newsecho.de-Interview
Kalkofe über die „Mattscheibe“, Quoten und Moderationsroboter
Von Dominik Hammes
Als TV-Kritiker, der in seiner Comedy-Sendung „Kalkofes Mattscheibe“ das deutsche Fernsehen mit harten Worten aufs Korn nahm, wurde er bekannt. Im newsecho.de-Interview verriet Kalkofe, wie er auf die Idee zu seinem aktuellen Bühnenprogramm kam, woran er derzeit arbeitet, über die Zukunft seiner „Mattscheibe“ und natürlich, wie er das deutsche Fernsehen derzeit bewertet.
Oliver Kalkofe: Gut, dankeschön. Ich bin ein bisschen aufgeregt.
newsecho.de: Weil die Premiere von „Volles Programm“ kurz bevor steht?
Oliver Kalkofe: Ja. Das ist mal ein ganz neues Gefühl für mich, dass ich nicht selbst auf der Bühne stehe, sondern andere. Ich fühle mich wirklich ein bisschen wie ein Vater, dessen Kind bei einem Weihnachtsmärchen die Hauptrolle hat. Das ist ganz komisch, sonst muss ich immer alles selber machen, diesmal sitze ich aber im Publikum.
newsecho.de: Das Thema des Bühnenprogramms ist ja wieder ein sehr vertrautes. Es geht um das Fernsehen, aber sozusagen um Nostalgie-Fernsehen.
Oliver Kalkofe: Das Fernsehen momentan bietet nicht wirklich viel Grund zur Freude und leider auch nicht viel woran man sich gemeinsam gerne zurück erinnert. Da bleibt eigentlich immer nur die böse Satire wie ich sie in der „Mattscheibe“ immer mache.
Daher kam der Gedanke, sich an die Zeit zurück zu erinnern, als es noch ein bisschen Spaß machen durfte.
Ich denke, alle die über Mitte 20 oder über 30 sind, kennen das, wenn man zusammen sitzt und einer fängt an und erinnert sich an irgendeine Serie. Der Nächste summt eine Musik und dann wird geraten woher das nochmal war. Da gehen wirklich die Erinnerungen im Kopf lawinenartig von alleine los. So war das hier eigentlich auch, dass ich dachte: Warum macht man nicht mal eine schöne Revue mit ganz viel Comedy und Szenen in denen wir so schnell wie möglich durch so viele Erinnerungen wie es nur irgendwo geht springen und an die schöne Zeit von damals erinnern, aber auch drüber lachen und erkennen dürfen: es war auch ganz schön bescheuert. Sehr bekloppt, was wir damals alles geguckt und ernst genommen haben.
newsecho.de: Aber es herrscht schon die Überzeugung vor, dass das Fernsehen früher besser war?
Oliver Kalkofe: Das sagt man immer so, ich würde es einschränken. Es war nicht wirklich besser, aber es war weniger und wir waren dankbarer. Wir haben so wenig an Unterhaltung geboten bekommen, dass kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Dass es einen Sendeschluss, nur zwei Programme, eine Mittagspause, genau eine Unterhaltungsshow in der Woche und genau einen Krimi in der Woche gab. Alles, was man bekommen hat, hat man irgendwie in sich aufgesogen und geguckt – egal wie gut es jetzt war.
Es war nicht alles viel besser und toller aber eins muss man mit Respekt sagen: Egal was es war, man hat gemerkt, da haben sich Leute etwas dabei gedacht, auch wenn es etwas Bescheuertes war. Man merkte, selbst wenn das irgendwie granatenmäßig in die Hose gegangen ist und komplett daneben war: Irgendwer hat es einmal gut gefunden und es war ein bisschen Herzblut und Spaß dabei.
newsecho.de: Und das ist heute nicht mehr der Fall?
Oliver Kalkofe: Wenn man heute ins Fernsehen guckt und durch die Programme zappt, da besteht fast alles nur noch aus irgendwelchen Reality-Formaten, die man mit der Digi-Cam zu Hause oder bei den Nachbarn dreht. Ohne Drehbuch und ohne echte Darsteller, sondern mit Laien-Darstellern die irgendwelche Laien-Darsteller darstellen sollen. Das ist furchtbar. Da ist keine Freude dabei, die Redakteure und Verantwortlichen gucken sich den Scheiß auch nicht mehr selbst an – und das merkt man eben. Früher haben Leute noch was versucht und dabei gedacht: „Ja, ich glaube das gefällt irgendwem und da hätten wir Spaß dran.“
Oliver Kalkofe: Man darf ja eins nichts machen und sagen: „Es ist alles scheiße und ihr habt sowieso keine Chance“. Das deutsche Fernsehen hat das Problem, dass es sich einfach nichts traut. Ich glaube, hier wäre eine Menge möglich. Wenn man sich anschaut, was über die Jahrzehnte entstanden ist, da gab es ja auch kleine Highlights.
Wenn wir uns die Fernsehfilme von ARD und ZDF anschauen, die sind wirklich gut gemacht. Vor allem von Regie und den Darstellern und auch von den Büchern her. Dennoch ist es weit unter den Möglichkeiten dessen, was wir machen könnten.
Was die BBC an Fernsehfilmen, an Krimis, an Thrillern und anderem hinbekommt, das ist wieder eine ganz andere Liga. Und das neben dem ganzen anderen Schrott, den sie auch produzieren. Wenn man sich in England mal die Programme anguckt ist das manchmal auch extrem popelig und ganz furchtbar.
Was sie aber auch produzieren sind Dinge, die um die ganze Welt gehen: „The Office“ und „Extras“ und die ganzen Krimiserien. Die haben darunter solche Highlights, weil sie sich eben wirklich in alle Ecken trauen. Mal trauen sie sich Trash zu, oder die billige Sendung für den Kleingärtner. Die nehmen ihr Publikum zumindest so ernst, dass sie denken: „das sind vielleicht mal ein paar Leute dabei, die sind ein wenig intelligenter, die einen haben einen etwas schrägeren Humor, manche gar keinen Humor – wir versuchen einfach alles abzudecken“. Das passiert bei uns nicht, bei uns muss immer alles für alle gelten. Man hofft immer das ganz große Publikum zu kriegen, also bloß keinen verärgern. Bevor wir etwas falsch machen nehmen wir doch lieber eine Idee von jemand anders und machen die nach, das wird schon klappen. Das klappt leider nie.
Lesen Sie auf Seite 2, was Oliver Kalkofe von adaptierten TV-Formaten, dem Internet als Medium für Fernsehproduktionen und von der Quotenmessung hält.
























