09.06.2010, 15:59 Uhr
Vorgeführt – Die Film-Kolumne
Unkaputtbare Helden und explodierende Autos
Von Dominik Hammes
Der aufgeklärte Kinogänger kennt sie: Klischees und Konventionen die zum durchschnittlichen Hollywood-Film gehören wie die Verspätung zur Bahnreise. Es wundert niemanden mehr, dass die Helden in Actionfilmen ohne ernstzunehmende Blessuren aus einem Gewitter von Kugeln und Explosionen entfliehen.
Spätestens mit „Stirb Langsam“ und dem bis zum Filmende nahezu zerstörten Protagonisten John McClane, setzte sich zwar eine verwundbare Klasse unter den Actionhelden durch, das überträgt die Unwahrscheinlichkeit des Gezeigten jedoch nur. Fragte man sich vorher weshalb die Hauptfiguren unverletzt blieben, darf man sich nun fragen wie man mit der Vielzahl an offenen Wunden überhaupt noch bei Bewusstsein sein kann.
Natürlich beruht ein Großteil der Faszination des Action-Genres darauf, dass das Publikum die Abkehr von jeglichem Realismus akzeptiert, ein Prinzip das in vermindertem Maße auch für alle anderen Genres zutrifft. Verschiedene Film-Klischees werden natürlich mit Vorliebe von Komödien genutzt und aufs Korn genommen, man denke nur an Komödien wie „Hot Shots! – Der zweite Versuch“ oder „Wayne's World“. Filmkritiker Roger Ebert veröffentlichte sogar ein Buch in dem er „Filmklischees, Stereotypen, obligatorische Szenen“ und dergleichen mehr auflistet.
Jeder kennt die üblichen Verdächtigen: Autos die bei einfachem Pistolenbeschuss – egal wo die Kugel landet – explodieren, FBI-Agenten die grundsätzlich mit dem Hubschrauber anreisen, Bettdecken die mit kurioser L-Form den Oberkörber von Frauen bedecken aber nicht den der Männer. Bei englischsprachigen Produktionen entgeht dem deutschen Publikum so manches Klischee. So werden die Bösewichte in vielen amerikanischen Filmen von Briten gespielt, die allerdings nicht zwingend einen britischen Akzent sprechen, aber häufig eine Art generischen europäischen Akzent bemühen um anders, vielleicht auch bedrohlich zu klingen. Wenn der Film hingegen in England spielt, aber in den USA produziert wurde, darf man sich auf einen komplett unlogischen Akzente-Mix freuen. So zum Beispiel in „Robin Hood – König der Diebe“, in dem Kevin Costner und Christian Slater im schönsten amerikanischen Dialekt daher plappern, während die Statisten klarerweise im britischen Dialekt sprechen.
Obwohl die meisten Klischees und immer und immer wieder verwendeten Plotelemente (man denke nur an die Jagd nach den unkopierbaren Disketten in den Neunziger Jahren) natürlich längst bekannt sind, tauchen immer wieder neue Entdeckungen von Film-Elementen auf, die uns so in fast allen Produktionen bereits seit Jahren begleiten.
Da wäre zum einen ein Video, dass der YouTube-User Guy Bauer im April diesen Jahres ins Netz gestellt hat. Das Video ist Teil seiner wöchentlichen Web-Show, darin zu sehen ist ein Zusammenschnitt von Filmszenen in denen die Phrase „We've got company!“ („Wir haben Gesellschaft!“) vorkommt. Es ist nicht gerade überraschend, dass die kurze Dialogzeile in zahllosen Blockbustern vorkommt, aber irgendwo überrascht die Häufigkeit insbesondere bei den neueren Produktionen.
Erst kürzlich hat der Picasa-Nutzer Katus ein Fotoalbum ins Netz gestellt, in dem er ein offenes Geheimnis der amerikanischen Filmindustrie illustriert: Mit Screenshots aus Filmen und TV-Serien belegt er, dass es in US-Produktionen offenbar eine Requisite gibt, die in unzähligen Produktionen auftaucht. Seien es die Abenteuer von Remington Steele oder Al Bundy oder der Film „No Country for Old Men“, in allen taucht sie auf: Eine ominöse Zeitung, die Darstellern immer dann in die Hand gedrückt zu werden scheint, wenn deren Inhalt egal ist. Für Filmfans ein gefundenes Fressen, ab sofort kann man nicht nur nach quietschenden Reifen Ausschau halten (immer gern genommen: beim langsamen Anfahren auf Kiesuntergrund), sondern auch nach der generischen Zeitung, die verschiedene Schauspieler sicher schon auswendig kennen.
Auch von unseren Twitter-Followern gab es bezüglich des Themas „Filmklischees“ etwas Feedback. Wir hatten darum gebeten uns die favorisierten Klischees aus der Filmwelt mitzuteilen: User „WoHei“ findet besonderen Gefallen an den Digitalanzeigen von Zeitbomben, die beim Herunterzählen der Zeit trotz LEDs tickende Geräusche machen. Nicht weniger häufig ist auch das Klischee des biertrinkenden Deutschen in der Lederhose, das zu den Favoriten von Twitter-User „joerncy“ zählt.
