newsecho.de-Interview

Nela Panghy-Lee: „Bin keine blöde Tussi“

Von Kevin Körber

Foto: Viacom/Nickelodeon
Foto: Viacom/Nickelodeon Nela Panghy-Lee ist derzeit im ZDF, bei ProSieben und Nickelodeon zu sehen.

Moderatorin Nela Panghy-Lee ist im privaten wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu Hause. Von Kinderfernsehen bis „Wetten, dass..?“ – newsecho.de-Redaktionsleiter Kevin Körber sprach mit Nela Panghy-Lee über ihre Schüchternheit, den Spaß an ihrer Arbeit und das aktuelle Fernsehprogramm.

newsecho.de: Nela, ich habe gelesen, dass Du früher eher schüchtern und zurückhaltend warst und man Dir nie zugetraut hätte, vor einer Kamera zu stehen. Du hast gesagt, Du hast Deine Schüchternheit genau dadurch therapiert – wie hat das funktioniert?

Nela Panghy-Lee: Wenn ich Weihnachten nach Hause fahre und meine damaligen Lehrer in der Schule besuche, sagen die mir oft: „Wir hätten ja wirklich alles gedacht, aber nicht, dass Du mal vor der Kamera landest.“ Und da merke ich selbst, dass das ein Riesensprung für mich war. In der Schule mochte ich mich nie melden, war nie der Klassenclown, nie Wortführer.

newsecho.de: Woran lag das? Am Migrationshintergrund?

Nela Panghy-Lee: Ich bin in einem schwäbischen Dorf groß geworden und hatte dort eine Sonderrolle, weil ich das einzige Kind mit migrantischem Hintergrund war. Durch mein koreanisches Äußeres habe ich natürlich anders ausgesehen und war auch ein sehr schüchternes Kind. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass ich daraus ausbrechen und das nicht sein will und ich eigentlich viel cooler als alle anderen bin, die es aber nur nicht wissen (lacht).

newsecho.de: Wann hast Du dann angefangen, Deine Schüchternheit abzulegen?

Nela Panghy-Lee: Damals bin ich dann aus meinem kleinen Dorf nach Köln zum Casting und so hat das angefangen, dass ich Stück für Stück immer selbstsicherer geworden bin. Aber ich war selbst bei Viva noch unsicher und musste selbst erstmal aus meiner alten Rolle heraus finden und mich selbst erst entdecken.

newsecho.de: Ich stelle mir den Moment, in dem das Rotlicht anging, sehr angespannt vor – gerade wenn Du erzählst, Du hast Dich früher nicht gerne zu Wort gemeldet. Dann gilt es, dann muss man beweisen, was man kann...

Nela Panghy-Lee: Die Leute haben mich nicht gekannt – das war ein großer Vorteil. Als ich im Jahr 2000 bei meinem ersten Casting war; ein Model-Mädchen nach dem anderen neben mir, alle kamen aus Großstädten und waren extrovertiert und laut...

newsecho.de: ...wie man sich das bei einem Viva-Casting so vorstellt.

Nela Panghy-Lee: Eben. Richtige Stutenbissigkeit. Und ich wollte ja wirklich niemandem etwas Böses und nur dieses Casting hinter mich bringen. In der Situation habe ich mich schon so total überfordert gefühlt. Während des Castings bin ich knallrot geworden und wusste selbst nicht, wo oben und unten ist. Trotzdem kam ich von 4.000 Mädchen unter die besten 25.

newsecho.de: Konntest Du feststellen, dass Du durch Deine Arbeit vor der Kamera auch privat selbstbewusster wurdest?

Nela Panghy-Lee: Ich würde nicht sagen, dass es das Fernsehen an sich ist. Mein Leben hat sich dann natürlich von Grund auf geändert. Ich musste dann ja auch mein Studium aufgeben, bin nach Köln gezogen, musste plötzlich alleine leben – diese Erfahrungen haben mich selbstsicherer gemacht. Ich hatte einen Job im Fernsehen und natürlich erhält man dann sehr viel Aufmerksamkeit. Das gibt einen Schub Selbstsicherheit.

newsecho.de: Castings sind letztendlich nichts anderes als Bewerbungsgespräche.

