Abgesetzt – Die Medien-Kolumne

David Hasselhoff zu Gast bei Freunden

Von Kevin Körber

Foto: ORF/Mike Vogl
Foto: ORF/Mike Vogl „Stadl“-Gastgeber Andy Borg und David Hasselhoff posieren auf dem Wunderauto K.I.T.T.

Eine Autobiografie, ein Song, ein Mann: David Hasselhoff. Er feiert in diesen Tagen sein Comeback – natürlich in Deutschland. Hinter ihm liegt eine Woche voller PR-Auftritte: Lanz, Raab, Borg. Der Versuch einer Analyse.

Es musste schon so etwas wie Glück sein, wenn man David Hasselhoff in den vergangenen Tagen nicht irgendwo beim Zappen auf dem Bildschirm zu sehen bekam. Mal redete er über seine schlimmen Lebensabschnitte, mal sang er deutsches Liedgut. Anlässe für seine mediale Rundreise gab es genügend. Es galt, im Zuge des Comebacks die Memoiren mit dem Titel „Wellengang meines Lebens“ und die neueste CD in die Kameras der Fernsehnation zu halten.

Der „Knight Rider“-Star ist bekanntlich gern gesehener Gast in Deutschland. Hierzulande ist er schließlich auch Jahrzehnte nach seinen größten Erfolgen als Schauspieler und so etwas ähnlichem wie Sänger umjubelt. Hasselhoff muss auf deutschem Boden nicht weit reisen, bis ihn seine Fans finden – und er nicht nach ihnen suchen muss. Als Deutscher muss in den USA schon mal die Frage gestattet sein, ob man David Hasselhoff – oder „The Hoff“, wie er dort genannt wird – denn wirklich verehre. Zwar schauten auch die Amerikaner in den Achtzigern Michael Knight und seinem Wunderauto K.I.T.T. gerne im Fernseher an, große Beliebtheit fand die Serie in den USA jedoch überwiegend beim jüngeren Publikum. Und auch die erste Staffel „Baywatch“ konnte – oberweitengerechter Zeitlupenoptik der Rettungsschwimmerinnen zum Trotz – aus Amerika kein nachhaltiges „Hoffland“ machen. „The Hoff“ hat es quasi dem deutschen Medienmogul Leo Kirch zu verdanken, (Kirch nahm „Baywatch“ in die Dauerrotation seiner Sendergruppe auf) dass er heute noch als Hauptattraktion bei Markus Lanz, Stefan Raab oder Andy Borg durch deren Shows tingeln darf.

Ständchen von Lanz

Den Anfang machte Hasselhoffs Autritt am vergangenen Mittwoch bei Ex-RTL-Gesicht Markus Lanz. In seiner gleichnamigen Talkshow begrüßte er den 57-Jährigen, um mit ihm über sein Comeback zu schwadronieren. Neben einem Interview mit mal mehr, mal weniger investigativen und bohrenden Fragen zu David Hasselhoffs Privatleben, wurde zudem noch die völlig überflüssige, aber für Boulevard-Blättchen sicher brennend interessante Frage nach Hasselhoffs Singen an der Berliner Mauer 1989 gestellt. Glaube er wirklich, er habe dafür gesorgt, dass Deutschland dadurch wieder vereint wurde? Mitnichten. Hasselhoff tut es als Pressegeschwätz ab. Ein ehrwürdiger Moment während eines ohnehin vorher geplanten Auftritts in Berlin, so der Gast.

Als Auflockerungsmoment zauberte „The Hoff“ dann die Originaljacke hervor, die er während seiner Darbietung von „I‘ve Been Lookin‘ For Freedom“ an der Berliner Mauer trug. Lanz warf sie sich kurzerhand um. Die Erleuchtung des Talkabends: die kleinen, dimmbaren Lämpchen brennen heute noch. Vor Lanz‘ Überleitung zum nächsten Thema, Handel mit Hundewelpen, ging es dann noch ans Klavier. Hier klimperte der Moderator für Hasselhoff, nachdem sich dieser als Flippers-Fan outete. „Die rote Sonne von Barbados“ verabschiedete den mit Wunderauto K.I.T.T. im Gepäck angereisten „Knight Rider“-Star.

Selbstironie bei Raab

Köln-Mühlheim am Donnerstag. „TV Total“-Moderator Stefan Raab begrüßt „The Hoff“ auf seiner motorisierten Bühne. Dass sich Raab dieses Mal nur mangelhaft auf seinen Gast vorbereitet habe, lässt sich dem Showmaster in dieser Sendung nicht vorwerfen. „Knight Rider“, „Baywatch“, „Looking For Freedom“ – mehr braucht es nicht, um zehn Minuten mit dem Besuch aus den USA zu plaudern. Raab tat sich und Hasselhoff gut daran, nur wenig auf dessen Alkoholprobleme und sein scheinbar angestrengt gewolltes Comeback einzugehen. „You sing again... why?!“ reicht da als Frage aus, um der ohnehin sehr selbstironischen und durchweg angenehmen Gesprächsatmosphäre einen weiteren Lacher zu entlocken. Zuvor berichtete Hasselhoff über ein zufälliges Treffen mit Heidi Klums Ehemann Seal im Flugzeug. Da unterhielt man sich jedoch lieber über Basketball anstatt über Musik. Hasselhoff liebe Seals Musik, glaube aber, dass er seine Songs noch nie gehört habe.

