„Ich finde, Sie haben das gut gemacht“

Günther Jauchs nervöser ARD-Einstand

Von Michael Pfeiffer

Foto: DPA
Foto: DPA Moderator Günther Jauch im Studio seiner neuen ARD-Sendung.

Berlin – Große Erwartungen, großes Studio, großer Name: Günther Jauch als Talkmaster in der ARD war eines der meist diskutierten Themen der TV-Saison. Mit einem schwierigen Thema und bunt gemischten Gästen startete er am Sonntagabend.

Warum Günther Jauch ausgerechnet am 11. September mit seinem neuen Talk starten musste, wissen wir nicht – dass er an diesem Tag kaum um das Thema Terror herumkommen würde, war vorhersehbar. Dementsprechend stand die Sendung unter dem Motto „Zehn Jahre 11. September - War es richtig, in den Krieg zu ziehen?“. Ein schwieriges Thema, nicht nur inhaltlich, sondern auch aufgrund der Gefahr, Dinge zu wiederholen, die an diesem Tag schon mehrfach durchgekaut wurden.

Nervöser Gastgeber mit Lob seiner Gäste

Dementsprechend nervös präsentierte sich Gastgeber Jauch dann auch, als er live aus dem Gasometer in Berlin-Schöneberg auf Sendung ging. Schon vor der Sendung hatte er in einem Interview mit der TV-Zeitschrift „TV Spielfilm“ angekündigt, er sei „ganz und gar nicht locker“ – das merkte man ihm deutlich an. Vielleicht am deutlichsten wurde das, als Jauch zu Ende von seinem Gast Peter Struck gelobt wurde: „Ich finde, Sie haben das auch gut gemacht“.

Neben dem Bundesverteidigungsminister a.D. Struck (SPD) waren außerdem Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG), Autorin Elke Heidenreich, Jürgen Klinsmann (Trainer der US-Fußballnationalmannschaft), Tanja Menz (Mutter eines in Afghanistan gefallenen Soldaten) und der Afghanistan-Experte Jürgen Todenhöfer zu Gast. In einer sehr groß wirkenden Kuppel mit viel Publikum, in der die Gäste in der Totalen ein wenig verloren wirkten und deren Größe sich am hallenden Ton bemerkbar machte, war Jauch ein zurückhaltender Gastgeber, der sich ruhig das ein oder andere Mal öfter hätte einmischen dürfen.

Gäste mit Höhen und Tiefen


Das Thema bot dagegen wenig Neues und an manchen Stellen wirkten dabei erwartungsgemäß Gäste wie Jürgen Klinsmann oder Elke Heidenreich ein wenig Fehl am Platz. Vor allem Klinsmann als Wahl-Amerikaner brachte zwar durchaus etwas Abwechslung in die Sache, wirkte mit eher pauschalen Analysen „Des Amerikaners“ aber nicht immer ganz glücklich. Dafür waren die unbekanntesten Gäste gleichzeitig die besten: Sowohl Tanja Menz, die erstaunlich souverän mit dem Tod ihres Sohnes in Afghanistan umging, als auch der Afghanistan-Experte Jürgen Todenhöfer sorgten immer wieder für interessante Momente. Todenhöfer vor allen Dingen durch seine Diskussion mit Springer-Vorstandschef Döpfner, während der zeitweise weder Jauch noch die anderen Gäste etwas beizutragen hatten.

Unterbrochen wurde die Sendung durch etwas zu viele Einspieler, mit denen zwar in kurzer Zeit ohne viel um den heißen Brei zu reden recht viele Zusatzinformationen eingebracht werden konnten, die aber das Gespräch häufig unnötig auseinanderrissen. Darauf hätte man auch verzichten können. Aber hätte man auch auf Jauch verzichten können, wie einige Reaktionen auf die Sendung zum Beispiel bei Twitter schlussfolgerten? Wir würden es so formulieren: Man kann, aber man muss nicht. Unersetzlich ist Jauch in der Sendung sicher nicht, zumindest tat er in seiner ersten Sendung nichts, was nicht auch andere Talkmaster wie Anne Will, Sabine Christiansen oder Frank Plasberg hätten bieten können. Aber auch für Günther Jauch mit all seiner TV-Erfahrung war es eine ungewohnte Sendung, bei der man ihm die Chance geben sollte, sich zu entwickeln.

„Solide, aber ausbaufähig“

So sah es zum Beispiel auch Twitter-User DavidRSchuster: „Komischer Ton, tolles Studio, nervöser Jauch, zuviele Einspieler....solide, aber ausbaufähig.“, schrieb er. Deutlich weniger gut kam die Sendung dagegen bei TimRozenski an: „Enttäuschend. Langweiliger Moderator, unnötige Gäste, effekthascherische Einspieler auf RTL-2-Niveau. Nein, danke.“, twitterte er. Auch andere sahen die Sendung ausbaufähig: „Fand es okay. Besser als so manch anderer Talk. Denke aber, Jauch ist noch steigerungsfähig“, sagte Twitter-Userin earenia. Das dürfte wohl für viele wie auch für uns das Fazit der ersten Sendung von Günther Jauch in der ARD sein: Solide, aber keine Sensation, ausbaufähig und für Jauch eine spannende Entwicklung, die noch abzuwarten bleibt. Auch, wenn er Themen behandelt, die ihm vielleicht mehr am Herzen liegen als das Thema, um das er an seinem ersten Abend nicht herumkam – und die vielleicht etwas mehr Diskussionsstoff bieten als ein Thema, zu dem niemand der Gäste die großen Streitigkeiten anzetteln will.
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