Bundesfreiwilligendienst im Portrait
„Freiwillige Vor!“ – Der Dienst am Menschen boomt
Von Henrike Peter
Seit 1. Juli 2011 löst der Bundesfreiwilligendienst in Deutschland den Zivildienst ab. Die Nachfrage ist hoch und der Dienst an sich offener gestaltet als vergleichbare Sozialdienste.
Dienst am Menschen für alle Altersgruppen
„Auch Senioren können Bundesfreiwilligendienstler werden und gerade in dieser Altersgruppe haben wir viele Anfragen“, weiß Bildungsreferentin Verena Sommer vom Paritätischen Servicecenter für Vermittlung. Das Interesse am neuen Dienst sei seit dem Start am 1. Juli 2011 in allen Altersgruppen mehr als sehr gut. „Wir haben täglich viele Bewerbungen, seit Beginn um die 170 Stück alleine hier im Saarland. Davon sind 92 Bewerber schon vermittelt. Die Zahl ändert sich fast stündlich, da sich viele Interessenten online an uns wenden“. Den großen Erfolg des neuen Dienstes schreibt Verena Sommer außerdem der frühzeitigen Werbung zu. „Wir haben schon im März begonnen, Einsatzstellen zu bewerben, so dass wir bis Ende April, Anfang Mai rund 700 Plätze zur Verfügung hatten“.
Der große Vorteil des Bundesfreiwilligendienstes liegt für Verena Sommer auf der Hand: „Es ist eben kein Dienst, der auf eine gewisse Altersgruppe begrenzt ist. Jeder kann sich im Prinzip engagieren und das wir auch rege in Anspruch genommen“. Wo Senioren einfach noch in ihrer Rente gemeinnützig aktiv sein wollten, stehe für jüngere Bewerber die berufliche Orientierung eher im Vordergrund. „Der Großteil der Bewerber will nach der Schule oder dem Studium nicht gleich in einen festen Job, sondern sich erst noch orientieren und umsehen, was am besten passt.“ Andere Mittdreißiger etwa suchten einen Wiedereinstieg in den Job oder so mancher Langzeitarbeitslose eine neue Chance.
Natalie Becker ist Mitte 30 und hat zwei Töchter. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie ihren gelernten Beruf nicht mehr ausüben. Den Bundesfreiwilligendienst möchte sie nun als Gelegenheit nutzen, um sich umzuorientieren. „Ich möchte im nächsten Jahr eine Lehre als Arbeitspädagogin machen und zur Überbrückung bis dahin, sammele ich im Bundesfreiwilligendienst in den Werkstätten der Lebenshilfe Obere Saar Bübingen erste Erfahrungen.“ Wenn für die 34-Jährige alles gut läuft, kann sie nächstes Jahr gleich dort ihre Ausbildung machen.
„Das erleben wir häufiger“, sagt Bildungsreferentin Verena Sommer. „Der Bundesfreiwilligendienst ist häufig der Türöffner für eine mögliche Weiterbeschäftigung“.
Arbeitsmarktneutraler Dienst mit Seminarpflicht
Maximal 330 Euro kann ein BuFDi im Monat in seiner Einsatzstelle verdienen. Sozialversicherungsleistungen werden genau wie in einer Ausbildung gezahlt, was auch für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gilt. Freiwillige, die jünger als 25 Jahre sind, verlieren ihren Anspruch auf Kindergeld nicht. Zur Schulung werden insgesamt 25 begleitende Bildungstage bei einem einjährigen Dienst angeboten. Die Teilnahme ist Pflicht und hilft den Dienstlern, fachlich fit zu werden und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Wie alle sozialen Dienste, wird der Bundesfreiwilligendienst arbeitsmarktneutral gestaltet. Das bedeutet, dass alle BuFDis lediglich unterstützende oder ergänzende Tätigkeiten ausführen und so durch sie keine Arbeitsplätze gestrichen oder ersetzt werden können.
























