23.07.2010, 14:35 Uhr
Abgesetzt – Die Medien-Kolumne
„Ent-oder-weder“: Emotionaler Sieg mit Schwächen
Von Kevin Körber
Eigentlich ging ich fest davon aus, dass sich Improvisations-Shows im deutschen Fernsehen längst auf dem absteigenden Ast befinden. Doch der Digitalsender ZDFneo will mit einer genau solchen seit gestern auf Publikumsfang gehen – bei durchaus sehenswerter Besetzung.
Hella von Sinnen, Bernhard Hoëcker, Michael Kessler und Oliver Kalkofe – würde man einen Unterhaltungschef fragen, wie sein Wunschpanel einer Comedysendung auszusehen hätte, kämen diese Namen sicher in die Nähe dessen, was man als perfekt bezeichnen könnte. „Quatsch Comedy Club“-Legende Thomas Hermanns leitet als Inbegriff der Comedyszene Deutschlands das Geschehen als Moderator und der 30-minütige Fernsehspaß kann beginnen.
Bei ZDFneo heißt das dann „Ent-oder-weder – Das Comedy-Duell“ und wird – mutig, mutig – inmitten des Sommerlochs am Donnerstagabend gegen 23 Uhr programmiert. Das Konzept ist schnell erzählt: In Zweier-Teams stellen sich die Comedians Themen, die „Ringrichter“ Hermanns vorgibt. In der ersten Ausgabe musste dann in Einzel- und Paar-Debatten über Themen wie beispielsweise „Gott war eine Frau“ referiert werden. Über die persönliche Haltung den Themen gegenüber entscheidet allerdings Spielleiter Thomas Hermanns. Und schon befindet man sich als Zuschauer inmitten einer illustren Runde, die durch ihre Comedians und die Kunst des Improvisierens glänzt.
Das jedenfalls wäre der wünschenswerte Idealzustand gewesen. Doch irgendwie wirkte die Sendung für das, was sie sein soll, zu verplant, zu gehetzt. Es gab nur wenige Augenblicke, in denen die Comedians aus dem Vollen schöpfen konnten. Höchstleistungen, wie man sie von Hella von Sinnen oder Bernhard Hoëcker aus „Genial daneben“ kennt, suchte man in der ersten Ausgabe von „Ent-oder-weder“ leider vergebens. Auch der in Sachen Impro erprobte Michael Kessler oder TV-Satire-Gott Oliver Kalkofe taten sich schwer, auf dem neuen Studioboden der Arri-Studios in München Fuß zu fassen.
Beinahe hatte man den Eindruck, es würde sich hier um die Pilotsendung handeln, die den Senderverantwortlichen zur Ansicht angeboten wurde. „Hauptsache skurril“ sollen die Teams bei ihrer Themenpräsentation agieren. Zumindest laut ZDFneo-Pressetext. Von den „haarsträubenden Meinungen“ oder dem dadurch erhofften Zwang zur „Improvisation auf höchstem Niveau“ war in der Auftaktfolge von „Ent-oder-weder“ leider wenig zu sehen. Das mag nichtmal am Können von Kessler, Hoëcker und Co. gelegen haben, sondern einfach an den schnell offengelegten Schwächen des Formats. Sichtlich schwierig schien es gleich in der ersten Spielrunde beispielsweise Hella von Sinnen zu fallen, eine Position zu einem Thema einzunehmen, hinter der sie einfach nicht steht und am Ende ihres Vortrags ganz offen kund tat, dass sie eigentlich ganz anderer Meinung sei.
Freilich ist genau das das Showkonzept – alles andere wäre zu langweilig. Und genau deshalb kann man sich nach der Premiere durchaus die Frage stellen, inwiefern die Comedians noch in diese Rolle reinwachsen müssen, um dann – wie beim Lesen der Formatbeschreibung einfach erwartet – locker und ohne Zögern agieren zu können. Wie immer bei einem wechselnden Panel mit verschiedenen Gästen sinkt und fällt die Sendung mit eben diesen.
Potenzial hat „Ent-oder-weder“ – ohne Frage. Interessanter würde es sich für den Zuschauer jedoch sicherlich gestalten, wenn wochenaktuelle Themen zur Debatte gestellt werden. Vielleicht würde es einem Oliver Kalkofe einfacher fallen, eine Meinung zum Thema „Orakel-Krake Paul wird Ehrenbürger Spaniens“ zu vertreten, als sich künstlich über „Frau am Steuer – Ungeheuer“ zu echauffieren. Für die abgedrehten sechs Folgen der ersten Staffel dürfte das aber nicht mehr zu erwarten sein.
Am Ende entscheidet übrigens das Studiopublikum darüber, welches Comedy-Duo sich am besten geschlagen hat. Dabei müssen sich die Zuschauer von ihren Plätzen erheben und sich hinter dem entsprechend favorisierten Team versammeln. Hermanns positionierte sich im Vordergrund und fasste in alter „Herzblatt“-Susi-Manier nochmals die vorgetragenen Debatten zusammen.