Nela Panghy-Lee: Ja und dann bist du plötzlich im Berufsleben und merkst, es gibt nicht nur Leute, die dir Gutes wollen, sondern du hast auch ganz viele negative Erlebnisse. Aber alles bringt dich im Leben irgendwie weiter. Alles macht dich ein Stück reifer und erwachsener. Plötzlich hatte ich auch nicht nur ein „Glamour-Leben“ in dieser Fernsehwelt, sondern auch viele Probleme. Das macht mit der Zeit auch ein Stück selbstsicherer, wenn man bemerkt, dass man damit alleine klar kommt.

newsecho.de: Was wäre aus Dir eigentlich geworden, wenn Du beim Viva-Casting nicht genommen worden wärst?

Nela Panghy-Lee: Ich habe Germanistik und Journalistik studiert und es wäre auf jeden Fall in diese Richtung gegangen. Wahrscheinlich wäre aus mir entweder eine PR-Tante oder eine Journalistin geworden.

newsecho.de: Der Drang zur Öffentlichkeitsarbeit war also schon immer irgendwie da?

Nela Panghy-Lee: Eigentlich war nur der Drang da, zum Fernsehen zu gehen. Als es dann 2000 nicht geklappt hatte, habe ich eben mein Studium in Richtung Fernsehen ausgerichtet, weil ich immer das Gefühl hatte, ich müsste mich sinnvoll darauf vorbereiten. Aber ich wäre keine gute Journalistin geworden, weil mich das nicht von Herzen interessiert hätte.

newsecho.de: Wie haben Deine Eltern darauf reagiert? Viele junge Menschen wollen ja heutzutage „irgendwas mit Medien“ machen.

Nela Panghy-Lee: Meine Mutter dachte immer, ich werde Pianistin. Aber mit dem Abitur war dann klar, dass das keine Option war. Ich hatte überhaupt keine Lust, Klavier zu spielen – trotz 14 Jahren Klavierunterricht. Ich sagte, ich würde schon gerne „irgendwas mit Medien“ machen – das war auch immer mein Satz. Irgendwas! Das mit dem Germanistikstudium fanden meine Eltern dann auch gut, davor hatte ich ja Soziologie mit Schwerpunkt PR studiert und das fanden meine Eltern dann auch alles sehr solide. Aber als ich 2004 ankam und sagte, Viva hat sich gemeldet und ich muss jetzt binnen einer Woche nach Köln ziehen und mein Studium abbrechen, ging erstmal das große Donnerwetter los. Meine Eltern waren alles andere als begeistert.

newsecho.de: Aber im Nachhinein doch hoffentlich schon?

Nela Panghy-Lee: Ja, sie haben gesehen, dass ich sehr viel arbeitete, kämpfte und mich deswegen weiterentwickelt habe. Und sie sehen jetzt auch, dass ich wirklich meinen Traumjob mache und dafür liebe ich meine Eltern. Sie unterstützen mich immer.

newsecho.de: Man hat das Gefühl, vielen ist bei diesem Berufswunsch gar nicht klar, dass das auch viel Arbeit ist und Moderator sein nicht bedeutet, mal eben vom Teleprompter abzulesen. Welche Anforderungen stellst Du selbst an Dich in Deinem Job?

Nela Panghy-Lee: Ich möchte immer einhundert Prozent geben und Arbeit abliefern, bei der ich genau weiß, das macht dem Zuschauer und meiner Redaktion Spaß. Ich bin nicht der Typ, der gerne polarisiert; ich finde es gut, wenn die Leute sagen, ich habe einen super Job gemacht. Damit gehe ich an meine Arbeit ran. Und natürlich ist es viel Arbeit. Die Zuschauer sehen immer nur diese eine Stunde „Taff“, aber es ist ja auch Redaktionsarbeit und die ganze Vorbereitung auf die Sendung.

Lesen Sie auf Seite 2, wieso Nela Panghy-Lee „Playboy“-Angebote bisher ablehnte und warum sie sich bisher nie in einer Bluebox-Show blicken ließ...
Kurzbiografie Nela Panghy-Lee 1/10
Nela Panghy-Lee wurde am 28. Mai 1980 in Tettnang am Bodensee geboren und ist koreanischer und ungarischer Abstammung.
Kommentare