US-Serienhit „Mad Men“ startet

Zigaretten, Drinks und Spitzen-BHs auf ZDFneo

Von Nadja Passon

Foto: ZDF/Lions Gate Television
Foto: ZDF/Lions Gate Television Roger Sterling (John Slattery, l.), Peggy Olson (Elisabeth Moss, 2.v.l.), Don Draper (Jon Hamm, 3.v.l.), Joan Holloway (Christina Hendricks, 2.v.r.) und Pete Campbell (Vincent Kartheister, r.) arbeiten in der New Yorker Werbeagentur Sterling Cooper.

Heute startet die preisgekrönte und umjubelte Serie aus den USA: „Mad Men“ heißt sie und wird von Kritikern nicht nur für Story, Kostüme und Plot gelobt, sondern auch für ihre subtile und gewitzte Gesellschaftskritik.

Die Serie, die 2007 in den Vereinigten Staaten angelaufen und bereits 2008 mit einem Golden Globe ausgezeichnet worden ist, spielt in einer Werbeagentur der Sechziger Jahre.

Protagonist Don Draper (gespielt von Jon Hamm), Werbegenie und Chef der Agentur, typisiert den Geschäftsmann der Sechziger. „Was sie unter Liebe verstehen, wurde von Leuten wie mir erfunden, um Nylons zu verkaufen“, lässt „Mad Men“-Schöpfer Matthew Weiner den eloquenten Egomanen sagen, während dieser adrett gekleidet in einer eleganten Lounge einer Dame gegenübersitzt. Mit spitzfindigen Aussagen und genialen wie makaberen Werbeeinfällen lässt Weiner die Figur gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen und Kunden munter an den Fäden des aufblühenden Kapitalismus ziehen – und das natürlich stets top gekleidet und niemals ohne Sechziger-Pathos.

Dennoch fokussiert sich die Serie nicht auf bloßes Retro-Nachstyling oder Männer- und Frauen-Klischees. Die Figuren durchleben während des Serienverlaufes durchaus Entwicklung und Veränderung. Das schafft Weiner zum einen durch die unterschiedlichen Charaktere, die man da gemeinsam in ein Büro setzt, und zum anderen durch die langsam erzählte Story. So bleibt viel Zeit für Dialoge und Bilder – und zum Kennenlernen und Vertiefen der Personen.

In den Medien wird die Serie vor allen Dingen für ihre Liebe zum Detail gelobt. Die Kostüme sind entweder original vintage oder exklusiv angefertigt. Die Möbel, Wände, Teppiche, Gardinen, Blumenvasen, Whiskey-Gläser – alles original Sechziger; oder sie sehen zumindest verblüffend danach aus. Und natürlich sind auch die Menschen original Sechziger Jahre: Sprache, Gewohnheiten, selbst der Gang der Figuren – auch die gesamte Mentalität ist nicht nur wegen der stets präsenten Zigarettenspitzen unglaublich authentisch.

Bei „Mad Men“ geht es aber nicht bloß um tiefgründige Charaktere und ein originalgetreues Set. Die Serie zeigt ebenso die politische Realität der Sechziger. Sie zeigt, wie rassistisch und frauenfeindlich der Alltag im Vergleich zu heute war. Da sitzen die Männer in Designer-Anzügen in der Chefetage, während die Frauen eben mit viel Haarspray in den Haaren stumm und parierend auf ihren Schreibmaschinen herumtippen.

Frédéric Beigbeder, Autor des antikapitalistischen Buches „39,90“ ist fasziniert von der Serie und gesteht sich sogar ein, dass solch ein Format der Gesellschaftskritk mehr Wirkung erzielen kann, als „engagierte Literatur“. Als Beispiel für den möglichen Misserfolg solcher Literatur nennt er in der „Welt“ sein eigenes Buch, das die Werbebranche entzaubern sollte, aber oft genau das Gegenteil erreichte (in Russland wird es beispielsweise als „Gebrauchsanweisung“ gelesen).

Beigbeder begründet den Erfolg und die Scharfsinnigkeit von „Mad Men“ in der „Welt“ wie folgt: „Die Serie fasziniert, weil sie im Jahr 2010 die kapitalistische Utopie in Szene setzt und gleichzeitig zeigt, wie sie scheitert. Sie zeigt einen geplatzten Traum, der von den 60ern bis 2008 hielt, einen Traum, von Anfang an deprimierend war. Aber erst heute verstehen wir, dass er geplatzt ist, und fragen uns, was wir an seine Stelle setzen sollen. Ökologie? Wir wissen es nicht.“

„Mad Men“ (Free-TV-Premiere), ab heute jeden Mittwoch um 22:30 Uhr auf ZDFneo.
Das ist „Mad Men“ 1/4
Allgemeine Informationen

Deutscher Titel: Mad Men
Originaltitel: Mad Men
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Originalsprache: Englisch
Produktionsjahr(e): seit 2007
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