newsecho.de-Interview
Harry Wijnvoord: Leute wollen kein „Hartz-IV-Fernsehen“
Von Kevin Körber
Harry Wijnvoord will zurück ins deutsche Fernsehen. Von 1989 bis 1997 moderierte er knapp 2.000 Ausgaben der Spielshow „Der Preis ist heiß“, bevor RTL den Stecker zog. Nun will er durch die Online-Petition „Vote4Harry“ Sender auf ein Remake der Sendung aufmerksam machen. newsecho.de sprach mit Wijnvoord über das Vorhaben.
Harry Wijnvoord: Das sind 1.873 kleine Geheimnisse, die ich mit ins Grab nehmen werde.
newsecho.de: Also keine Chance, es zu erfahren?
Harry Wijnvoord: Nein, keine Chance. (lacht)
newsecho.de: Wie genau kam es zu der Internet-Petition „Vote4Harry“?
Harry Wijnvoord: Ich werde seit nunmehr zwölf Jahren tagtäglich von Menschen auf der Straße angesprochen. „Herr Wijnvoord, bringen Sie ‚Der Preis ist heiß‘ wieder!“ – und das über Jahre. Das passiert leider nicht den Unterhaltungschefs, denn kein Mensch kennt sie und niemand weiß, wie sie aussehen. Wenn sie mit dieser Frage bombardiert worden wären, hätten sie sich sicher längst für eine Neuauflage entschieden.
newsecho.de: Nehmen wir an, Ihr Telefon würde klingeln. Welcher Programmchef wäre Ihnen am anderen Ende der Leitung am liebsten, um sich auf eine Neuauflage einzulassen?
Harry Wijnvoord: Also da bin ich schmerzfrei. Ich kann der Person die sagt, wir nehmen „Der Preis ist heiß“ wieder ins Programm auf, nur gratulieren.
newsecho.de: Nochmal zur Aktion „Vote4Harry“ – wie genau kam sie zustande?
Harry Wijnvoord: Das war eine Agentur, die mich hin und wieder vermittelt und die sagten: „Mensch, Wijnvoord, wir müssen sehen, dass wir ‚Der Preis ist heiß‘ wieder zurück ins Fernsehen bekommen. Es würde doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir da nichts machen können“. Und auf einmal nahm alles seinen Lauf. Seit zwei Wochen läuft das Ding und wir haben schon mehr als 50.000 Menschen die sagen, holt „Der Preis ist heiß“ wieder zurück.
newsecho.de: Was enorm ist für die kurze Zeit...
Harry Wijnvoord: Es ist Wahnsinn! Speziell vorletzte Woche stand darüber etwas in der „Bild“-Zeitung, abends war ich dann bei Stefan Raabs „Autoball-WM“. Kommentator Frank Buschmann erwähnte dann zwei oder drei Mal „Vote4Harry“ und dass Harry Wijnvoord wieder mit „Der Preis ist heiß“ zurück ins Fernsehen will. Und dann brachen schon fast die Server zusammen.
newsecho.de: Spricht eindeutig für Ihre Beliebtheit. Sie werden sicherlich täglich auf der Straße angesprochen...
Harry Wijnvoord: Absolut. Das ist kein Märchen. Ich wünschte mir, mit den Unterhaltungschefs Mal ein paar Tage durch die Stadt zu laufen damit sie sehen, dass auch Jugendliche von 19 Jahren zu mir kommen, die mich aus anderen Sendungen kennen oder die ab 20-Jährigen die sagen, sie sind mit „Der Preis ist heiß“ großgeworden.
newsecho.de: „Der Preis ist heiß“ musste damals kostengünstiger Lizenzware weichen – trotz Quotenerfolg. Wie würden Sie die Fernsehlandschaft aktuell beurteilen?
Harry Wijnvoord: Die Zeit ist reif für Gameshows. „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch ist ja auch eine Gameshow und man sieht, mit welchem Erfolg er dort zu sehen ist. Also es sind die Gameshows die nach wie vor Erfolg versprechen.
newsecho.de: Das glauben Sie auch, obwohl RTL – um beim alten Heimatsender zu bleiben – mit seinem Billigprogramm am Nachmittag so gute Quoten einfährt?