Als der Abspann schon lief und man darüber informiert wurde, dass die Produktionsfirma Puzzle-TV, die unter anderem von Bernhard Hoëcker als Gesellschafter mitgegründet wurde, für „Ent-oder-weder“ verantwortlich zeichnet, sah man anhand der Zuschauerverteilung, dass das Duo Hoëcker/von Sinnen als Sieger des Abends gekürt wurde. Für beide dürfte das Fazit – passend zur Sendung – lauten: Ein rein emotionaler Sieg mit Schwächen.
In seiner Kolumne „Abgesetzt“ wirft newsecho.de-Redaktionsleiter
Kevin Körber einen kritisch-amüsierten Blick auf das Drunter und Drüber der Medienwelt.
Bei ZDFneo heißt das dann „Ent-oder-weder – Das Comedy-Duell“ und wird – mutig, mutig – inmitten des Sommerlochs am Donnerstagabend gegen 23 Uhr programmiert. Das Konzept ist schnell erzählt: In Zweier-Teams stellen sich die Comedians Themen, die „Ringrichter“ Hermanns vorgibt. In der ersten Ausgabe musste dann in Einzel- und Paar-Debatten über Themen wie beispielsweise „Gott war eine Frau“ referiert werden. Über die persönliche Haltung den Themen gegenüber entscheidet allerdings Spielleiter Thomas Hermanns. Und schon befindet man sich als Zuschauer inmitten einer illustren Runde, die durch ihre Comedians und die Kunst des Improvisierens glänzt.
Das jedenfalls wäre der wünschenswerte Idealzustand gewesen. Doch irgendwie wirkte die Sendung für das, was sie sein soll, zu verplant, zu gehetzt. Es gab nur wenige Augenblicke, in denen die Comedians aus dem Vollen schöpfen konnten. Höchstleistungen, wie man sie von Hella von Sinnen oder Bernhard Hoëcker aus „Genial daneben“ kennt, suchte man in der ersten Ausgabe von „Ent-oder-weder“ leider vergebens. Auch der in Sachen Impro erprobte Michael Kessler oder TV-Satire-Gott Oliver Kalkofe taten sich schwer, auf dem neuen Studioboden der Arri-Studios in München Fuß zu fassen.
Beinahe hatte man den Eindruck, es würde sich hier um die Pilotsendung handeln, die den Senderverantwortlichen zur Ansicht angeboten wurde. „Hauptsache skurril“ sollen die Teams bei ihrer Themenpräsentation agieren. Zumindest laut ZDFneo-Pressetext. Von den „haarsträubenden Meinungen“ oder dem dadurch erhofften Zwang zur „Improvisation auf höchstem Niveau“ war in der Auftaktfolge von „Ent-oder-weder“ leider wenig zu sehen. Das mag nichtmal am Können von Kessler, Hoëcker und Co. gelegen haben, sondern einfach an den schnell offengelegten Schwächen des Formats. Sichtlich schwierig schien es gleich in der ersten Spielrunde beispielsweise Hella von Sinnen zu fallen, eine Position zu einem Thema einzunehmen, hinter der sie einfach nicht steht und am Ende ihres Vortrags ganz offen kund tat, dass sie eigentlich ganz anderer Meinung sei.
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Potenzial hat „Ent-oder-weder“ – ohne Frage. Interessanter würde es sich für den Zuschauer jedoch sicherlich gestalten, wenn wochenaktuelle Themen zur Debatte gestellt werden. Vielleicht würde es einem Oliver Kalkofe einfacher fallen, eine Meinung zum Thema „Orakel-Krake Paul wird Ehrenbürger Spaniens“ zu vertreten, als sich künstlich über „Frau am Steuer – Ungeheuer“ zu echauffieren. Für die abgedrehten sechs Folgen der ersten Staffel dürfte das aber nicht mehr zu erwarten sein.
Am Ende entscheidet übrigens das Studiopublikum darüber, welches Comedy-Duo sich am besten geschlagen hat. Dabei müssen sich die Zuschauer von ihren Plätzen erheben und sich hinter dem entsprechend favorisierten Team versammeln. Hermanns positionierte sich im Vordergrund und fasste in alter „Herzblatt“-Susi-Manier nochmals die vorgetragenen Debatten zusammen.
Als der Abspann schon lief und man darüber informiert wurde, dass die Produktionsfirma Puzzle-TV, die unter anderem von Bernhard Hoëcker als Gesellschafter mitgegründet wurde, für „Ent-oder-weder“ verantwortlich zeichnet, sah man anhand der Zuschauerverteilung, dass das Duo Hoëcker/von Sinnen als Sieger des Abends gekürt wurde. Für beide dürfte das Fazit – passend zur Sendung – lauten: Ein rein emotionaler Sieg mit Schwächen.
In seiner Kolumne „Abgesetzt“ wirft newsecho.de-Redaktionsleiter
Kevin Körber einen kritisch-amüsierten Blick auf das Drunter und Drüber der Medienwelt.
























