Im Bierhaus verloren

iPhone 4G: Apple äußert sich zu gefundenem Prototyp

Von Kevin Körber

Foto: Screenshot Gizmodo.com
Foto: Screenshot Gizmodo.com Sieht so das neue iPhone aus?

Redwood City – Apple-Fans in aller Welt diskutieren über Fotos und Videos, die angeblich das iPhone der vierten Generation zeigen sollen. Die Geschichte zum gefundenen Gerät hört sich an, wie aus dem Drehbuch einer schlechten Serie.

Apple-Entwickler Gray Powell soll es gewesen sein, der – vielleicht nach einem stressigen Arbeitstag – das deutsche Bierhaus „Gourmet Haus Staudt“ im kalifornischen Redwood City bei San Jose, rund zehn Meilen vom Apple-Firmengelände entfernt, besucht haben soll. In seiner Tasche: ein Testgerät des noch geheimen iPhones der nächsten Generation. Powell vergaß oder verlor das Apple-Mobiltelefon, ein anderer Gast fand es und nahm es mit in sein Hotelzimmer, nachdem er im Lokal keinen Besitzer ausfindig machen konnte. Erst am nächsten Morgen fiel ihm auf, dass sich das Gerät vom normalen iPhone unterscheidet. Einschalten konnte er das Telefon jedoch nicht, Apple habe es über seinen Dienst MobileMe sperren lassen. Der Coup: vergeblich versuchte der Finder bei Apple jemanden ans Telefon zu bekommen, dem das iPhone gehört. Das berichtet der Nachrichtensender n-tv.

So geriet es dann in die Finger der Tech-Blogs Gizmodo.com und Engadget.com. Wenig später standen nicht nur die neuesten Funktionen des Fundstücks, sondern auch erste Fotos und Videos im Netz, die nun die Runde machen.

80 Gigabyte Speicher und Front-Kamera

Den Berichten nach, soll das iPhone 4G mit einer Frontkamera ausgerüstet sein, die Selbstporträts oder sogar Videotelefonie ermöglichen soll. Das neueste Apple-Telefon soll über einen 80-Gigabyte-Speicher verfügen, die Rückseite des gefundenen Geräts besteht aus glasähnlichem Material. Wie die Webseite iFun.de berichtet, habe sich Apple bereits 2006 ein robustes Keramikgehäuse, eingefasst von einem Aluminium-Rahmen patentieren lassen.

Das Display des möglichen Testgeräts soll den Bloggern zufolge klarer sein, als das seiner Vorgänger. Zudem soll sich die Akkulaufzeit verbessert haben. Die Abmessungen des auf mysteriöse Art und Weise erschienenen Telefons sind ähnlich den bisherigen iPhone-Modellen, insgesamt ist es aber etwas schlanker.



Offiziell ist nicht mal sicher, ob diesen Sommer ein neues iPhone-Modell von Apple präsentiert wird. Bisher stützen sich Blogs und iPhone-Fans lediglich auf eine Vorab-Reservierung im Moscone Center in San Francisco. Apple habe sich dort Ende Juni Räumlichkeiten gesichert. Im selben Gebäude wurden bereits die letzten iPhone-Modelle vorgestellt – ebenfalls im Juni.

Wie legal war der Deal mit dem Findling?

Laut „New York Times“ soll die Gizmodo-Betreiberfirma Gawker Media dem Finder für den Prototyp satte 5.000 US-Dollar gezahlt haben. Die Bloggerszene diskutiert nun darüber, ob dieser Deal legal war. Wie Insider zu wissen glauben, soll das fehlende Gerät bei Apple derzeit als gestohlen angesehen werden. Das kalifornische Gesetz sehe in Paragraf 2080 vor, dass jeder dazu verpflichtet sei, zu versuchen, den Besitzer des verlorenen Gegenstands zu informieren und das Fundstück zurückzugeben. Kompliziert werde es, sobald man Gefundenes weiterverkauft, so die englische Zeitung „Guardian“ in ihrer Online-Ausgabe.

Apple reagiert auf veröffentlichte Details

Inzwischen soll Gizmodo.com ein offizielles Schreiben von Apple vorliegen. Darin fordert Chefjurist Bruce Sewell die Rückgabe des Geräts: „Wir sind darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass Gizmodo.com momentan im Besitz eines Gerätes ist, das Apple gehört. Dieser Brief ist eine formelle Forderung an Sie, dieses Gerät an Apple zurückzusenden. Bitte lassen Sie mich wissen, wo das Gerät abgeholt werden kann.“

Für viele Apple-Anhänger ist die Reaktion Apples der Beweis, dass es sich bei dem gefundenen iPhone tatsächlich um den 3GS-Nachfolger handeln könnte. Andere vermuten hinter der Aktion eine große virale Marketing-Aktion. Wer deren Initiator ist – darüber darf spekuliert werden. Apple käme ebenso in Frage wie die Tech-Blogs.

Die Netzgemeinde macht Apple-Mitarbeiter Gray Powell indes zum kleinen Star. Neben zahlreichen Facebook-Fanseiten veröffentlichte ein Webshop sogar ein T-Shirt. Aufdruck: „Ich ging trinken mit Grey Powell und alles, was ich dafür bekam, war ein lausiger iPhone-Prototyp“.
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