03.05.2010, 18:17 Uhr
Abgesetzt – Die Medien-Kolumne
Sat.1: Trau Dich endlich, kleiner Kuschelsender
Von Kevin Körber
Mit „Die perfekte Minute“ kehrte Ulla Kock am Brink am vergangenen Freitag auf die Fernsehbildschirme zurück. Die Quoten können sich durchaus sehen lassen und auch auf anderen Feldern scheint sich Sat.1 etwas zu regenerieren. Dennoch fehlt dem Bällchensender das Profil.
Was ist für Sie Sat.1? „Da war doch mal der Schmidt?“, „Kuddel-Muddel-Schmuddel-TV“, „Deutsche Serien und Filme“, „Kuschelsender mit dem Superball“ oder „Da lief doch mal Glücksrad?“ – Sat.1 in seinem aktuellen Sein zu beschreiben ist schwierig geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen man mit dem heute in der Medienstadt Unterföhring bei München ansässigen Sender Formate oder gar bekannte Gesichter verbindet. Wenn überhaupt, kommt einem nach langem Grübeln vielleicht ein Kai Pflaume über die Lippen. Oder man outet sich als gelegentlicher Barbara-Salesch-Zuseher oder ehemaliger „Verliebt in Berlin“-Anhänger.
Ein klares Senderprofil ist beim besten Willen nicht zu erkennen – trotz spektakulärer Personal-Coups des vergangenen Jahres. Der inzwischen schon wieder Ex-Sat.1-Chef Guido Bolten verpflichtete Johannes B. Kerner, der sein ZDF-Magazin künftig im Programm des Privatsenders fortsetzen sollte. Und mit Immer-noch-Nachwuchstalent Oliver Pocher wollte Bolten Sat.1 wieder mit einer eigenen Late-Night-Sendung ausstatten. Auf dem Papier hörte sich das alles gut an – die Sendungen der beiden prominenten Köpfe bleiben auch nach der Amtszeit Boltens quotentechnisch alles andere als Imagepolitur.
Überhaupt scheint es bei Sat.1 wie verhext; durchaus ehrenwerte Versuche, dem Sender neues Leben einzuhauchen, scheiterten. Seien es Telenovelas wie „Schmetterlinge im Bauch“ oder Daily-Soaps á la „Eine wie keine“, große TV-Mehrteiler wie zuletzt „Die Grenze“ oder der Versuch, ein Stück vom Doku-Soap-Kuchen mit peinlichen Shows wie „Der Ramschkönig“ oder „Die Promi-Singles“ abzubekommen. Zugegeben: Nicht immer lag es dabei an der programmlichen Qualität. Vielmehr geht es um die Zutaten des Sat.1-Rezepts, die regelmäßig dazu führen, dass dem Verkoster vorm Fernseher der fertige Kuchen nicht mehr schmeckt.
Baustellen gibt es viele
Das Programm entwickelte sich in den letzten Jahren mehr und mehr zum Gemischtwarenladen der ersten Sender-Generation. Guido Bolten, der erst Anfang 2009 vom Schwestersender Kabel eins zu Sat.1 wechselte, war bei weitem nicht der erste Geschäftsführer, der sich am einstigen Kuschelsender („Ich drück‘ Dich“) die Zähne ausbiss. Seit dem schweizer Medienmacher Roger Schawinski wechselte die Position fast jährlich. Seit Februar dieses Jahres versucht sich der German-Free-TV-Chef der ProSiebenSat.1-Sendergruppe, Andreas Bartl, höchstpersönlich daran, Sat.1 wieder auf Kurs zu bringen. Die Baustellen sind vielfältiger Natur: Da gilt es, geeignete Einsätze für Kerner und Pocher zu finden, den Sender mit markanten Formaten auszurüsten, endlich das elende Problem der Vorabend-Programmierung zu lösen und beim Tagesmarktanteil nicht ständig die Rücklichter von RTL zu sehen zu bekommen.
