Was die Fans erwartet

Papa Stromberg darf wieder ran

Von Kevin Körber

Foto: ProSieben/Willi Weber
Foto: ProSieben/Willi Weber „Außer bei Frauen und Autos ist neu nicht immer gleich besser.“

Unterföhring/Köln – Heute Abend kehrt der wohl unbeliebteste Chef Deutschlands zurück auf die Bildschirme: ProSieben zeigt die inzwischen fünfte Staffel „Stromberg“ und erzählt neue Geschichten aus der fiktiven Capitol Versicherung. newsecho.de sah die ersten Folgen vorab. (Achtung: Spoilergefahr)

„Humor ist wie Gulasch! Da wo der eine sagt: ‚Ist mir zu scharf‘, sagt der andere: ‚Hmm! Lecker!‘ und der Dritte isst überhaupt kein Fleisch.“ Bei Sprüchen wie diesen weiß man als treuer Fan der Serie: viel hat sich nicht verändert, wenn Bernd Stromberg – perfekt verkörpert von Schauspieler Christoph Maria Herbst – heute Abend wieder auf Sendung geht. Wir befinden uns in der Schadensregulierung M bis Z der rein fiktiven Versicherung namens Capitol, in der Bernd Stromberg das Sagen hat. Dort wird der Büroalltag von einem Kamerateam begleitet, das im klassischen Dokumentarstil die Geschehnisse verfolgt.

Nach seinem Ausflug in die Außendienststelle in Finsdorf, sitzt Stromberg nun wieder fest im Sattel seiner Abteilung und wird – so viel sei vorweg verraten – in Staffel fünf die Karriereleiter nach oben klettern. Doch bis dahin arbeitet er natürlich weiterhin an seinem Netz von Intrigen, das er spinnt, um seine Karriere voran zu treiben. Dabei lässt Bernd Stromberg schon in der ersten Folge der neuen Staffel keine Gelegenheit aus, um ordentlich in Fettnäpfchen zu treten und vom einen in den nächsten Moment der Fremdscham zu stolpern.

Gleich zu Beginn, als es um die Integration von Azubi Malik geht, der Moslem ist, zeigt sich das egozentrische Büroekel wieder von seiner hässlichsten Seite. Als er jedoch plötzlich davon Wind bekommt, dass das Thema Ausländerintegration in der Chefetage gerne gesehen wird, wechselt Stromberg als Fähnchen im Winde wieder seinen Kurs und setzt sich überengagiert für Malik ein, der äußerst natürlich und sympathisch von Schauspieler Mo Bahla dargeboten wird.

Ernie missioniert die Kollegen

Auch die Liebesgeschichte mit Sachbearbeiterin Jennifer „Schirmchen“ Schirrmann (Milena Dreißig) wird weitererzählt und wird noch die gesamte Staffel über für reichlich Machogehabe seitens Stromberg sorgen. Schon nach knappen fünf Minuten gibt es auch ein Wiedersehen mit Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne I. Mädel), der mal wieder völlig unbedarft in eine vermeintlich intime Situation zwischen Jennifer und Stromberg gerät. Inzwischen engagiert sich Ernie stark in einer katholischen Kirchengemeinde und weiß daher in der ersten Folge bereits mit zahlreichen fast schon geisteswissenschaftlichen Phrasen in den Einzel-Interviews zu überzeugen. Nach seiner Therapiesitzung bei Frau Löbke ein weiterer Erzählstrang, der von den Machern passend zum Charakter gewählt wurde.

Erwartet hätte man als „Stromberg“-Anhänger sicherlich, dass die zuletzt am Ende von Staffel vier aufgebaute kleine Romanze zwischen Ernie und Emo-Mädchen Mia (beide hatten sich in den Therapiestunden kennengelernt) weitererzählt wird. Vielleicht weiß man hier im Verlauf der weiteren Folgen noch mit kleineren Anekdoten aus Ernies Liebesleben zu überraschen.

Gestärkt wurde auch das Thema Ehe von Ulf und Tanja Steinke (Oliver K. Wnuk und Diana Staehly), die seit vergangener Staffel verheiratet sind. Besonders hervorstechend sind hier die gemeinsamen Interview-Situationen, die in der ersten Folge von Staffel fünf eingebaut wurden. Etwas zu schnell abgehandelt wird allerdings die plötzliche Beurlaubung von Abteilungsleiter Timo Becker (Lars Gärtner). Womöglich ist hier Material der Schere im Schnitt zum Opfer gefallen. So ist es fast schon verwunderlich, dass die Erzählung von Bernd Strombergs Aufstieg in die Chefetage noch innerhalb der Auftaktfolge abgehandelt wird.

„...seelisch auf dem Stand von Mecklenburg-Vorpommern“

Das ist – wenn überhaupt – der einzige Kritikpunkt, den man an der neuen Staffel äußern könnte. So sind viele Situationen, verglichen mit der ersten Staffel, manchmal einen Tick zu übertrieben dargestellt und auch die Charaktere reagieren das ein oder andere Mal etwas zu sehr über. Allerdings ist das wohl der Preis, den man als Fan zahlen muss, wenn eine Comedy-Serie wie „Stromberg“ es bis zu einer fünften Staffel schafft. Ohnehin grenzt es schon an eine Art Meisterleistung von Autor Ralf Husmann, sich immer wieder neue Storys in dem Mikrokosmos der Capitol Versicherung einfallen und den Charakter Bernd Stromberg sich bei Themen rund um Karriere, Mitarbeitermotivation, Chefetage und Frauen nie wiederholen zu lassen.

Während in der vergangenen Staffel die Außenstelle im idyllischen Finsdorf als neuer Spielort hinzu kam, spielt sich in den ersten beiden Folgen wieder alles im Versicherungsgebäude ab. Eine kleine Erweiterung hat man sich und den Figuren jedoch spendiert; so beginnt die erste Folge in der neuen Chefetage. Auch Herr Becker sitzt nun in einem sichtlich anderen Büro und wohl auch in einem anderen Teil des Gebäudes. Der Fokus jedoch, bleibt auf dem Großraumbüro der Schadensregulierung M bis Z. Einen besonderen neuen Platz hat man sich bei „Stromberg“ aufgrund des Nichtraucherschutzes im Büro gegönnt: Bernd Stromberg raucht seinen Glimmstängel nun ab und an in einer neuen Raucherkabine mit Rauchabzug in den Gängen der Capitol.

In Staffel fünf wird die Geschichte von Bernd Stromberg und seinen Mitarbeitern nahtlos und ohne Anlaufschwierigkeiten weitererzählt. Bis auf ein paar graue Haare mehr bei Christoph Maria Herbst – der in seiner Paraderolle wie immer in Topform ist – würde man die verstrichenen zwei Jahre überhaupt nicht bemerken. Willkommen zu Hause in der Capitol. ProSieben zeigt die fünfte Staffel ab heute, 22:10 Uhr in zehn Einzelfolgen.
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