Vorgeführt – Die Film-Kolumne
3D, 4D… das Kino als Erlebnispark
Von Dominik Hammes
Im Fahrwasser des sehr langsam abebbenden 3D-Trends bemühen sich Filmstudios und Kinobetreiber darum, eine weitere Form totgeglaubter Zusatztechnik in unsere Kinos zu bringen: Geruchssprays, rüttelnde Sitze, künstlicher Regen und Wind sollen wahlweise die vierte oder auch fünfte Dimension des Filmerlebnisses werden.
Ganz so extrem wie die „Atomo-Vision“ und „Rumble-Rama“ getauften, fiktiven Techniken, die Woolsey in dem Film „Matinee“ einsetzt, geht es in modernen 4D-Kinos zwar nicht zu, dennoch gibt es Gemeinsamkeiten: Nicht nur haben beide ihre Vorbilder in den fünfziger Jahren, als derartige Techniken tatsächlich eingesetzt wurden, nein, beide Macher versprechen sich von den zusätzlichen Spezialeffekten höhere Kartenverkäufe.
Kinosäle mit entsprechender Technik gibt es auch heute noch – oder wieder, wenn auch in bislang sehr begrenzter Zahl. Die Möglichkeiten, die ein komplett ausgestattetes 4D-Kino bieten, reichen von simpler Verbreitung künstlicher Gerüche, bis hin zu künstlichem Regen und Wind, der in die Gesichter des Publikums bläst. Mittels Elektromotoren in den Sitzen, deren Wirkung von einer Massage bis hin der von sanften Schlägen reichen, soll der Eindruck vermittelt werden, man sei mitten im Geschehen.
Natürlich handelt es sich bei solchen Kinosälen um echte Ausnahmeerscheinungen, die meist im Rahmen von Vergnügungsparks eingesetzt werden. Dennoch bemüht sich die Filmindustrie immer wieder darum, die Technologie auch einem Massenpublikum zugänglich zu machen. Insbesondere eine vergleichsweise harmlose Technik, bei der über die Klimaanlage des Kinos künstliche Duftaromen in die Säle geleitet werden, wurde wohl nicht zuletzt aufgrund des geringen Aufwands, mehrfach getestet. Auch in Deutschland wurden Kinogänger im Jahr 2008 vereinzelt mit unterschiedlichen Parfüms bedacht, wenn sie den zweifelhaften Genuss hatten den Film „27 Dresses“ zu sehen.
Radikaler wird das mehrdimensionale Unterhaltungsprogramm bei aktuellen Blockbustern wie den neuesten Teilen von „Transformers“ – hier wird zum Teil der Geruch von verbranntem Gummi in die Kinos geleitet –, „Fluch der Karibik“ – viel Wasser und ein Geruch so „süß wie Johnny Depp“. Bereits für „Avatar“ dufteten verschiedene Kinos und zwar nach Explosionen, dazu kamen künstlicher Wind und aufblitzende Lichter.
Bei so viel Ablenkung darf man sich fragen: Wer konzentriert sich da noch auf die Leinwand – und wie macht er das? Der Hauptgrund für einen Filmfreund, nicht ins Kino zu gehen, sind Mitzuschauer die in die Nacken ihrer Vordermänner niesen, mit Popcorn werfen oder mit grellen Handy-Displays vom Film ablenken – dafür soll man Aufpreis zahlen? Mit klassischem Kinogenuss hat derartige Technik jedenfalls wenig zu tun, auch wenn die Erfahrung eines 4 oder auch 9D-Films sicherlich interessant ist, gehört diese Technik in einen Erlebnispark, nicht ins Kino.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
