Ein besonders allgemeines Klischee, das unserem Follower „mrvanknobi“ am Herzen liegt, wird wirklich nur selten von einem Film gebrochen: „Das Gute gewinnt immer“. Wenn sich dieses Klischee einmal ändern sollte, könnte es jedoch passieren, dass die Kinosäle leer bleiben. Was viele der anderen Klischees betrifft: Abwechslung tut not.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes jeden Mittwoch über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
Natürlich beruht ein Großteil der Faszination des Action-Genres darauf, dass das Publikum die Abkehr von jeglichem Realismus akzeptiert, ein Prinzip das in vermindertem Maße auch für alle anderen Genres zutrifft. Verschiedene Film-Klischees werden natürlich mit Vorliebe von Komödien genutzt und aufs Korn genommen, man denke nur an Komödien wie „Hot Shots! – Der zweite Versuch“ oder „Wayne's World“. Filmkritiker Roger Ebert veröffentlichte sogar ein Buch in dem er „Filmklischees, Stereotypen, obligatorische Szenen“ und dergleichen mehr auflistet.
- Das Fotoalbum zur Filmzeitung bei Picasa
- Ein Plädoyer für die Fortsetzung
- Von Rückenlehnen-Tretern und Strohhalm-Gurglern
- „We've got company“ – Das Video zum Zitat
- Übersetzungschaos auf der Leinwand
- Drei Dimensionen, kein Tiefgang
- Das ist nicht mein „Herr der Ringe“
- Die wohl ausführlichste Liste mit Filmklischees bietet „Moviecliches.com“
- Die Seite „Denofgeek.com“ listet 100 verschiedene Filmklischees
- Computerspiel-Adaptionen – Eine Frage des Geldes
Obwohl die meisten Klischees und immer und immer wieder verwendeten Plotelemente (man denke nur an die Jagd nach den unkopierbaren Disketten in den Neunziger Jahren) natürlich längst bekannt sind, tauchen immer wieder neue Entdeckungen von Film-Elementen auf, die uns so in fast allen Produktionen bereits seit Jahren begleiten.
Da wäre zum einen ein Video, dass der YouTube-User Guy Bauer im April diesen Jahres ins Netz gestellt hat. Das Video ist Teil seiner wöchentlichen Web-Show, darin zu sehen ist ein Zusammenschnitt von Filmszenen in denen die Phrase „We've got company!“ („Wir haben Gesellschaft!“) vorkommt. Es ist nicht gerade überraschend, dass die kurze Dialogzeile in zahllosen Blockbustern vorkommt, aber irgendwo überrascht die Häufigkeit insbesondere bei den neueren Produktionen.
Erst kürzlich hat der Picasa-Nutzer Katus ein Fotoalbum ins Netz gestellt, in dem er ein offenes Geheimnis der amerikanischen Filmindustrie illustriert: Mit Screenshots aus Filmen und TV-Serien belegt er, dass es in US-Produktionen offenbar eine Requisite gibt, die in unzähligen Produktionen auftaucht. Seien es die Abenteuer von Remington Steele oder Al Bundy oder der Film „No Country for Old Men“, in allen taucht sie auf: Eine ominöse Zeitung, die Darstellern immer dann in die Hand gedrückt zu werden scheint, wenn deren Inhalt egal ist. Für Filmfans ein gefundenes Fressen, ab sofort kann man nicht nur nach quietschenden Reifen Ausschau halten (immer gern genommen: beim langsamen Anfahren auf Kiesuntergrund), sondern auch nach der generischen Zeitung, die verschiedene Schauspieler sicher schon auswendig kennen.
Auch von unseren Twitter-Followern gab es bezüglich des Themas „Filmklischees“ etwas Feedback. Wir hatten darum gebeten uns die favorisierten Klischees aus der Filmwelt mitzuteilen: User „WoHei“ findet besonderen Gefallen an den Digitalanzeigen von Zeitbomben, die beim Herunterzählen der Zeit trotz LEDs tickende Geräusche machen. Nicht weniger häufig ist auch das Klischee des biertrinkenden Deutschen in der Lederhose, das zu den Favoriten von Twitter-User „joerncy“ zählt.
Ein besonders allgemeines Klischee, das unserem Follower „mrvanknobi“ am Herzen liegt, wird wirklich nur selten von einem Film gebrochen: „Das Gute gewinnt immer“. Wenn sich dieses Klischee einmal ändern sollte, könnte es jedoch passieren, dass die Kinosäle leer bleiben. Was viele der anderen Klischees betrifft: Abwechslung tut not.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes jeden Mittwoch über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
























