„Vorgeführt“: Disney kauft Lucasfilm
Für immer „Star Wars“
Von Dominik Hammes
Im Bereich der Popkultur kommt dieser Vertrag einer plötzlichen Kontinentalverschiebung gleich: Der Patriarch und Ober-Jedi, der bisher seine Sternen-Saga mit eiserner Faust regierte, gibt sein ganz persönliches Imperium ab. Ausgerechnet die scheinbar allmächtige Maus, das Unternehmen, das – ebenso wie Lucas eigene Firma Lucasfilm – den Namen seines Gründers trägt, übernimmt „Star Wars“ und noch einiges mehr.
Das Unternehmen Lucasfilm verfügt über viele Lizenzen, Kompetenzen und Ideen aber im Vordergrund dieses Geschäftes steht „Star Wars“. Aus einem einfachen, nüchternen Grund: Es handelt sich um eine der bekanntesten Geschichten und Marken der Welt – und das schon seit über 30 Jahren. Dementsprechend ist das öffentliche Interesse an der Entscheidung von George Lucas, die Kontrolle an seiner erfolgreichsten Idee abzugeben, gigantisch. Hatte der Filmemacher sich durch seinen riesigen Erfolg doch auch seine Unabhängigkeit von fremden Filmstudios und die alleinige kreative Kontrolle bewahrt.
Eben diese strenge Kontrolle hatten Fans und Kritiker in den letzten Jahren für die mangelnde Qualität der neuen Trilogie als möglichen und wahrscheinlichen Grund ausgemacht. Schließlich galten bereits bei den alten Filmen, die Episoden V und VI, bei denen Lucas nicht selbst Regie führte als dem ersten „Star Wars“ überlegen.
Mit Zurückhaltung was neue Filme angeht und strikter Kontrolle von Lucas ist nun Schluss: Beinahe im gleichen Atemzug mit der Bekanntgabe des Verkaufs, verkündete Disney: Es wird Episode VII, VIII und IX geben. Der siebte Teil der Saga soll bereits 2015 in die Kinos kommen. So werden im Hause Disney Geschäfte gemacht. Nägel mit Köpfen.
Dort hat man in den vergangenen Jahren auch die entsprechenden Erfahrungen gesammelt, die für diesen Deal notwendig waren. Nicht nur, dass man finanziell immer wieder ein gutes Händchen beweist, auch die Ängste der Fans erwiesen sich bisher größtenteils als unbegründet. Beim Kauf von Pixar zitterten die Freunde des Animationsstudios, dass die „Maus“ nun alles weich- und wegspülen würde, was die Computertrickfilme so besonders macht – die veröffentlichen Filme seit der Übernahme durch Disney beweisen das Gegenteil.
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Insbesondere das eigene Filmstudio von Marvel feiert Erfolg an Erfolg, Kritiker und Kasse sind mehr als erfreut von dem, in Blockbustern erzählten und stets neu ausgebauten Superhelden-Universum. Auch Marvel begann seine Filmkarriere mit einer gewagten Aussage: Jahre vor dem großen Erfolg gab man die Veröffentlichungsdaten für die einzelnen Filme bekannt, die letztlich in „The Avengers“ kulminierten. Die Rechnung ging auf, „The Avengers“ landete auf den vorderen Rängen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.
Disney versucht es nun mit einer ähnlich gewagten Taktik und kündigte nicht nur an, eine weitere Trilogie für „Star Wars“ ins Rennen zu schicken, sondern mehr: Alle zwei, drei Jahre soll es einen neuen „Star Wars“-Film geben. Außerdem sei man sehr über das Fernsehpotential erfreut, dass „Star Wars“ habe, was wieder eine neue Chance für die lange geplante TV-Serie bedeuten könnte. Schauspieler Mark Hamill (Luke Skywalker) gratulierte Lucas über Twitter zu dessen 4-Milliarden-US-Dollar-Deal und gab gleichzeitig bekannt, er könne sich noch nicht zu Episode 7 äußern. Ob er und seine alten Weggefährten Carrie Fisher (die in einem scherzhaften Video lediglich ihren Hund als neuen Yoda vorschlug) und Harrison Ford erneut mit an Bord sein werden, ist letztlich nicht nur eine Altersfrage. Dagegen spricht, dass Hamill selbst wohl noch nicht kontaktiert wurde, liegen ihm selbst doch nach eigener Aussage kaum Informationen vor.
Auch wenn der qualitative Erfolg der neuen „Star Wars“-Projekte nicht garantiert ist, so scheint es, als sei die Saga in guten Händen. Disney weiß wie man Filme und Serien vermarktet und dank Marvel und Pixar, wie man mit kreativen Köpfen umgeht. Letztlich bekommen die Kritiker, die stets forderten, Lucas solle seinen Einfluss zurückfahren, nun endlich ihren Willen. „Star Wars“ wird anderen Hände übergeben, Lucas selbst wird nur beraten. Damit wird die Welt, die er geschaffen hat, endgültig auch zum realen Kulturerbe – mit der weltbesten Vermarktung.
In seiner Filmkolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
- Video: Disney kauft Lucasfilm 1/1
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