Vorgeführt – Die Film-Kolumne

Computerspiel-Adaptionen – Eine Frage des Geldes

Von Dominik Hammes

Foto: Walt Disney
Foto: Walt Disney Mike Newell inszenierte „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle, ausserdem dabei: Oscar-Preisträger Ben Kingsley.

Mit einem geschätzten Budget von 150 Millionen US-Dollar startet „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos. Als Verfilmung einer bekannten Computerspiele-Reihe sieht sich die Großproduktion allerhand Vorurteilen gegenüber. Weshalb gelingt die Adaption von Videospiel-Stoffen auch abseits von Uwe Boll nur so selten?

Bereits seit 1989 springt, klettert und fechtet sich der namenlose Prinz von Persien durch verschiedenste Computerspiele. Die von Jordan Mechner erdachte Spielfigur und ihre Abenteuer im Orient gehören zum Kanon klassischer Spiele und haben weltweit eine große Fangemeinde. Dass Hollywood über kurz oder lang die Rechte zur Verfilmung der Spiele erwerben würde war nur eine Frage der Zeit.

Als erste Adaption eines Computerspiels gilt der kuriose Leinwandunfall „Super Mario Bros.“ aus dem Jahre 1993. Die Idee, die Geschichte zweier Brüder die durch eine Welt voll von gigantischen, grünen Abflussrohren rennen, Schildkröten auf den Kopf springen und Feuerbälle um sich werfen in einen Realfilm zu verwandeln und Hollywoodstars wie Dennis Hopper darin zu besetzen, kann nur von einem Geschäftsmann kommen. Die Formel „Erfolgreiche Franchise plus Stars gleich Gewinn“ geht an den Kinokassen zwar häufig auf, aber im Falle von „Super Mario Bros.“ hatte man sich enorm verschätzt. Nicht einmal die Hälfte des 48 Millionen starken Budgets konnte in den amerikanischen Kinos eingespielt werden.

Die absurde Welt und der skurrile Storyverlauf von „Super Mario Bros.“ sind ein wunderbares Beispiel für die Probleme einer Computerspiel-Adaption. Die Filmemacher sind gefangen zwischen dem Zwang, es den meinungsmachenden Fans des Spiels recht zu machen und gleichzeitig einen mit dem Massenmarkt kompatiblen Film zu drehen. Das ist beileibe keine neue Zwickmühle, Buch- und Comicadaptionen haben mit der gleichen Problematik zu kämpfen.

Was macht also die besondere Situation bei Computerspielen aus? Zunächst sind Computerspiele nicht zwingend ein erzählendes Medium, den Kern bildet – selbst bei storylastigen Titeln – das Spielprinzip. Obwohl sich mittlerweile viele Spiele dem Kino angenähert haben und mindestens neben, idealerweise aber verwoben mit dem Spiel eine Geschichte erzählen, tritt diese gerade bei klassischen Titeln in den Hintergrund. Hinzu kommt die dem Film abgehende Interaktivität, die die Identifizierung mit der Hauptfigur intensiviert. Es ist kein Wunder, dass viele Spieler sich beschweren wenn für die Hauptrolle in einer Computerspiele-Verfilmung nicht ihr Wunschkandidat besetzt wird – schließlich haben sie mehrere Stunden darin investiert, genau diese Titelrolle selbst auszufüllen.

Aber auch andere Entscheidungen der Filmemacher stoßen immer wieder auf Verärgerung und Unverständnis bei den Spielern der Filmvorlagen. Sei es eine stark abgewandelte Story oder eine vollkommen andere Atmosphäre, wie auch bei anderen Adaptionen, sind es insbesondere die Unterschiede zum Original, die die Fans vergraulen.

Lesen Sie auf Seite 2 unter anderem von den Gemeinsamkeiten von Computerspiel-Verfilmung und dem Computerspiel zum Film.
Twitter-Echo 1/3
Auf unsere Anfrage nach Meinungen zu Computerspiele-Verfilmungen haben wir einige Rückmeldungen auf Twitter erhalten:



Twitter-User @teh_aSak sieht „alles von Herrn Boll“ als Negativbeispiel, findet aber Gefallen an „Tomb Raider“ und „Doom“. Ausserdem wünscht er sich eine Verfilmung des Grafikadventures „Monkey Island“
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