Vorgeführt – Die Film-Kolumne

Comic-Con: Hollywood und die Geeks

Von Dominik Hammes

Foto: Flickr/koadmunkee
Foto: Flickr/koadmunkee Trotz der enormen Präsenz von Hollywoodfilmen stellen Comics immer noch das Rückgrat der Messe dar.

San Diego – An diesem Wochenende fand die bekannteste und größte Comic Convention der Welt statt. Mittendrin: Ein Haufen Comicfans, Geeks und eine um Aufmerksamkeit buhlende Filmindustrie.

Bereits seit 1970 finden sich zur Mutter aller Comic-Messen Leser, Verleger, Autoren, Künstler und Comic-Händler aus den USA und der Welt in Kalifornien ein. Zum Programm gehören Frage-und-Antwort-Runden mit den Autoren und Künstlern, Gewinnspiele, Signierstunden und natürlich die Präsentation von neuen Ideen. Aber diese nüchterne Beschreibung kann der Atmosphäre einer Comic-Messe kaum gerecht werden. Bei Hardcore-Comic-Fans handelt es sich um eine ganz spezielle Sorte Menschen, die ihr Hobby intensiv betreiben. Manche kostümieren sich als ihr Lieblingscharakter, andere diskutieren bis aufs Blut die Frage „DC oder Marvel?“ aus, also welches Universum der beiden großen Comic-Verlage denn nun das bessere ist.

Wer Pech hat steht im Weg wenn ein wirklich fanatischer Sammler eine limitierte Sonderedition eines teuren Spielzeugs ergattern möchte, dann kann man schonmal einen Ellbogen abbekommen. Auch an diesem Wochenende kam es wieder zu einem bedauernswerten Zwischenfall: Mit einem Stift attackierte ein Messegänger einen anderen Fan, der daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Alles in allem sind die Besucher der Comic-Con jedoch eher friedlich und freuen sich einfach darüber, etwas Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen und dabei die neuesten Informationen über ihr Hobby vor allen anderen zu erhalten. Dabei auch noch in der Gegenwart von Branchen-Prominenz zu sein, ist für viele natürlich das Höchste der Gefühle.
Obwohl es insbesondere auf der San Diego Comic-Con Tradition hat, dass auch Personen und Institutionen vertreten sind, die nicht direkt im Comic-Geschäft sind, hat die Präsenz der Filmindustrie in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen.

Waren es früher hauptsächlich Schauspieler mit mäßigem Bekanntheitsgrad aus den Genres Science-Fiction und Fantasy (wer möchte nicht ein signiertes Foto mit dem Darsteller von Chewbacca aus „Star Wars“?), lassen sich mittlerweile immer häufiger große Namen auf den Conventions blicken. Spätestens seit dem Erfolg von „Spider-Man“ war klar, dass Comicverfilmungen enorme Zuschauermengen anlocken können.

Dass das Publikum einer Comicmesse den vermutlich besten Indikator für den potentiellen Erfolg einer Comic-Adaption darstellt, fiel irgendwann auch den Filmproduzenten auf. So kam es, dass die kostenintensive Filmindustrie seit mehreren Jahren größten Wert darauf liegt die meinungsmachenden Besucher der Comic-Messen bereits viele Monate vor der Veröffentlichung des Films zu begeistern.
So geschehen auch in den vergangenen drei Tagen: In einem exklusiven Teaser-Trailer richtete sich Johnny Depp in voller Kostümierung als Captain Jack Sparrow an das Publikum um sie über seine neuesten Abenteuer zu informieren und ihnen – stilgerecht – eine Bloody Mary anzubieten.



Solche Werbeaktionen – hier für den vierten Teil der „Fluch der Karibik“-Reihe – sind keine Seltenheit. Viele Filmtrailer feiern ihre Premiere auf der Comic-Con und erscheinen dann in schlecht von einer Leinwand abgefilmten Versionen auf unterschiedlichen Videoplattformen. Meist vergehen Wochen bis die Trailer dann in HD-Qualität auf den offiziellen Seiten vorliegen, doch dann hat die Mundpropaganda bereits gewirkt: Durch die künstliche Exklusivität der Comic-Con erregt man mehr Aufmerksamkeit als es durch klassische Werbung möglich wäre, denn zu den ersten Handlungen eines Messegängers nach seiner Rückkehr in die Heimat gehört natürlich das Berichten, Erzählen und auch das Angeben.

Dass es vielen Comic-Puristen gegen die Hutschnur geht, dass die ihnen heilige Veranstaltung von der Filmindustrie so offensichtlich zu Promotionszwecken genutzt wird, überrascht wenig. Immer mehr Filmproduktionen, die man traditionell mit einer Comic-Messe in Verbindung bringt, drängen sich ins Geschehen.

Aber gerade in diesem Jahr werden die Fans kaum Grund zur Beschwerde haben. Neben einem besonderen Event und jeder Menge Material zur Fortsetzung des Kultfilms „Tron“, warteten Podiumsgespräche mit den Machern verschiedenster Comicverfilmungen auf die Messebesucher. Insbesondere der Verlag Marvel Comics, der die Verfilmung der eigenen Comics inzwischen so oft wie möglich selbst übernimmt, konnte mit Podiumsgesprächen zu „Thor“ mit Regisseur Kenneth Branagh („Hamlet“) aufwarten. Auch Joss Whedon („Serenity“), Publikumsliebling und zukünftiger Regisseur des Eventfilms „The Avengers“, sprach mehrfach zu den Fans. „The Avengers“ soll 2012 in die Kinos kommen und unter anderem die Superhelden Captain America, Thor, Iron Man, Hawkeye, den Hulk sowie Nick Fury als Team zum Thema haben.

In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
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