Interview
Neues iPhone: „Multitasking und Display-Fixierung scheinen gesetzt“
Von Kevin Körber
Mit Spannung erwarten Apple-Fans, Experten und Journalisten die heutige Apple-Keynote im Rahmen der Entwicklerkonferenz WWDC. Ab 19 Uhr wird sich rausstellen, ob Steve Jobs tatsächlich ein neues iPhone aus der Tasche zaubert. Gemeinsam mit Christoph Strobel, Chefredakteur von macnews.de, einer der größten deutschen Webseiten rund um die Apple-Berichterstattung, sprach newsecho.de über Einschätzungen, Wünschen und Fakten zum neuen iPhone 4G/HD.
macnews.de: Auch wenn einige Blogger vermuten, Apple habe das Leck fingiert und gezielt Informationen zum neuen iPhone gestreut, gilt immer noch die alte Regel: Solange Apple-Boss Steve Jobs keine Neuentwicklung offiziell vorstellt, ist alles andere nur Spekulation oder eine falsche Fährte. Das gilt sowohl für das iPhone-Modell, das das Tech-Blog Gizmodo gezeigt hat, als auch für die Bilder einer vietnamesischen Webseite. Es fällt aber auf, dass sich die Fundstücke optisch ähneln und Apple eine Hausdurchsuchung bei einem Gizmodo-Mitarbeiter veranlasst hat, um das angeblich verlorene Testgerät, zurückzufordern. Das könnte dafür sprechen, dass die Geräte tatsächlich aus der Apple-Produktion stammen. (Anm. d. Red.: Im Rahmen der D8-Konferenz bestätigte Steve Jobs Ende vergangener Woche in einem Interview indirekt die Echtheit des gefundenen Prototypen, newsecho.de berichtete.)
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- Wie wird das neue iPhone aussehen?
macnews.de: Sicher ist, dass Apple eine Weiterentwicklung seines mobilen Betriebssystems vorstellen wird. Denkbar ist in diesem Zusammenhang auch die Präsentation eines neuen iPhone-Modells. Steve Jobs könnte dann während der Keynote neue Funktionen des so genannten iPhone OS 4 demonstrieren, zum Beispiel Videochat. Dagegen könnte aber sprechen, dass gerade erst das iPad veröffentlicht wurde.
newsecho.de: Apple selbst gab bisher offiziell wie immer keinerlei Informationen zur neuen iPhone-Generation bekannt. Aber basierend auf den Wünschen der Mac-Community, die Sie sicher einschätzen können: Welche neuen Features sollte das Gerät unbedingt an Bord haben, wenn es nach den Nutzern geht?
macnews.de: Auf der Wunschliste vieler Anwender stehen eine zusätzliche Frontkamera für Videotelefonie, eine Multitasking-Erweiterung des Betriebsystems, um mehrere Apps gleichzeitig zu öffnen, und die Möglichkeit, das Display zu fixieren. Beim iPad lässt sich die Rotation bereits durch einen Schalter am Gehäuse deaktivieren. Was fehlt, ist derzeit auch eine direkte Druckfunktion via WLAN oder Bluetooth ohne komplizierte Umwege über eine App.
newsecho.de: Und was ist mit Flash?
macnews.de: Viele Anwender hoffen auf einen Sinneswandel bei Apple und wünschen sich die Integration von Adobes Flash auf mobilen Endgeräten. Sie stört es, dass sie viele Seiten im Web nicht oder nur zum Teil auf dem iPhone oder iPad aufrufen können.
Hilfreich wäre auch ein Einschub für SD-Speicherkarten, um internen Speicher zu erweitern und den Austausch zwischen Rechner und Handy zu erleichtern; außerdem ein Blitz für die Kamera, eine Radiofunktion, sowie ein DVB-T-Tuner für Fernsehempfang.
newsecho.de: Und basierend auf den bisherigen Gerüchten: Was glauben Sie, wird das iPhone 4G/HD an Neuheiten mit sich bringen?
