14.07.2010, 15:53 Uhr
Vorgeführt – Die Film-Kolumne
Ist der Film deutsch genug?
Von Dominik Hammes
Noch bei der letzten Oscar-Verleihung fragte sich so mancher, weshalb „Das weiße Band“ trotz österreichischem Regisseur, als deutscher Vertreter im Kampf um den Preis für den besten ausländischen Film ins Rennen ging. Tatsache ist: die Dialoge hätten auch in Französisch sein können.
Man erinnert sich noch an die Debatte im Rahmen des Erfolgs von „Das Weiße Band“: Die österreichische Filmkommission sah den Hauptteil des kreativen Inputs auf österreichischer Seite. Haneke führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch, der ebenfalls für einen Oscar nominierte Kameramann Christian Berger ist auch Österreicher, genau wie Veit Heiduschka, einer der vier Produzenten.
Das Ende vom Lied ist bekannt: „Das weiße Band“ trat als deutsche Geschichte, mit deutschem Geld in Deutschland gedreht – soweit die deutschen Argumente – für Deutschland an. Dabei hätte es noch extremer kommen können. Wie „German Films“, ein Beratungs- und Informationszentrum für die Promotion des deutschen Films, am Dienstag bekannt gab, sei es nicht von Nöten, dass ein deutscher Film auch in deutsch gedreht wurde um sich für den Oscar als bester fremdsprachiger Film zu qualifizieren. Die offiziellen Oscar-Regeln verlangen in dieser Kategorie lediglich, dass der ein Großteil der Dialoge in einer anderen Sprache als Englisch vorliegt.
Das heißt im Klartext, dass ein durchweg in französisch gedrehter Film mit polnischer Crew und einem britischen Regisseur immer noch als deutscher Film gelten kann, wenn er in Deutschland gedreht und produziert wurde. Aber halt, es gibt auch noch eine ominöse Regel, nach der zwei von drei Aufgaben der Filmproduktion mit der entsprechenden Nationalität besetzt sein müssen. Unter dem Regisseur, dem Drehbuchautor und den Produzenten müssten sich also zwei Deutsche befinden. Wie erklärt sich nun aber wiederum die Deklarierung von „Das weiße Band“ als deutscher Film? Ein ständiger Wohnsitz reicht laut der Academy eben auch aus. Wo Haneke nun während der Dreharbeiten tatsächlich gewohnt hat (beziehungsweise sein Erstwohnsitz lag), bleibt dahin gestellt. Ohnehin überlässt die Academy die Auswahl und Klassifizierung der jeweiligen Filme grundsätzlich den jeweiligen Ländern.
Obwohl „German Films“ ausdrücklich nicht dazu aufrufen möchte, dass sich nun Filmemacher aus aller Herren Länder darum bemühen über Deutschland an eine Oscar-Nominierung zu gelangen, schweben einem angesichts der vergleichsweise lockeren Vorgaben schon diverse, unterhaltsame Szenarien vor. So könnte ein finanzielles Schwergewicht, wie das „Herr der Ringe“-Prequel „Der Hobbit“, das komplett in Neuseeland gedreht wird, der Einfachheit halber in den Fantasie-Sprachen der Welt Mittelerde gedreht und veröffentlicht werden. Nach dem Oscar-Gewinn könnte man den Film erneut in Englisch in die Kinos bringen.
Aber bis es soweit ist, warten wir vielleicht lieber auf den nächsten deutschen Anwärter für den Fremdsprachen-Oscar. Regie: Steven Spielberg, Sprache: alles, außer Englisch.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
Das Ende vom Lied ist bekannt: „Das weiße Band“ trat als deutsche Geschichte, mit deutschem Geld in Deutschland gedreht – soweit die deutschen Argumente – für Deutschland an. Dabei hätte es noch extremer kommen können. Wie „German Films“, ein Beratungs- und Informationszentrum für die Promotion des deutschen Films, am Dienstag bekannt gab, sei es nicht von Nöten, dass ein deutscher Film auch in deutsch gedreht wurde um sich für den Oscar als bester fremdsprachiger Film zu qualifizieren. Die offiziellen Oscar-Regeln verlangen in dieser Kategorie lediglich, dass der ein Großteil der Dialoge in einer anderen Sprache als Englisch vorliegt.
Obwohl „German Films“ ausdrücklich nicht dazu aufrufen möchte, dass sich nun Filmemacher aus aller Herren Länder darum bemühen über Deutschland an eine Oscar-Nominierung zu gelangen, schweben einem angesichts der vergleichsweise lockeren Vorgaben schon diverse, unterhaltsame Szenarien vor. So könnte ein finanzielles Schwergewicht, wie das „Herr der Ringe“-Prequel „Der Hobbit“, das komplett in Neuseeland gedreht wird, der Einfachheit halber in den Fantasie-Sprachen der Welt Mittelerde gedreht und veröffentlicht werden. Nach dem Oscar-Gewinn könnte man den Film erneut in Englisch in die Kinos bringen.
Aber bis es soweit ist, warten wir vielleicht lieber auf den nächsten deutschen Anwärter für den Fremdsprachen-Oscar. Regie: Steven Spielberg, Sprache: alles, außer Englisch.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
























