29.07.2010, 17:37 Uhr
Vorgeführt – Die Filmkolumne
Filmtrailer – Zwischen Werbung, Unterhaltung und Verbrechen
Von Dominik Hammes
Es sind oft selbst kleine Meisterwerke. Die nur minutenlangen Filmtrailer, die in Kino, Fernsehen und im Internet um die Aufmerksamkeit potentieller Kinogänger buhlen. Doch manchmal – leider viel zu oft – zerstören sie den eigentlichen Spaß am Film.
Meist sind Filmtrailer nach den gleichen Formeln gestrickt. Mit schnellen Schnitten und basslastiger Filmmusik wird Spannung aufgebaut, eine noch basslastigere Männerstimme trifft kurze, dramatische Aussage zur Handlung und den Figuren des Films. Dann stellt uns eine Kamerafahrt den oder die Helden damit im Anschluss ein visuelles Highlight das nächste jagt. So, oder so ähnlich sind eine Vielzahl von Trailern für Action-Filme aufgebaut, zumindest heute.
Dabei gibt es für jedes Genre andere Konventionen, aber der Grundgedanke bleibt stets gleich: Der Zuschauer soll angeheizt werden, Lust bekommen auf einen Film. Es scheint mittlerweile immer mehr zur Regel zu werden, dass dieses Ziel ohne Rücksicht auf die spätere, die eigentliche Filmerfahrung geschieht.
Sieht man von einer Variante des Filmtrailers, dem Teaser – bei dem sehr früh innerhalb von sehr wenig Zeit einfache nur Neugierde erweckt werden soll – ab, stößt man immer häufiger auf dieses Phänomen. Anstatt dem Zuschauer nur die Informationen und Eindrücke zu vermitteln die er benötigt um einzuschätzen was die grobe Handlung des Films, wer seine Darsteller und ihre Figuren sind, bombardieren viele Trailer das Kino-Publikum mit Handlungsfetzen, Plot-Highlights und massenweise „Trailer Moments“. Dieser schöne Insiderbegriff steht für Stellen im Film, die – manchmal bereits in der Drehbuchphase – darauf ausgerichtet sind, auch für sich alleine zu unterhalten. Man erinnert sich gerne an sie, es sind die kleinen Geschwister der sagenumwobenen „einen Szene“ die einen wirklich guten Film unvergesslich macht. Oftmals enthalten sie eine clevere Lösung für ein scheinbar unüberwindbares Problem, eine grandiose Pointe oder einfach eine gelungene Dialogzeile. Sie bilden häufig die Entspannung nach der Spannung und werden als Belohnung für das Mitfiebern mit den Charakteren empfunden. Kurz und gut: Sie sind das Salz in der Suppe. Zeigt ein Trailer zu viele dieser Momente, verrät er möglicherweise zuviel, dann kann selbst ein guter Film Langeweile erzeugen.
Besonders ärgerlich ist eine Vorwegnahme von Pointen natürlich bei Komödien. Das Phänomen ist bekannt, man sitzt in einem Film, weil man beim Anschauen des Trailers gelacht hat und findet sich dann in einem Film wieder, in dem man den Großteil der Witze kennt. Eine gut vorbereitete komödiantische Szene verliert vollkommen ihre Wirkung, wenn die Mehrzahl der Zuschauer wissen wie sie enden wird. Damit wird der Film als Erlebnis entwertet, man müsste sich bewusst dazu bringen zu vergessen weshalb man sich überhaupt für den jeweiligen Film entschieden hat, um ihn richtig zu genießen.
Im schlimmsten Fall kann ein Trailer sogar als irreführende Werbung wahrgenommen werden. Dann nämlich, wenn die vorgestellten Szenen in einen anderen Kontext als im Film gestellt werden und auch das Tempo und die ganze Stimmung des Trailers vollkommen an der Ästhetik des Films der eigentlich beworben werden soll vorbeigeht. Das ist Betrug am Publikum und damit am Kunden.
Natürlich kann ein Trailer den Filmgenuss eines wirklich guten Filmes nie ganz vorwegnehmen oder neutralisieren. Dass die meisten Filmtrailer heute jedoch genauso sehr am Erfolg eines Films wie an der Trübung des Filmerlebnisses beteiligt sind, ist traurig. Vielleicht sollte man sich bei dem Bewerben von guten Filmen auf einen Teaser-Trailer beschränken und bei schlechten Filmen einfach nur den Trailer veröffentlichen. Den ganzen Film könnte man als Bonusmaterial auf DVD nachreichen.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
Dabei gibt es für jedes Genre andere Konventionen, aber der Grundgedanke bleibt stets gleich: Der Zuschauer soll angeheizt werden, Lust bekommen auf einen Film. Es scheint mittlerweile immer mehr zur Regel zu werden, dass dieses Ziel ohne Rücksicht auf die spätere, die eigentliche Filmerfahrung geschieht.
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Besonders ärgerlich ist eine Vorwegnahme von Pointen natürlich bei Komödien. Das Phänomen ist bekannt, man sitzt in einem Film, weil man beim Anschauen des Trailers gelacht hat und findet sich dann in einem Film wieder, in dem man den Großteil der Witze kennt. Eine gut vorbereitete komödiantische Szene verliert vollkommen ihre Wirkung, wenn die Mehrzahl der Zuschauer wissen wie sie enden wird. Damit wird der Film als Erlebnis entwertet, man müsste sich bewusst dazu bringen zu vergessen weshalb man sich überhaupt für den jeweiligen Film entschieden hat, um ihn richtig zu genießen.
Im schlimmsten Fall kann ein Trailer sogar als irreführende Werbung wahrgenommen werden. Dann nämlich, wenn die vorgestellten Szenen in einen anderen Kontext als im Film gestellt werden und auch das Tempo und die ganze Stimmung des Trailers vollkommen an der Ästhetik des Films der eigentlich beworben werden soll vorbeigeht. Das ist Betrug am Publikum und damit am Kunden.
Natürlich kann ein Trailer den Filmgenuss eines wirklich guten Filmes nie ganz vorwegnehmen oder neutralisieren. Dass die meisten Filmtrailer heute jedoch genauso sehr am Erfolg eines Films wie an der Trübung des Filmerlebnisses beteiligt sind, ist traurig. Vielleicht sollte man sich bei dem Bewerben von guten Filmen auf einen Teaser-Trailer beschränken und bei schlechten Filmen einfach nur den Trailer veröffentlichen. Den ganzen Film könnte man als Bonusmaterial auf DVD nachreichen.
In seiner Kolumne „Vorgeführt“ berichtet newsecho.de-Redakteur Dominik Hammes über die Quellen von Lust und Frust im Leben eines Filmfans.
























