Vorgeführt – Die Film-Kolumne

George, lass gut sein

Von Dominik Hammes

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Foto: dpa George Lucas, Schöpfer des „Star Wars“-Universums, ändert zum Unbill seiner Fans immer wieder große und kleine Dinge an seiner beliebten Filmreihe.

Ja, er hat es schon wieder getan. Nein, er wird es nie lernen. Das sind die Antworten, die man „Star Wars“-Fans dieser Tage geben kann, wenn diese einmal mehr den Schöpfer ihrer liebsten Filmreihe verfluchen, da er erneut an seinen Filmen herumgeschnippselt hat.

Man muss mindestens bis zur Neu-Veröffentlichung der ursprünglichen „Star Wars“-Reihe im Jahr 1997 zurück gehen um die Wut einer sehr großen Gruppe von Hardcore-Fans wirklich zu verstehen. Damals brachte Lucas die klassische Saga rund um Luke, Leia, Hand und Co. in einer restaurierten, überarbeiteten und auch inhaltlich geänderten Fassung neu in die Kinos.

Puristen verabscheuten schon die neuen Computereffekte, die es in den Originalfassungen der Siebziger und Achtziger nicht gab, was die inhaltlichen Änderungen anging, waren sich jedoch beinahe alle Fans in ihrer Reaktion einig: Entsetzen, Abscheu oder zumindest absolute Verwirrung. Mag es noch als nettes Extra anmuten, dass zuvor geschnittene Szenen es mit moderner Tricktechnik doch noch in die Trilogie schaffen, so brachte eine Änderung den Hass der Fans besonders zum Vorschein: In einer sehr frühen Szene erschoss Han Solo einen Kopfgeldjäger der ihn mit einer Waffe bedrohte – nun schießt dieser bevor er getötet wird.

Über Sinn und Unsinn dieser Änderung, sowie die Intention von George Lucas wurde lange debattiert. Übrig bleiben nach weiteren kleineren Anpassungen der Szene (und vieler anderer) über die Jahre zwei Dinge: Die ursprüngliche, nicht abgeänderte Kinofassung ist in keiner, alle Fans zufriedenstellenden Version auf dem Markt und George Lucas setzt seinen Hang zu neuen Änderungen am Film kontinuierlich fort.

In Neufassungen der alten Saga tauschte er Schauspieler aus, schnitt munter weiter an verschiedenen Szenen herum und hat nun mit der langersehnten Blu-ray-Fassung einmal mehr Salz in die Wunden langjähriger Fans gestreut: In einer der dramatischsten Szenen der Filmreihe, die Filmbösewicht Darth Vader bislang stumm absolvierte, darf er nun zweimal ein „Nein!“ rufen. Das ist natürlich nur die auffälligste der Änderungen, computergenerierte Augenlider auf den Gesichtern der kleinen Ewoks lassen diese zum ersten Mal auch blinzeln, verschiedene kleine Fehler wurden ausgemerzt.

Als die Nachricht über die größeren Änderungen an „Star Wars“ bekannt wurden, begann der Aufschrei der Fans schnell und heftig. Viele hatten bereits mit Änderungen gerechnet, aber als sie tatsächlich bestätigt wurden, war der Zorn umso größer. Die Amazon-Bewertungen der Blu-ray-Veröffentlichung der Filmreihe lesen sich zum Teil wie ein Frustforum einer „Star Wars“-Selbsthilfegruppe.

Dabei argumentieren die „Star Wars“-Jünger zum Teil mit Lucas' eigenen Worten, da dieser von jeher gegen eine Kolorierung und zu starke Restaurierung alter Filme eingetreten ist. Diese sollten auch in Zukunft, möglichst im zeitlichen Kontext ihrer Veröffentlichung konsumiert und verstanden werden. Bei seinen eigenen Werken nimmt er jedoch für sich als Filmemacher das Recht in Anspruch, zu bestimmen, welche Version des Films die Zeit überdauern soll.

Dabei könnte es Lucas so einfach haben. Um die lautesten Stimmen der Fans vom Meckern abzubringen müsste er „nur“ das Bild der alten Kinofassung restaurieren lassen auf Blu-ray veröffentlichen. Selbst eine Version mit minimalen Korrekturen tatsächlicher Fehler würden sich viele Fans gefallen lassen, so lange der ursprüngliche Schnitt der Filme verfügbar ist. Dass eine Restauration des Filmmaterials zu teuer sei, wie Lucas angibt, wirkt unglaubwürdig. Er ist mitverantwortlich für mehrere der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, seine Firmen arbeiten an unzähligen Hollywood-Produktionen mit und das „Star Wars“-Logo wurde von Unterwäsche, über Getränkebecher bis hin zu Süßigkeiten auf jedes nur erdenkliche Produkt gedruckt. Zu teuer? Machen wir uns nicht lächerlich, zu stur träfe es eher.

In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
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