Vorgeführt – Die Film-Kolumne
Übersetzungschaos auf der Leinwand
Von Dominik Hammes
„Das sind die ersten, die nach der Revolution an die Wand gestellt werden.“ Das sagte ein anonym bleibender Filmdozent einmal über die Übersetzer von Filmtiteln. Nicht völlig zu unrecht, aber die teilweise äußerst absurden Übersetzungen haben auch einen hohen Unterhaltungswert.
In die Top 10 der schlimmsten deutschen Filmtitel wird es „Zu scharf um wahr zu sein“ jedoch bei Weitem nicht schaffen.
Ein deutscher Filmtitel für einen ausländischen Film stellt für den Filmverleih nicht eine Übersetzung dar, sondern vielmehr den Namen unter dem das Produkt auf dem deutschen Filmmarkt verkauft werden wird. Damit wird die Motivation für das Ändern von Filmtiteln klar: Bestimmte englische Titel sind nicht für alle Publikumsgruppen leicht zu verstehen – gleichzeitig rechnen sich viele Verleihe mehr Erfolg aus, wenn es sich um einen englischen Titel handelt, insbesondere bei bestimmten Genres.
So wurden die Filme der Reihe „Bring It On“ unter dem leichter verständlichen, aber auch nahezu aussagefreiem Titel „Girls United“ in die deutschen Kinos, beziehungsweise DVD-Regale gebracht. Auch die Komödie „Mean Girls“ – ein Titel der eigentlich für jedes Mitglied der Zielgruppe verständlich sein sollte – bekam einen eingedeutschten, englischen Titel. Da „Girls Club“ zwar einfacher zu verstehen ist, aber eine wichtige Zusatzinformation vermissen lässt, fügte man noch den deutschen Untertitel „Vorsicht Bissig!“ hinzu. Nunja.
„Nur noch 60 Sekunden“ ist einer der wenigen Filmtitel, bei dem wirklich alles falsch gelaufen ist. Der Originaltitel „Gone in Sixty Seconds“ wurde nicht nur falsch übersetzt, sondern lässt auch jeden Bezug auf den Film vermissen. Zu keinem Zeitpunkt hat jemand im Verlauf des Films nur noch 60 Sekunden übrig, um etwas zu erreichen. Damit erging es dem Remake des Films von 1976 besser als den Fortsetzungen aus den Achtzigern Jahren. Während das Original noch den kreativen Titel „Die Blechpiraten“ trug, musste der zweite Teil mit „Auf dem Highway spielt die Polizei verrückt“ gar auf den Titel einer anderen Filmreihe verweisen. Die Referenz auf den Film „Auf dem Highway ist die Hölle lost“ mit Burt Reynolds ist beinahe absurd, schließlich lautet der Originaltitel hier „The Cannonball Run“.
Gerade bei Komödien schlagen die kreativen Köpfe der deutschen Filmverleihe gerne zu, da wird aus „Without a Paddle“ der fragwürdige Reim „Trouble ohne Paddel“, aus der Komödie „Stripes“ mit Bill Murray wird „Ich glaub' mich knutscht ein Elch“. Ähnliches geschah einige Jahre später mit einem anderen Film des ehemaligen Ensemblemitglieds von „Saturday Night Live“: Was im Englischen kurz und knackig „Groundhog Day“ hieß, wurde für den deutschen Markt in die Inhaltsbeschreibung „Und täglich grüßt das Murmeltier“ verwandelt.
Dass die deutsche Übersetzungs- und Synchronisierungsindustrie auch zu durchaus witzigen Übersetzungen in der Lage ist zeigen solch seltene Titel wie „Hennen rennen“ für den Animationsfilm „Chicken Run“ und die Synchronisierung der Filme mit Bud Spencer und Terence Hill, sowie die deutsche Fassung von „Mystery Science Theatre 3000“ mit Oliver Kalkofe und Oliver Welke.
Obwohl die wirklich kurios übertragenen Titel mit den Jahren immer weniger geworden sind, muss man auch in Zukunft nicht auf die witzigen Unfälle auf deutschen Kinoplakaten verzichten. Spätestens am 13. Mai kann man wieder einen solchen bewundern, dann startet „The Back-Up Plan“ in unseren Kinos. Der deutsche Titel: „Plan B für die Liebe“.
























