TV-Kritik „Die Alm“
Busen, Plumsklo und die Presse
Von Henrike Peter
Almauftrieb hieß es gestern für neun mehr oder wenige prominente Fernsehgesichter, Casting-Show-Leichen und ausgediente Moderatoren und Sänger, denn die ProSieben-Reality-Show „Die Alm – Promischweiß und Edelweiß“ ging in die zweite Runde. Zwei Wochen lang muss hier unter Anleitung eines echten Alm-Öhis gelebt werden wie 1911. Pause war scheinbar nicht umsonst sieben Jahre zwischen den beiden Staffeln, denn es braucht schon einige Zeit, um sich solch einen konstruierten Klamauk auszudenken.
Den Anfang beim Sektempfang in idyllischer Kulisse machte Manfred Ludolf, einer der vier Ludolf-Brüder, die mit ihrem Schrottplatz bekannt wurden. Die Frau fürs Leben will er auf der Alm finden, verriet er im Vorab-Interview und hibbelt von einem Bein aufs andere, bis der schwarze Geländewagen noch einmal mit einem neuen Kandidaten vorfährt. Der Clou an der Sache: Die Z-Promis wissen vorher (angeblich) selbst nicht, wer sie für die kommenden zwei Wochen mit seiner Anwesenheit beglückt. Der Wagen hält und galant schält sich Ex-Germany-Next-Topmodel-Kandidatin und Busenwunder Gina-Lisa Lohfink aus dem Fahrzeug. Dazwischen erfreuen den bereits gelangweilten Zuschauer die Scherz überladenen Moderationen von Comedian Janine Kunze und Daniel Aminati, die mal mit dem Traktor unterwegs sind, mal am Lagerfeuer sitzen. Kleine Einspielfilme vor der Ankunft der einzelnen Kandidaten, erinnern nochmal kurz daran, woher man sie kennen sollte.
- Fotostrecke
-
- Promischweiß auf der ProSieben-Alm
Dann kommt auch schon der Vierte im Bunde: Carsten „Die Elster“ Spengemann, der inzwischen erfolglose Moderator und Schauspieler, dem eine Anzeige wegen Diebstahls vor ein paar Jahren die Karriere verhagelte. Ihm folgen im gefühlten Stundentakt Top-Model-Zicke Tessa Bergmeier, Ex-Profi-Fußballtrainer Werner Lorant, der nach seiner gescheiterten Ehe dringend Geld braucht, Moderatorin und Tieraktivistin Charlotte Karlinder, Kelly-Familiy-Relikt Kathy Kelly und „Germanys next Topmodel“-Juror Rolf Scheider, der gebürtige Kölner mit französischem Akzent.
Einige Flaschen Sekt, viele dämliche Smalltalks und erste Läster-Attacken später, geht er endlich los, der Almauftrieb. Doch zuerst werden den Kandidaten bei einer Leibesvisitation alle Luxusartikel abgenommen und sie werden mit abgefahrenen Alm-Outfits umgestylt. Vorne weg stiefelt Alm-Öhi Josef Huber, der den Promis in den nächsten zwei Wochen Regieanweisungen geben wird. Die brauch es auch, sonst macht ja jeder was er will. Zum Beispiel bei der ersten gemeinsamen Aufgabe, dem Viehtrieb. Schließlich müssen die Neun plus Öhi ja von irgendetwas leben. Bald liegt der erste Kandidat im Dreck, weil ihm eine Ziege auf der Weide abhaut. Dann rennen Kühe weg und zwischen dem Spengemann und Tessa kriselt es schon ein bisschen. Zum Glück ist die Almhütte bald erreicht und die erste Erkundungstour im neuen Domizil kann starten. Wer sich die letzte Staffel bereits angetan hat weiß, dass in der Hütte alles mehr als rustikal gestaltet ist. Viel zu enge Holzbetten nur mit Stroh gefüllt, kein warmes Wasser, ein Plumsklo im Hof und und und…
Dschungelcamp in luftiger Höhe
Da die ProSieben-Alm im Prinzip nichts anderes ist, als das Dschungel-Camp von RTL, bloß auf dem Berg, sehen auch die so genannten „Muh-Proben“ genauso aus. Bereits im Vorfeld haben sich die Zuschauer beim Voting dafür entschieden, dass Tessa ran muss. Deshalb muss das Top-Model in die „Scheune des Schreckens“ und Dinge in Behältern ertasten. Zu gewinnen gibt es tolle Geschirrsets. Bei der ganzen Aufregung kann man eine Wollmütze schon mal mit einem süßen Tier, wie einer Katze oder einer Schnecke verwechseln. Vier Sachen errät sie schließlich richtig und bekommt neben dem Geschirr, zurück auf der Alm, gratis Busen-Gespräch von Gina-Lisa. Alle hören aufmerksam zu, als die 24-Jährige aus dem Schönheits-Op-Nähkästchen plaudert, bis ihr auffällt, dass Moderatorin Charlotte ja für die Presse arbeitet. Eine immense Bedrohung in Anbetracht der wenigen Kameras im Haus.
Dann ist sie auch schon vorbei, die erste Exhibitionisten-Promi-Kaffeefahrt und Kathy Kellys CD-Verkäufe steigen vielleicht schon nach Tag Eins. Zumindest in der Zielgruppe der selbstmordgefährdeten Folk-Liebhaber, wenn man von ihrer Darbietung in geselliger Runde am Abend ausgeht. Und alle können sich schon auf die nächste Folge freuen, dann muss der Checker zur Muh-Probe und Schneckenschleim-Saft produzieren. Außerdem gibts Ärger mit dem Öhi.
























