TV-Kritik zu „Bauer sucht Frau“

Frauentausch beim Scheunenfest

Von Kristina Dincher

Foto: RTL/Stefan Gregorowius
Foto: RTL/Stefan Gregorowius Gerhard (68), der rüstige Hühnerwirt aus der Oberlausitz, lernt auf dem Scheunenfest Barbara (59, gelernte Melkerin aus Thüringen) und Sigrun (66, Rentnerin aus Niedersachsen) kennen.

Am Montagabend war es wieder soweit: Die sechste Staffel der erfolgreichen RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“ hat begonnen. Neun Bauern wollen in der Show ihre ganz große Liebe finden. Moderatorin Inka Bause steht ihnen bei der Partnersuche zur Seite.

Gestern Abend wurden die neuen Bauern vorgestellt. Die Landburschen sind auf der Suche nach Frauen, die für sie sorgen und auf dem Hof auch mal mit anpacken können. Da fragt man sich, ob der ein oder andere vielleicht eher eine zusätzliche Arbeitskraft statt einer romantischen Liebesbeziehung sucht. Welche Absichten die Junggesellen auch immer verfolgen, eines haben sie gemeinsam: Sie suchen eine Frau, die den stressigen Alltag auf einem Bauernhof mit ihnen teilt.

Bei den Landwirten sind alle Altersklassen vertreten, sie sind zwischen 21 und 68 Jahren alt. Wie in jeder Staffel, werden die Zuschauer mit allerlei mehr oder weniger passenden Adjektiven konfrontiert, die die Bauern charakterisieren sollen. So lernt das Publikum unter anderem den schüchternen Schwaben Martin, den munteren Milchbauern Volker und den herzlichen Hessen Marcel kennen.

Die immer gut gelaunte Moderatorin Inka Bause lässt es sich natürlich nicht nehmen, den Bauern ihre Fanpost selbst vorbeizubringen. So reist die Liebesbotin von Bayern, über Hessen bis nach Ostfriesland, um jeden Kandidaten persönlich zu besuchen. Dabei bekommen die Zuschauer einen Einblick in das Privatleben der Bauern. Manche von ihnen sind sehr schüchtern, haben kaum Erfahrungen mit Frauen gemacht und brauchen daher ein wenig Nachhilfe in Sachen Liebe.

Inka Bause verhilft einsamen Bauern zum Liebesglück

Da ist es doch schön, dass RTL diesen unglücklichen Männern hilft. Einige der Bauern könnte man eher als Außenseiter-Typen bezeichnen. Sie leben bei ihrer Mutter, scheinen kaum mehr zu kennen als das Dorf, in dem sie leben und knüpfen nur wenige soziale Kontakte. Durch „Bauer sucht Frau“ bekommen diese einsamen Singles die Chance, eine Frau kennenzulernen. Natürlich werden einige dieser Kandidaten belächelt. Die Zuschauer amüsieren sich darüber, wie das Privatleben der Bauern vorgeführt wird. Aber angesichts der großen Liebe, auf die die Bauern hoffen, ist es ihnen wohl nebensächlich, dass sich ein Millionenpublikum auf ihre Kosten lustig macht.

Nachdem die Bauern zwei Damen ausgewählt haben, geht es zum großen Scheunenfest. Dort begegnen die Männer dann zum ersten Mal ihren Frauen. Diese haben sich alle schick herausgeputzt, um ihren Auserwählten zu betören und ihre Konkurrentin auszustechen. Überhaupt sind es eher die Frauen, die die Initiative ergreifen und beim Flirten den Ton angeben. Um die Männer wird kräftig gebuhlt. Nicht nur die kleinen, oft selbst gemachten Geschenke, sollen beeindrucken. Die Frauen preisen ihre hauswirtschaftlichen Fähigkeiten an, versprechen Massagen und reden sogar schon vom Heiraten.

Große Emotionen vor laufender Kamera

Kein Wunder, dass es bei solch aufdringlichem Werben zu Eifersuchtsszenen zwischen den Konkurrentinnen kommt. Aber genau solche Szenen sind für den Zuschauer so interessant. Denn wäre es nicht langweilig, wenn alles immer eitel Sonnenschein wäre? Die armen sitzengelassenen Frauen können einem schon leid tun. Viele sind den Tränen nahe und in ihrem Stolz gekränkt. All dies sehen Millionen Fernsehzuschauer und fühlen sich dadurch unterhalten.

Auch bei intimen Momenten, an denen man normalerweise ungestört sein möchte, ist die Kamera dabei. Wahrscheinlich ist das ein Aspekt, der den Reiz der Sendung ausmacht: Anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie flirten, den Hof machen und sich verstohlene Blicke zuwerfen. Bei solchen Momenten dabei zu sein, ist für die Zuschauer besonders verlockend. Vermutlich ist es dem ein oder anderen Bauern schon unangenehm, unter Beobachtung zu stehen, während man der Angebeteten eine Liebeserklärung macht. Das sind Augenblicke, die eigentlich nur das Paar etwas angehen und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aber dass man sämtliche Annäherungsversuche vor einem Millionenpublikum macht, sollte den Bauern und den Frauen schon vor ihrer Bewerbung bei „Bauer sucht Frau“ klar gewesen sein.

Aufregung um Bauer Lämmes

Auch ein kleiner Skandal erschütterte die ausgelassene Stimmung des Scheunenfestes. Nachdem Bauer Lämmes sich eigentlich schon für die Sekretärin Anne entschieden hatte, änderte er kurzfristig doch noch seine Meinung. Auf dem Fest lernte er die von Biobauer Johannes verschmähte Moni kennen und lädt sie spontan ein, mit zu ihm auf den Hof zu kommen. Die arme Anne informiert er nicht einmal darüber. Ist es nun richtig, dass Lämmes von Moderatorin Bause immer als der „ehrliche Schäfer“ betitelt wird? Diese Bezeichnung ist angesichts des Fehltritts, den er sich geleistet hat, eher unpassend.

Dennoch: Insgesamt ist „Bauer sucht Frau“ sehr unterhaltsam. Es macht Spaß zuzusehen, wie sich die Liebesgeschichten entwickeln und wie es mit den Paaren weitergeht. Es sind gerade die Einblicke in das Privatleben anderer Menschen und die starken Emotionen, die in der Sendung mitspielen, die das TV-Format so reizvoll machen. Allerdings wirken viele Szenen sehr gekünstelt. Einige Passagen wirken wie einstudiert, die Dialoge wie auswendig gelernt. Das verleiht der Sendung auch nach fünf Jahren einen etwas künstlichen Charakter.
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