„Abgesetzt“: Siebte Staffel Dschungelcamp
Überlebenskampf fast vergessener Existenzen
Von Kevin Körber
„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ im Special bei RTL.de
Heute schickt RTL wieder elf mal mehr, mal weniger bekannte Prominente in den australischen Dschungel. Wer am Ende Dschungelkönigin oder Dschungelkönig wird, spielt bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ allerdings nur eine sehr untergeordnete Rolle...
Selbstredend: Dass sich hinter „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ letztendlich nur ein letztes mediales Auffangbecken für abgehalfterte C-Prominente verbirgt, daran besteht auch bei mir kein Zweifel. Zwar bestätigen Ausnahmen wie ein Ross Antony, der nach dem Bro‘Sis-Aus mit seiner Teilnahme an der RTL-Show einen regelrechten Ausflug in die oberen Plätze der Promi-Bundesliga unternahm, die Regel, aber auch von solchen Kandidaten lasse ich mich als Zuschauer dann gerne überraschen – und zwar positiv.
Auf die Frage, warum in diesem Jahr die Schauspielerinnen Allegra Curtis und Claudelle Deckert, Ex-„Bachelor“-Kandidatin Georgina, Katzenberger-Mutter Iris Klein, Ex-„Topmodel“-Kandidatin Fiona Erdmann, Dragqueen Olivia Jones, Kaufhauserpresser Arno Funke, Schauspieler Helmut Berger, „DSDS“-Kandidat Joey Heindle, Ex-„DSDS“-Juror Patrick Nuo und Hot-Banditoz-Sänger Silvia Gonzalez denn bitte schön an der Sendung teilnehmen, lauten die Antworten einstimmig einschläfernd: „Ich sehe es als Abenteuer“, „Es ist eine große Herausforderung“ oder „Ich will wissen, wo meine Grenzen liegen“.
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es gehe mir nicht darum zu sehen, wie sich Olivia Jones in Hochhackigen durch mit Schlamm und Getier befüllte Behältnisse oder Helmut Berger möglicherweise auf Känguruhoden herumbeißen muss. Aber es geht um viel mehr. Für Medieninteressierte ist das Dschungelcamp ein Eldorado: Neben den wahren Gesichtern der Kandidaten, von denen die Fassade Tag für Tag mehr zu bröckeln beginnt, erlebt man so im Umkehrschluss auch zahlreiche Überraschungsmomente und bemerkt plötzlich, wie langweilig das schöne Model und wie engagiert, teamfähig und stark sich der älteste Dschungel-Teilnehmer plötzlich gibt.
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„Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ ist gut gemachtes Fernsehen. Anfänglich als neues Ekel-TV nach „Big Brother“ betitelt, wurde nach nun mehr sechs Staffeln schnell klar, dass es sich viel mehr um eine handwerklich hervorragende Mischung aus Medienschelte und Abenteuer-Show handelt. Überlebenskampf unter anderen geltungssüchtigen und fast vergessenen Existenzen, statt Überlebenskampf im wilden Dschungel zwischen Schlangen und anderem Getier.
Das RTL-Dschungelabenteuer ist keineswegs Trash-TV. Im Gegensatz zu vielen anderen Fremdschäm-Formaten wie „Bauer sucht Frau“, „Schwer verliebt“ oder „Schwiegertochter gesucht“, kann man hier keinem Redakteur der Welt Böswilligkeit vorwerfen, weil medienunerfahrene Menschen plötzlich mit Kameras konfrontiert und mit eigensinnigen, irrsinnigen zur Situation passenden Musikstücken und Off-Texten von Bause, Int-Veen oder Britt geradewegs in den Himmel der Schrulligkeit und Schadenfreude gehievt werden.
Die prominenten Teilnehmer bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ wissen, worauf sie sich einlassen. Sie sind – oder waren – Profi genug, um zu wissen, was es bedeutet, sich rund um die Uhr von Kameras zu beobachten und selten angenehme Dschungelprüfungen über sich ergehen zu lassen. Sie selbst liefern sich als Clowns dem Medienzirkus aus und agieren berechnend. Zeigen Sie dann ihr wahres Gesicht unter der Schminke, fängt es an, spannend zu werden. Manch einer wächst jedoch auch überraschend über sich hinaus und entpuppt sich plötzlich als fairer Teamplayer, Leitwolf oder Motivator der Gruppe.
Die größte Herausforderung der siebten Staffel jedenfalls, steht für alle Prominenten bereits vor der Premiere fest: ihre prominenten Mitstreiter.
In seiner Kolumne „Abgesetzt“ wirft newsecho.de-Redaktionsleiter
Kevin Körber einen kritisch-amüsierten Blick auf das Drunter und Drüber der Medienwelt.

























