Vorgeführt – Die Film-Kolumne

Drei Dimensionen, kein Tiefgang

Von Dominik Hammes

Foto: Warner Brothers
Foto: Warner Brothers „Kampf der Titanen“ thront momentan auf Platz eins der deutschen Kinocharts.

Mehr als eine halbe Million Zuschauer hat „Kampf der Titanen“ in seiner ersten Woche angezogen. Damit ist das Actionspektakel einer von vier Filmen in den Top 10 die auch in 3D angeboten werden. Aber wer braucht die neue Technologie überhaupt?

Es hätte keinen Wahrsager gebraucht um den momentanen Spitzenreiter der deutschen Kinocharts vorherzusagen. Schon der Trailer von „Clash of the Titans“ kam mit – durchaus sehenswertem – Getöse daher und machte Lust auf mehr. Es scheint unvermeidlich für jeden Möchtegern-Blockbuster dieser Tage, ein ganz besonderes Feature zu bieten: 3D.

Obwohl „Avatar“ bei Weitem nicht der erste Film war, der die neue 3D-Technik nutzte, kann man durchaus die These aufstellen, dass sein Erfolg den Durchbruch für die Technologie bedeutete. Hollywood scheint bereits während der Produktion von James Camerons „Avatar“ großes Vertrauen in den Erfolg des 3D-Films investiert zu haben. Sobald klar wurde, dass Camerons Saga rund um riesige blaue Aliens rekordverdächtige Kartenverkäufe in den Kinos verursachte, verging kaum eine Woche in der nicht entweder ein Film in der neuen 3D-Technik angekündigt, oder in die Kinos gebracht wurde.

Ob die Filme dabei von Anfang an in 3D geplant waren, oder nachträglich konvertiert werden, macht für die Filmstudios kaum keinen Unterschied. Die Entscheider, die abseits des kreativen Prozesses über Wohl und Wehe so mancher Produktion urteilen, interessieren sich hauptsächlich für die finanziellen Aspekte eines Films.

Was 3D angeht scheint die Rechnung klar: Kaum ein großer, bildgewaltiger Popcorn-Film wird es sich noch erlauben können ohne optionales 3D zu starten. Dabei wird die Technologie nicht nur als Feature verstanden, sondern auch als Marketing-Element.
Dabei bleibt natürlich immer die Frage, wie die zusätzlichen Kosten für die 3D-Technik wieder ausgeglichen werden können; eine Frage die sich auch die Kinos stellen müssen.

Es ist keine Überraschung, dass die Kosten auf den Zuschauer abgewälzt werden, was angesichts der Tatsache, dass man sich zwischen 3D und 2D entscheiden kann, auch kaum Kritik verursachen sollte. Die Aufpreise die mittlerweile für eine 3D-Vorstellung verlangt werden scheinen jedoch in keinem Verhältnis zu dem optischen Gewinn des Zuschauers zu stehen. Die beiden Kinoketten CineStar und Cinemaxx verlangen jeweils einen Aufpreis von ungefähr drei Euro (CineStar) beziehungsweise vier Euro (Cinemaxx) für 3D-Vorstellungen. Im Ticketpreis ist die benötigte 3D-Brille häufig nicht enthalten, was einen weiteren Aufpreis von ein bis zwei Euro bedeutet, der Zuschauer ist also gut beraten die Brille beim nächsten Besuch wieder mitzubringen.

Abseits aller Zahlenspiele stellt sich jedoch die Frage, was die 3D-Optik wirklich zum Filmerlebnis beiträgt. Ist 3D vielleicht doch nur das Aloe Vera des Kinos? Man kann mit Sicherheit sagen, dass es ein Teil des Produktes ist, aber ob der Film dadurch besser, oder schlechter wird, scheint unklar. Der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert bezeichnete 3D über Twitter als „eine störende, nervige, anti-realistische, kindische Scheußlichkeit, die als Ausrede für höhere Preise genutzt wird“, viele Zuschauer sehen das mittlerweile ähnlich.

Die virtuelle Tiefe, die das Bild auf der Leinwand erhält ist teuer erkauft: Dem Publikum fällt es schwerer den Blick wandern zu lassen, die räumliche Konzentration auf bestimmte Elemente, schränkt die Entscheidungsfreiheit ein. Wer die Augen vom dominanten Vordergrund abschweifen lässt, um sich mit dem Hintergrund zu beschäftigen, bekommt es nun nicht nur mit der harmlosen Unschärfe zu tun, sondern mit einem Effekt, der diese Perspektive tatsächlich erschwert. Einige Zuschauer verspüren spätestens nach einer Stunde störende Kopfschmerzen und nehmen die Brille ab. Zudem scheint die Wahl des Sitzes, also die Position im Kinosaal besonders wichtig zu sein: Wer abseits der Mitte sitzt scheint eher unter Kopfschmerzen zu leiden und weniger vom gewünschten 3D-Effekt mitzubekommen.

Doch selbst wenn man von 3D keine Kopfschmerzen bekommt, den perfekten Platz im Kinosaal einnimmt und sich kostengünstig ins Kino geschmuggelt hat – was gewinnt man durch die 3D-Optik? Von Kritikern wird 3D immer wieder als „Gimmick“ bezeichnet, eine kleine Spielerei bei der der Film dem Zuschauer zuruft „Hey! Guck mal was ich kann!“ und ihm dann einen Speer ins Gesicht hält, eine Rakete auf ihn abschießt oder Asche vor seinen Augen herab regnen lässt. Gleichzeitig zieht 3D – zumindest momentan noch – Aufmerksamkeit auf sich, und damit ab von den übrigen Stärken des Films: Schauspiel, Story, und selbst das „Eintauchen“ in die Welt des Films werden von 3D selten unterstützt sondern im Gegenteil in ihrer Wirkung eher behindert.

Jeder Film der voll von 3D-Effekten ist muss mit dem Verdacht kämpfen, mit der Optik von anderen Schwächen der Produktion ablenken zu wollen.
Solange es keinem Filmemacher gelingt die neue Technologie so einzusetzen, dass sie nur dann Aufmerksamkeit auf sich zieht, wenn es dem Film als Ganzes dient und nicht nur zum Selbstzweck über die Leinwand flimmert, werden die Kritiker recht behalten.

In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes jeden Mittwoch über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
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