Etwas irritiert informierte sich der Schauspieler dann noch bei Raab über das Ansehen des „Musikantenstadls“, in dem er am vergangenen Samstag seinen neuesten Song präsentierte. „Bad or good?“, so die vorsichtige Nachfrage von Hasselhoff. Stefan Raab klärte auf, er selbst sei schon in der Volksmusiksendung aufgetreten. „You sang on the Show? Why?!“ – Ausgleich für „The Hoff“ im kurzweiligen Talk. Danach wurde kurz „Muss I denn“ angestimmt, bevor Hasselhoff mit Gleichgewichtsstörungen – ob der fahrbaren Bühne – das Studio über die Showtreppe verließ.

„The Hoff“ trifft „The Borg“

„Going on live in 5min in Musikantenstadl in Salzburg Austria ! Wow am I blessed !! Woo Hoo“ zwitscherte David Hasselhoff am Samstagabend kurz vor seinem Auftritt im „Musikantenstadl“ über seinen Twitter-Account. Ausgerechnet im „Musikantenstadl“. Die einzige Parallele, die man als Zuschauer an diesem Abend hätte ziehen können, wären die beiden Föhnfrisuren von Gastgeber Andy Borg und Hasselhoff gewesen. Das Saalpublikum im österreichischen Salzburg war G. G. Anderson, Stefan Mross und Albano Carrisi sei Dank bereits in ausgelassener Feier- und Schunkellaune, als der Sänger um kurz nach 22 Uhr die Bühne betrat.

Im Glitzersakko ging es dann für Hasselhoff durch die Bierzelt-Garnitur-Reihen, vorbei an mal mehr, mal weniger gestrafften Dirndl-Dekolletees und Krachledernen. Küsschen hier, Küsschen da und immer ein breites Grinsen aufgesetzt. Tapfer. Während seines halbstündigen Auftritts verteilte er das, was das stets applaudierende „Stadl“-Publikum hören wollte: Evergreens wie „Limbo Dance“ oder „Crazy For You“. Zwar passten die Lippenbewegungen nicht immer zum Playback, doch das tat der zünftigen Stimmung keinen Abbruch. Securitys mussten die aufgebrachte Volksmusikmeute im Zaun halten, als „The Hoff“ auf „The Borg“ traf. Nach einer Live-Schalte zu Hasselhoffs Vater nach Los Angeles – der sich standesgemäß in Trachtenkluft zeigte – präsentierte der Star von Welt in einer Premiere seinen neuesten Song „This Time Around“.

Gemeinsam mit Andy Borg wurde abschließend im Englisch-Deutsch-Wechsel „I‘ve Been Looking For Freedom“ im Duett geträllert. Fernsehmomente, die man so schnell nicht mehr vergessen kann. So sehr man es sich auch wünschen mag. „Ich bin jetzt wieder da. Ich bin glücklich“, ließ es Hasselhoff durch den Saal schallen.



David kam nach Hause

Ja, er ist wieder da. Irgendwie jedenfalls. In Deutschland, Österreich und der Schweiz. Drei Jahre nach dem erschütternden Burger-Video, das seine Tochter Taylor aufnahm und das seinen schlimmen Absturz in die Alkoholabhängigkeit für alle Welt dokumentierte, präsentierte sich David Hasselhoff in seinen Fernsehauftritten fast schon erholt und ausgeruht. Zwar keimt immer und immer wieder die Frage auf, wieso es der 57 Jahre alte Serienstar gerade jetzt noch einmal wissen möchte; richtig beantworten könnte sie „The Hoff“ wohl selbst nicht.

Geld durch den Verkauf seines Buches und seiner Single sind sicherlich nette Nebeneffekt, doch es scheint fast so, als ob Hasselhoff auf der Suche ist. Auf der Suche nach seinen Fans. Hier in Deutschland findet er sie noch. Die jungen Erwachsenen, die ihn in seiner Rolle als Michael Knight verehrten und ihn noch heute als großen Helden ihrer Kindheit ansehen. Wieso sollte man es einem David Hasselhoff also nicht gönnen, die Länder aufzusuchen, in denen er dieses Ansehen genießt?

Vielleicht ist es Balsam für seine Seele, nachdem es in den USA derzeit nur noch für eine eigene Realityshow über sein Leben als Promi-Vater ausreicht. Seine Auftritte bei Lanz, Raab und Borg: allesamt sympathisch, allesamt ohne Skandal. Ja, eine gewisse Magie kann man diesem Mann auch heute noch zusprechen. Sieht man vom volkstümlichen und auch ohne Hasselhoff als Hauptdarsteller mit hohem Fremdschämfaktor behaftetem „Stadl“-Publikum ab, muss sich „The Hoff“ nicht vorwerfen lassen, er habe dazu beigetragen, Peinlichkeiten im deutschen Fernsehen zu produzieren. Zu Gast bei Freunden, die einem auch wohlgesonnen sind. Wer kann ihm das schon verübeln?

In seiner Kolumne „Abgesetzt“ wirft newsecho.de-Redaktionsleiter Kevin Körber jeden Montag einen kritisch-amüsierten Blick auf das Drunter und Drüber der Medienwelt.
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