Harry Wijnvoord: RTL hat im Laufe des Tagesprogrammes einen Zuspruch bekommen, mit dem keiner rechnen konnte. Es war ja in der Pipeline, dass „Der Preis ist heiß“ wiederkommen sollte, das ist ja nicht auf meinen Mist gewachsen. Es gab Verhandlungen zwischen dem Lizenzinhaber und RTL und die haben mich erst wachgerüttelt. Anfangs habe ich auch nicht daran geglaubt, obwohl ich überzeugt bin, dass diese Sendung wiederkommen muss. Es ist letztendlich so: Es gibt Sender, die haben absolute Programm- und Zuschauerprobleme – das ist zum Beispiel Sat.1. Auch Kabel eins könnte etwas vertragen, auch ProSieben könnte was tun. Das sind Sender, die absolut unter Druck stehen, etwas zu tun.
newsecho.de: Sat.1 hat ja auch kürzlich erst Ulla Kock am Brink wieder reaktiviert...
Harry Wijnvoord: Davon habe ich auch erst vor 14 Tagen erfahren, aber ich bin ja schon länger am Ball, „Der Preis ist heiß“ wieder an Land zu ziehen. Auch Grundy (Anm. d. Red.: Grundy Light Entertainment hält die Rechte an „Der Preis ist heiß“) hört nicht auf die Programmchefs anzurufen und zu fragen: „Wollt ihr nicht diese Sendung nehmen?“ Die Leute sind es einfach satt, diese Gerichtsshows und dieses Hartz-IV-Fernsehen, in dem Menschen sich komplett zum Narren machen um ins Fernsehen zu kommen zu sehen. Das wollen die nicht mehr.
newsecho.de: Sie sprachen vorhin von konkreten Gesprächen. Mit RTL?
Harry Wijnvoord: Das waren Gespräche, die wohl mit RTL geführt wurden, allerdings schon Anfang letzten Jahres.
newsecho.de: Warum wollen Sie eigentlich unbedingt zurück ins Fernsehen? Sie hatten einen großen Erfolg und profitieren jetzt wahrscheinlich immer noch davon. Was reizt Sie so?
Harry Wijnvoord: Das ist ganz einfach. Der amerikanische Moderator von „The Price is Right“, also die Mutter der Sendung sozusagen, hat die Show bis zu seinem 82. Geburtstag moderiert. Da habe ich mir gesagt: Moment, ich bin 60. Das kann ich doch auch noch! Und „Der Preis ist heiß“ zu produzieren war auch eine sehr spaßige Geschichte. Klar, es ist auch knochenharte Arbeit, aber es hat wahnsinnigen Spaß gemacht. Und warum sollte ich das nicht mehr machen?
newsecho.de: Wie beurteilen Sie den Nachwuchs im deutschen Fernsehen? Haben wir in Deutschland ein Nachwuchsproblem oder gibt es durchaus junge Leute, denen man mehr zutrauen sollte?
Harry Wijnvoord: Absolut, aber jeder Sender hat seine Allzweckwaffe. Beim ZDF ist das der Gottschalk, der alles machen darf was nicht niet- und nagelfest ist, bei RTL ist es der Jauch und Oliver Geissen. Man hat auch die Produktion aus den Händen gegeben, meist produzieren sich die Menschen dann auch noch selbst und dann heißt es eben wenige Gesichter für viele Sender.
newsecho.de: Neben „Der Preis ist heiß“ waren sie ja inzwischen auf vielen Sendern zu sehen. Von einer Kochshow beim damaligen TM3 bis hin zum Aufbau des Shoppingsenders RTL Shop mit Walter Freiwald – was bereitet Ihnen am meisten Freude?
Harry Wijnvoord: Gameshow und Kochen, das ist meine Leidenschaft.
newsecho.de: Eine Koch-Gameshow als Hybrid wäre also genau das Richtige...
Harry Wijnvoord: Da wäre ich hundertprozentig dabei, klar! Es muss Spaß machen und es muss zu mir passen. Ich könnte zwar Menschen auch interviewen, aber ob ich jetzt der politische Frank Plasberg wäre – das glaube ich nicht. Ich muss nicht um jeden Preis etwas machen.
newsecho.de: Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Wijnvoord.
Ob es zu einer Fortsetzung von „Der Preis ist heiß“ im deutschen Fernsehen kommen wird, bleibt trotz Petition fraglich. Wie das Medienmagazin „DWDL“ am Dienstag berichtete, winkt man beim ehemaligen Haussender RTL ab, die Show sei derzeit „kein Thema“ für den Sender. Selbst wenn es zu einer Neuauflage der Gameshow kommen sollte, bleibt fraglich, ob diese mit Harry Wijnvoord besetzt wird. Über die Moderation entscheidet letztendlich der jeweilige Sender.
























