuschauer allergisch auf verkrampfte Langweiler reagieren, gaben sich die vier locker und zeigten viel Humor.
Moderatorin Susan Atwell bestach durch einen augenzwinkernden Mix aus Liebenswürdigkeit und kleinen, charmanten Sticheleien und passte damit hervorragend zu Elmar Hörigs Art. Dessen Rang als „Radio-Legende“ wurde allerdings von der Kommentarstimme so oft beschworen, dass es eine Beleidigung für jedes Kurzzeitgedächtnis darstellt. Daniel Kübelböck wirkte größtenteils so entspannt, dass man sich fragen muss, ob es sich um die gleiche Person handelt, an die man sich noch dunkel zu erinnern glaubt.
Die „Germany's Next Topmodel“-Kandidatin Carolin Ruppert brachte mit ihrer Energie ein wenig Leben in die anfangs vorsichtige Runde, aber musste ebenfalls unter den abwertenden Kommentaren der Off-Stimme leiden. Pubertäre Bemerkungen über das Dekolleté eines das Nudelholz schwingenden Models überlässt man vielleicht besser den Teilnehmern der Sendung. Wenn Daniel Kübelböck dann – vermutlich nach intensiver Befragung – Geständnisse wie „Ich finde schon, das Carolin einen schönen Hintern hat“ ausplaudert, wirkt das zwar immer noch irgendwie peinlich, aber immerhin nicht wie eine redaktionell abgesegnete Fleischbeschau.
Das eigentliche Problem der Sendung ist jedoch nicht der Kommentar, der ja als Stilmittel durchaus funktionieren könnte, sondern die Dauer der Sendung. Wie belanglos das „Perfekte Promidinner“ als Sendung wirklich ist, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden, dafür hat er die Fernbedienung. Als leichte Unterhaltung für den Sonntag taugt sie zwar, aber mit einer Länge von über zwei Stunden inklusive Werbung, verkommt auch eine stark besetzte Episode zu Banalitätsfernsehen.
Obwohl also angesichts des tollen Zusammenspiels insbesondere von Atwell und Hörig (die eine gemeinsame Late-Night-Talkshow bekommen sollten) der positive Eindruck überwiegt ist eins klar: Eine durchweg unterhaltsame Version des „Perfekten Promidinners“ wäre höchstens halb so lang.
In seiner Kolumne „Abgesetzt“ wirft newsecho.de-Redaktionsleiter
Kevin Körber einen kritisch-amüsierten Blick auf das Drunter und Drüber der Medienwelt. In dieser Woche wurde die Kolumne von unserem Volontär Dominik Hammes übernommen.
Sich aber an den Teilnehmern aufzuhängen, bevor auch nur eine Minute der Sendung über den Bildschirm geflimmert ist, das wäre dreist. Spätestens nach einem Drittel der Sendung ist auch klar: Das Problem der Sendung sind nicht die Gäste.
Andere Folgen der Koch-Personality-Reality-Doku mögen vielleicht an der Auswahl (oder Verfügbarkeit) der mehr oder minder bekannten Prominenz scheitern. Bei unserer Stichprobe stellte das TV-Format allerdings unter Beweis, dass es durchaus den richtigen Rahmen für leichte aber angenehme Fernsehunterhaltung bieten kann. Mit Susan Atwell, Elmar Hörig, Daniel Kübelböck und Carolin Ruppert fügte sich eine Gruppe zusammen, die trotz gewollter Unterschiede überraschend harmonisch und sehr witzig miteinander konnte.
Wie erwartet, verkommen die gekochten Gerichte und die gewählte Esstischdekoration zu einer Nebensache. Was sich als Koch-Doku verkauft, ist – vermutlich mit Absicht – die am schlechtesten getarnte Personality-Show im deutschen Fernsehen.
Bei allen Altersunterschieden des Quartetts überwog eine Gemeinsamkeit: Ob aufgrund von jahrelanger Berufserfahrung oder durch den fragwürdigen Crash-Kurs in einem Casting-Format, die Gastgeber des „Perfekten Promidinners“ des letzten Sonntags waren alle mit der Kamera vertraut. Wohlwissend, dass die Produzenten hinter der Kamera möglichst zitierfähiges Material möchten und auch die Zuschauer allergisch auf verkrampfte Langweiler reagieren, gaben sich die vier locker und zeigten viel Humor.
Moderatorin Susan Atwell bestach durch einen augenzwinkernden Mix aus Liebenswürdigkeit und kleinen, charmanten Sticheleien und passte damit hervorragend zu Elmar Hörigs Art. Dessen Rang als „Radio-Legende“ wurde allerdings von der Kommentarstimme so oft beschworen, dass es eine Beleidigung für jedes Kurzzeitgedächtnis darstellt. Daniel Kübelböck wirkte größtenteils so entspannt, dass man sich fragen muss, ob es sich um die gleiche Person handelt, an die man sich noch dunkel zu erinnern glaubt.
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Obwohl also angesichts des tollen Zusammenspiels insbesondere von Atwell und Hörig (die eine gemeinsame Late-Night-Talkshow bekommen sollten) der positive Eindruck überwiegt ist eins klar: Eine durchweg unterhaltsame Version des „Perfekten Promidinners“ wäre höchstens halb so lang.
In seiner Kolumne „Abgesetzt“ wirft newsecho.de-Redaktionsleiter
Kevin Körber einen kritisch-amüsierten Blick auf das Drunter und Drüber der Medienwelt. In dieser Woche wurde die Kolumne von unserem Volontär Dominik Hammes übernommen.
























