Pressluft – Die Wochensatire

Apple gegen Kirche und Vulkan

Von Dominik Hammes

Foto: Screenshot Gizmodo.com
Foto: Screenshot Gizmodo.com Das jetzt weltweit berühmte Überbleibsel aus dem Bierhaus in Kalifornien.

Eyjafjallajokull und seine Aschewolke beherrschten die Schlagzeilen der letzten Tage. Dazwischen mischt sich immer wieder der Kirchenskandal. Doch wenn es um die Aufmerksamkeit des Internets geht, ist der Sieger klar: Er heißt Gray Powell.

Ihm – oder vielmehr seinem Arbeitgeber Apple – ist es gelungen, Vulkanen, der Krise der katholischen Kirche, Promi-Schwangerschaften und Wirtschaftskrisen die Stirn zu bieten. So sehr sich Naturgewalten und Weltreligionen auch anstrengen, wer sich im Kampf um das meist diskutierte Thema im Netz gegen den PR-Profi aus Kalifornien durchsetzen will, hat besser einen Weltuntergang, die Rückkehr Christi oder beides im Gepäck.

Es war nicht viel von Nöten um das Netz von allem Übrigen abzulenken. Ein kleines Versehen durch einen Apple-Mitarbeiter unter Alkoholeinfluss, ein zumindest moralisch bedenklicher Geldtransfer und einige Blog-Einträge – schon stand das Netz in Flammen und ein neuer Promi war geboren: Gray Powell. Ein junger Mitarbeiter des erfolgreichen Apfelproduzenten ist der tragische Held dieser Geschichte. Sein Arbeitgeber hatte ihn offenbar als würdig befunden ein seltenes, besonderes und experimentelles Artefakt mit sich zu führen: Ein unfertiges Mobiltelefon.

Das Verlieren dieser Reliquie und der in dem Technologie-Blog Gizmodo veröffentlichte Bericht über das Fundstück erhoben Powell in den fragwürdigen Olymp der Internetberühmtheiten. Twitter, Facebook, Flickr – der nicht nur berufsbedingt netzaffine Hobbyfotograf war im Web 2.0 sehr präsent und aktiv. Inzwischen sind nur noch Screenshots seiner virtuellen Netzspuren verfügbar: Powell hat die Privatsphäre-Einstellungen hochgefahren.

Gerade aus deutscher Sicht hat der Verlust des Prototypen amüsante Aspekte: Deutsches Bier aus dem „Gourmet Haus Staudt“ wurde von Powell am Abend des Vorfalls konsumiert, vielleicht war es gar das Bier, das ihn weniger aufmerksam sein ließ und so die ganze Geschichte erst ins Rollen brachte. Nicola C. Lange, zuständig für Marketing und Kundenbeziehungen bei den amerikanischen Büros der Lufthansa, verfasste sogar einen offenen Brief an Powell, in dem sie ihm einen kostenlosen Flug nach München anbot und die neue Business Lounge im Stile eines bayrischen Biergartens empfahl.

Ein sympathischer Versuch sich an den Erfolg des Weltmeisters der Public-Relations zu hängen. Ob es sich bei der Affäre tatsächlich um den ersten großen Fehler der Geheimhaltung von Apple, oder wie vielfach vermutet um eine Inszenierung handelt, ist egal. Einmal mehr spricht jeder über die putzigen Geräte aus China, beziehungsweise Cupertino und dort weiß man: Es gibt keine schlechte Werbung.
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