Vorgeführt – Die Film-Kolumne

Ein Plädoyer für die Fortsetzung

Von Dominik Hammes

Foto: Pixelio/Jakub Sproski
Foto: Pixelio/Jakub Sproski (Symbolfoto)

„Denen fällt auch nix mehr ein“, „Hätte ein Film nicht gereicht?“ – Sätze wie man sie oft hört, wenn gerade ein neuer Film angekündigt wurde. Seien es nicht enden wollende Filmreihen, gewagte Spin-offs, farblose Remakes, visionäre Reboots oder dergleichen Anglizismen mehr – Hollywood ist führend in der Wiederverwertung von Ideen und Konzepten. Aber ist das wirklich so schlimm?

Es überrascht nicht, dass von erfolgreichen und beliebten Kinofilmen immer wieder Fortsetzungen gedreht werden. Gerade auf Seiten der Produktionsgesellschaften, deren Hauptmotivation nunmal der schnöde Mammon ist, liegt der Gedanke nahe, mit einer Fortsetzung das Risiko eines finanziellen Reinfalls zu minimieren.

Filmfans wissen jedoch: viele Fortsetzungen versuchen sich mehr schlecht als recht daran, den Plot des Originals so genau wie möglich nachzuzeichnen um das Publikum nicht zu verschrecken. Viele Zuschauer sind angesichts der Qualität vieler Fortsetzungen so genervt, dass sie sich sogar von allen Fortsetzungen fern halten.

Allen begründeten Buhrufen zum Trotz scheinen die Fortsetzungen und Filmreihen der letzten Jahre bei Weitem besser zu sein als das, man zum Beispiel in den Achtzigern und Neunzigern ertragen musste (man denke nur an die Fortsetzungen zu „Saturday Night Fever“, „Teen Wolf“ oder auch dem dritten Teil der „Karate Kid“-Reihe). Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass Fortsetzungen nicht grundsätzlich besser, sondern einfach mehr geworden sind. Nicht nur das: Zu der klassischen, zeitlich nach dem Original angesiedelten Fortsetzung oder auch Sequel, gesellen sich auch immer häufiger Prequel (Vorgeschichte), Remakes und Reboots.

Bezüglich der Prequels könnte man – wie so oft – George Lucas die Schuld an allem geben. Hätte er nicht mit seiner qualitativ fragwürdigen Prequel-Trilogie zur „Star Wars“-Reihe Millionen gescheffelt, hätten sich vielleicht weniger Filmstudios getraut ebenfalls Prequels zu veröffentlichen. Aber halt; man kann Lucas viel vorwerfen, die Schuld am Verhalten anderer jedoch, das ginge ein wenig zu weit.
Dennoch lassen auch Filmproduzenten gerne erst andere ein Wagnis eingehen, bevor sie selbst aktiv werden. Spätestens mit dem Erfolg von „Batman Begins“ etablierte sich auch das Konzept des Reboots in Hollywood. Bisher war man hauptsächlich Remakes gewohnt, also der Neuverfilmung eines bereits existierenden Films, besonders französische Komödien waren hier sehr beliebt. Ein Reboot hingegen verzichtet auf einen zu genauen Bezug zur bereits verfilmten Geschichte. Die gezeigten Charaktere und ihre Welt werden in einem neuen, anderen Stil porträtiert und eine passende Geschichte soll erzählt werden. Insbesondere im Bereich der Comicverfilmungen haben Reboots zugenommen.

Zwischen den beiden „Hulk“-Filmen von Ang Lee und Louis Terrier liegen gerade mal fünf Jahre, dennoch hat das Publikum den Wechsel von Ensemble und Erzählweise gut aufgenommen. Der finanzielle Erfolg beider Filme mag vergleichbar sein, die neue Richtung der Franchise wurde jedoch von Kritikern und Fans wesentlich besser aufgenommen. Ähnliches gilt auch für die Filmfassungen von Batman und den aufwendigen Reboot des „Star Trek“-Universums.

Vielen stehen jedoch die ganzen Neuaufgüsse und Fortsetzungen bis zum Hals. Von der Ideenlosigkeit Hollywoods – oder zutreffender: der Mutlosigkeit der Studios – ist oft die Rede. Sieht man einmal davon ab, dass es neben den wirtschaftlich anspruchsvollen Großprojekten der Traumfabrik auch genügend neue und kreative Ideen gibt, ist das Phänomen Fortsetzung beziehungsweise Reboot beileibe nichts Neues.

Man denke nur an den bekanntesten fiktionalen Detektiv. Erst im letzten Jahr machte der Film „Sherlock Holmes“ mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle von sich reden. Damit ist der auf Abenteuer und Action getrimmte Film jedoch nur ein jüngerer Vertreter von weit über hundert Film- und TV-Produktionen die sich von den Büchern Arthur Conan Doyles haben inspirieren lassen. Die Popularität von Sherlock Holmes war bereits zu Zeiten von Doyle so hoch, dass Holmes sogar dem Tod trotzte und von seinem Autor zurück unter die Lebenden geholt wurde.

Sherlock Holmes, D'Artagnan und die drei Musketiere sowie viele andere Charaktere aus dem Literaturkanon sind so populär und präsent in unserem Bewusstsein, dass es fast schon ein absurder Gedanke ist, dass es in den nächsten 50 Jahren keinen neuen Film oder sonstige Bearbeitung ihrer Abenteuer geben soll.

Wer also angesichts der Ankündigung des dritten Teils von „Transformers“, der Entwicklung eines Drehbuchs für einen fünften „Stirb langsam“-Film oder einem Termin für den Kinostart des bisher noch unproduzierten „Batman“-Films von Christopher Nolan Hollywood verflucht, darf nicht vergessen: Populäre Geschichten sterben so schnell nicht aus. Ob es uns gefällt oder nicht – wir werden noch mit der einen oder anderen Verfilmung von Shakespeares Stücken und mehreren Filmen im „Star Trek“-Universum leben müssen. Wem die entsprechenden Filme am Ende nicht gefallen, der kann sich damit trösten, dass die „Originale“ durch sie nicht ersetzt werden. Wenn Russell Crowe ab nächster Woche in gladioatorhafter Art als Robin Hood auftritt, wird das weder Kevin Costner, noch Sean Connery sonderlich kränken, denn „König der Diebe“ und „Robin und Marian“ wird es weiterhin geben.

Tatsächlich sind Fortsetzungen nichts anderes als Chancen. Chancen mehr von einer interessanten Welt zu sehen, einen geliebten Charakter wieder zu sehen. Dass diese Chancen genutzt werden ist gut. Dass sie sehr oft in den Sand gesetzt werden, ist schade. Wer als Verweigerer von Fortsetzungen einen konsequenten Boykott zelebriert, erspart sich Erfahrungen wie „Highlander 2“, „Blues Brothers 2000“ und „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Ihm entgehen aber auch Perlen wie „The Dark Knight“, „Terminator 2“, „Aliens“ und „Der Pate 2“. Das ist fair.

In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes jeden Mittwoch über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
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