Riesen-Ärger statt Riesen-Spaß

Website listet Facebook-Partys in Deutschland

Von Henrike Peter

Foto: DPA
Foto: DPA Durch eine vergessene Einstellung hatten sich zum Geburtstag der 15-jährigen Thessa aus Hamburg versehentlich rund 15.000 Menschen aus ganz Deutschland zum Feiern angekündigt. Die Polizei musste die Straße absichern.

Köln/Saarbrücken – Riesige Menschenmassen stürmen kleine Orte, Polizeiaufgebote sollen das Schlimmste verhindern und übrig bleiben Verwüstung und Kopfschütteln bei den Anwohnern. Facebook-Partys sind im Trend und werden über das Netz inzwischen sogar richtig organisiert.

Wenn es bisher zu Facebook-Partys kam, so wie vergangenes Wochenende im saarländischen Ortsteil Numborn (newsecho.de berichtete), nahmen sie kein gutes Ende. Polizeibeamte hatten mit Übergriffen und der Auflösung der Menschenmassen zu kämpfen, die Anwohner mit den Schäden in Vorgärten, an Häusern und dem Müll auf den Straßen und die unfreiwilligen Gastgeber namens Thessa oder Meikel mit ihrer Verantwortung für den Massenauflauf.

 

Aus der ganzen Bundesrepublik reisen Partygäste an, um die Straßen rund um den vermeintlichen Veranstaltungsort zu belagern und mit Sprechgesängen nach ihren Gastgebern zu verlangen. Und das alles bloß, weil ein Häkchen im Veranstaltungsbereich des sozialen Netzwerks Facebook nicht entfernt und somit aus einer als privat gedachten Veranstaltung eine öffentliche gemacht wurde.

 

Suchmaschine für Facebook-Partys

 

Welcher Beliebtheit sich solche Partys inzwischen bundesweit erfreuen, ist selbst für Daniel Minini, Gründer der Internetseite FBparty.de ein Phänomen. Er selbst sammelt in einem kleinen Portal alle Termine und Veranstaltungen aus ganz Deutschland, die über Facebook veröffentlicht wurden. „Auf meiner Seite sollen alle potenziellen Facebook-Partygänger die nächste Party in ihrer Stadt finden und sich auch dafür anmelden können“, sagte Minini gegenüber newsecho.de. Allein in Nordrhein-Westfalen soll es in den nächsten zwei Wochen 7.897 Partys und Veranstaltungen geben, zu denen sich heute bereits mehr als 398.000 Teilnehmer angemeldet haben.

 

Dass hohe Sachschäden entstehen und es zu Schlägereien und Festnahmen kommt, findet Daniel Minini nicht gut. „Die Partys sollen Spaß machen und zu keiner Gefahr werden. Meistens läuft alles ganz friedlich ab, Spielverderber gibt es eben immer wieder.“ Allerdings berichteten die Medien vordergründig über Partys, die aus dem Ruder gelaufen seien, so der Kölner Student weiter. „Über die vielen tausend Partys, die ohne Ausschreitungen verlaufen, wird selten bis nie berichtet“, so Minini im Gespräch mit uns. Es müsse die richtige Aufklärungsarbeit geleistet werden. „Wer will, dass seine Party im privaten Rahmen läuft, sollte am besten gar nicht erst seine komplette Adresse rausgeben, sondern stattdessen als Ort ‚bei mir zu Hause’ angeben. Dann kommt erst gar kein Fremder auf den Gedanken aufzutauchen“.

 

Party-Verbot nicht durchsetzbar

 

Verboten werden sollen solche Partys allerdings vorerst nicht. Selbst nach der neuesten Facebook-Party im saarländischen Numborn, bei der rund 2.000 Leute der Einladung eines 16-Jährigen gefolgt waren, und ein Sachschaden von 50.000 Euro entstand, will der saarländische Innenminister Stephan Toscani (CDU) zunächst kein Verbot erwirken.

 

In einer Pressemitteilung gab er gestern an, dass grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden sei, wenn Menschen friedlich miteinander feierten. Im Gegenteil verbinde so etwas und gehöre zum Leben dazu. Sollte allerdings die Sicherheit durch Körperverletzungen, Sachbeschädigung und Randale gefährdet sein, habe das nichts mehr mit Feiern zu tun. Die Party in der Größenordnung in Numborn habe den privaten Rahmen eindeutig gesprengt. Ein Verbot sei allerdings rechtlich nicht möglich.

 

Über den weiteren Umgang mit Facebook-Partys soll bei der nächsten Innenministerkonferenz beraten werden. Auch Daniel Minini hält nichts von einem Party-Verbot: „Wenn solche Partys offiziell verboten werden, wird es Trotzreaktionen geben und wahrscheinlich noch mehr Partys organisiert als zuvor.“

 

Wer für den Schaden aufkommt, wird momentan noch geklärt. Im aktuellen Fall müssen die 69 verhafteten Randalierer mit Schadenersatzforderungen und Bußgeldern rechnen. Minister Toscani sieht eine moralische Verantwortung auch bei den Facebook-Betreibern. So könne es nicht sein, dass beim Anlegen einer Veranstaltung im Netzwerk automatisch ein Haken bei „öffentlich“ gesetzt werde und man ihn erst wegklicken müsse, um dies zu vermeiden, meinte der Saar-Innenminister am Montag in einem Interview mit dem Saarländischen Rundfunk.

Kommentare