Sat.1 muss lernen, seine Aushängeschilder auch als solche zu betrachten, denn sie sind durchaus im Programm zu finden. Da wäre beispielsweise das „Frühstücksfernsehen“, das – trotz einiger Konzept- und Namensänderungen – bereits seit 22 Jahren in Sat.1 zu sehen ist. Oder Ulrich Meyers „Akte“: das Format an sich mag mit seiner oft übertrieben dargestellten und beinahe schon aufgesetzt wirkenden, investigativen Art durchaus polarisieren, dennoch wurde die Sendung zu einer wahren Sat.1-Marke. Gleiches gilt für das Genre Sport. Hier dominierte „Ran“ in den Neunzigern die Sportberichterstattung der Privatsender. Umso schöner der Schritt, die Marke aktuell im Rahmen der Champions-League-Übertragungen neu aufleben zu lassen und den wenigen Zuschauern, die Sat.1 damals als echte Alternative wahrgenommen haben, ein Stück Zuhause zu bieten.
Lesen Sie auf Seite 2 über aktuelle Quotenerfolge und in welchen Genres Sat.1 punken kann...
Ein klares Senderprofil ist beim besten Willen nicht zu erkennen – trotz spektakulärer Personal-Coups des vergangenen Jahres. Der inzwischen schon wieder Ex-Sat.1-Chef Guido Bolten verpflichtete Johannes B. Kerner, der sein ZDF-Magazin künftig im Programm des Privatsenders fortsetzen sollte. Und mit Immer-noch-Nachwuchstalent Oliver Pocher wollte Bolten Sat.1 wieder mit einer eigenen Late-Night-Sendung ausstatten. Auf dem Papier hörte sich das alles gut an – die Sendungen der beiden prominenten Köpfe bleiben auch nach der Amtszeit Boltens quotentechnisch alles andere als Imagepolitur.
Überhaupt scheint es bei Sat.1 wie verhext; durchaus ehrenwerte Versuche, dem Sender neues Leben einzuhauchen, scheiterten. Seien es Telenovelas wie „Schmetterlinge im Bauch“ oder Daily-Soaps á la „Eine wie keine“, große TV-Mehrteiler wie zuletzt „Die Grenze“ oder der Versuch, ein Stück vom Doku-Soap-Kuchen mit peinlichen Shows wie „Der Ramschkönig“ oder „Die Promi-Singles“ abzubekommen. Zugegeben: Nicht immer lag es dabei an der programmlichen Qualität. Vielmehr geht es um die Zutaten des Sat.1-Rezepts, die regelmäßig dazu führen, dass dem Verkoster vorm Fernseher der fertige Kuchen nicht mehr schmeckt.
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Das Programm entwickelte sich in den letzten Jahren mehr und mehr zum Gemischtwarenladen der ersten Sender-Generation. Guido Bolten, der erst Anfang 2009 vom Schwestersender Kabel eins zu Sat.1 wechselte, war bei weitem nicht der erste Geschäftsführer, der sich am einstigen Kuschelsender („Ich drück‘ Dich“) die Zähne ausbiss. Seit dem schweizer Medienmacher Roger Schawinski wechselte die Position fast jährlich. Seit Februar dieses Jahres versucht sich der German-Free-TV-Chef der ProSiebenSat.1-Sendergruppe, Andreas Bartl, höchstpersönlich daran, Sat.1 wieder auf Kurs zu bringen. Die Baustellen sind vielfältiger Natur: Da gilt es, geeignete Einsätze für Kerner und Pocher zu finden, den Sender mit markanten Formaten auszurüsten, endlich das elende Problem der Vorabend-Programmierung zu lösen und beim Tagesmarktanteil nicht ständig die Rücklichter von RTL zu sehen zu bekommen.
Sat.1 muss lernen, seine Aushängeschilder auch als solche zu betrachten, denn sie sind durchaus im Programm zu finden. Da wäre beispielsweise das „Frühstücksfernsehen“, das – trotz einiger Konzept- und Namensänderungen – bereits seit 22 Jahren in Sat.1 zu sehen ist. Oder Ulrich Meyers „Akte“: das Format an sich mag mit seiner oft übertrieben dargestellten und beinahe schon aufgesetzt wirkenden, investigativen Art durchaus polarisieren, dennoch wurde die Sendung zu einer wahren Sat.1-Marke. Gleiches gilt für das Genre Sport. Hier dominierte „Ran“ in den Neunzigern die Sportberichterstattung der Privatsender. Umso schöner der Schritt, die Marke aktuell im Rahmen der Champions-League-Übertragungen neu aufleben zu lassen und den wenigen Zuschauern, die Sat.1 damals als echte Alternative wahrgenommen haben, ein Stück Zuhause zu bieten.
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