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newsecho.de: Werfen wir einen Blick zurück in die Zeit, in der es noch umständlich war, mit Mobiltelefonen im Netz zu surfen: Inwiefern hat das iPhone die Mobilfunkwelt verändert?
macnews.de: Das iPhone hat das Internet endgültig mobil gemacht und ist nach wie vor Messlatte für andere Hersteller bei der Entwicklung neuer Geräte und Betriebssysteme. Erst allmählich gelingt es aktuellen Android-Versionen auf modernen Geräte wie etwa dem Nexus One aufzuholen.
newsecho.de: Gibt es einen direkten iPhone-Konkurrenten in Ihren Augen? Welche Geräte wären hier zu nennen?
macnews.de: Erster Konkurrent ist aktuell Google mit seinem Android-Betriebssystem. Der Vorteil von Android: Das OS kann von unterschiedlichen Smartphone-Herstellern für ihre Geräte benutzt werden. Was dem Android-System derzeit noch fehlt, ist gleichzeitig ein dickes Plus für das iPhone: Ein üppig gefüllter App Store, wie ihn Apple mit über 200.000 Anwendungen bietet.
newsecho.de: Sie beobachten das Unternehmen Apple sicher schon länger. Wie hat sich die Firma in den letzten Jahren gewandelt? Spätestens seit dem iPod der ersten Generation scheint Apple ja massenkompatibel geworden zu sein...
macnews.de: Apple ist gewachsen und hat vor ein paar Tagen seinen Rivalen Microsoft im Börsenwert überholt. Damit ist Apple das stärkste Technologie-Unternehmen weltweit. Apple hat sich vom Software-Unternehmen zu einem Konzern entwickelt der Computer, Unterhaltungselektronik sowie Betriebssysteme aus eigener Produktion anbietet. Die Folge: Man muss keine Rücksicht auf Drittanbieter nehmen und stärkt die Marke. Apple ist mittlerweile so selbstbewusst, dass das Unternehmen sich nicht mehr auf Messen wie der Macworld Expo präsentiert und sich sogar gegen starke plattformübergreifende Standards wie etwa Flash stellt.
Die Erfolgsgeschichte des iPods hat Apple weltweit bekannt gemacht. Die bunten iMacs aus den späten Neunziger Jahren haben Apple geholfen, die Marke auch für Computereinsteiger und Normalnutzer interessant zu machen. Und mit dem iPhone hat Apple die mobile Kommunikation neu erfunden und mit dem iTunes-Store die Musikindustrie umgekrempelt. Über die Jahre hat Apple den Dreiklang aus Produktinnovation, Philosophie und Marketing also perfektioniert. Aktueller Höhepunkt ist das iPad. Mittlerweile kaufen manche bereits Apple-Produkte, obwohl sie sie vorher noch nie in der Hand gehalten und ausprobiert haben.
newsecho.de: Stichwort Apple-Philosophie. Alles, was in den App-Store kommt, will man bewusst kontrollieren, Entwickler von Apps beklagen sich immer öfter über die Aufnahmekriterien, die oft scheinbar willkürlich sind. Was sagen sie zu dieser Form der Verschlossenheit und der Kontrolle?
macnews.de: Apple setzt bewusst Standards, an die sich Entwickler halten sollen. So schließt Apple beispielsweise Apps aus, die mit Adobes Flash Builder erstellt wurden. Grundsätzlich hat Apple mit der restriktiven Koppelung von Hardware und Software gute Erfahrungen gesammelt. Anders als bei Microsofts Windows-System muss Apple nicht eine Unzahl an Hardware von unterschiedlichen Herstellern unterstützen und vermeidet Systemkonflikte. Außerdem sind Anwender vor Apps sicher, die Nutzerinformationen ausspionieren.
Schwieriger ist es, wenn Apple versucht, auch seine ethischen Maßstäbe den Entwicklern aufzudrücken. Zur Zeit untersagt das Unternehmen Apps mit pornografischen oder gewalttätigen Inhalten. Dadurch fühlen sich insbesondere Verleger in ihrer Pressefreiheit eingeschränkt. Apple setzt dem Argument den Schutz von Kindern entgegen. Wichtig ist, dass Apple konsequent bleibt und das Prinzip nicht zu Gunsten umsatzstarker App-Partner und finanzieller Interessen aufweicht.
newsecho.de: Wie bereitet sich die macnews.de-Redaktion auf die WWDC und die heutige Keynote vor?
macnews.de: Wir werden die Keynote ab 19 Uhr live auf einer Sonderseite von macnews.de begleiten. Wir haben Mitarbeiter vor Ort, werden aber auch die Leser via Facebook und Twitter einbinden und zur Realtime-Diskussion anregen.
newsecho.de: Herr Strobel, vielen Dank für das Gespräch und Ihre Einschätzungen.
























