iPhone OS 4.0 ab Sommer
Multitasking, Ordner und mehr Datenschutz für das iPhone
Von Kevin Körber
Cupertino – Gehofft haben viele auf die neue iPhone-Generation, vorgestellt wurde am Donnerstagabend jedoch lediglich das neue Betriebssystem 4.0 für das Apple-Telefon. Das kann dafür mit vielen neuen Funktionen glänzen. Darunter das langersehnte Multitasking.
Was bisher lediglich Hoffnungen von iPhone-Nutzern waren, wurde auf der Keynote nun als Bestandteil des neuen Betriebssystems bekannt gegeben: Neben der Kopplung von Bluetooth-Tastaturen an das iPhone wird auch Multitasking unterstützt um mehrere Prozesse gleichzeitig geöffnet zu haben und zwischen ihnen zu wechseln. Weitere 100 neue Funktionen ermöglichen beispielsweise das Prüfen von eingegebenen Texten auf Rechtschreibfehler oder eine Fokussierung bei Videos. Auch ein Geburtstagskalender wird, ebenso wie ein Digitalzoom, mit an Bord des neuen iPhone OS sein.
Jobs räumt ein: Multitasking kommt spät
Jobs sprach offen und ehrlich an, dass man gerade in Sachen Multitasking zwar nicht „der erste Gast auf der Party“ wäre, nun aber der beste sein möchte. So sollen speziell entwickelte Technologien den Akku trotz mehrerer Parallelprozesse im Hintergrund schonen. Hervorgerufen wird der Multitaskingprozess künftig durch einen Doppelklick auf die Home-Taste. Dieser öffnet ein Dock, in dem die laufenden Programme zu sehen sind.
Mit dem Update des Betriebssystems wird sich auch ein für viele iPhone-User lästiges Problem in Luft auflösen: Musik, die beispielsweise durch eine Radio-App abgespielt wird, wird dank fortschrittlichem Multitasking nicht mehr beendet sondern läuft weiter im Hintergrund. So wie man es bereits vom im iPhone integrierten iPod gewöhnt ist.
Sobald das Programm in den Hintergrund wandert, bleibt ein bestimmter Dienst der App geöffnet. Dieser übernimmt dann die Aktivitäten. So wird es beispielsweise durch den Dienst „Voice over IP“ möglich sein, per Skype-App zu chatten oder zu telefonieren und parallel einen eingehenden Anruf anzunehmen, ohne dass sich das Programm schließt.
Ähnlich funktioniert die API „Background Location“. So können mit dem OS 4.0 auch während der Routenführung mittels einer Navigations-App Anrufe angenommen werden. Das Programm verabschiedet sich dann lediglich in den Hintergrund und nennt Richtungsanweisungen.
Inmitten der großen Diskussion um Datenschutz und die Privatsphäre will Apple mit dem neuen Betriebssystem offener gegenüber dem Nutzer sein, was Aktivitäten des iPhones angeht. Durch ein kleines Symbol lässt sich dann erkennen, wann der GPS-Chip aktiv ist und Daten sendet. Einzelnen Applikationen kann es verboten werden, auf das GPS-Signal zuzugreifen. Somit wird ein ungewollter Datenaustausch verhindert. Besonders nützlich ist auch die Option, sich Apps anzeigen zu lassen, die in den vergangenen 24 Stunden versucht haben, Informationen abzufragen.
Doch nicht nur in Sachen Datentransfer will Apple aufräumen: überladenen Homescreens von Nutzern, mit einer Unzahl an Apps auf dem iPhone wird ab Sommer die Option geboten, Ordner anzulegen. So können beispielsweise Spiele, Office-Apps oder Social-Network-Programme voneinander getrennt und sortiert werden. Ein Klick auf das Ordner-Icon und schon erhält man die Apps zur Auswahl in der Großansicht. Damit wird man bis zu 2.160 Apps gleichzeitig auf sein iPhone laden können.
Ordnung kommt auch in die E-Mail-Verwaltung: unterschiedliche Postfächer können mit Version 4 des Betriebssystems nun auch zusammen im Sammeleingang betrachtet werden. Ein Wechseln zwischen mehreren Accounts entfällt damit.
Ab Sommer soll dann auch die iBooks-App auf dem iPhone laufen. Somit wird es möglich sein, auf seinem „iPad Mini“ ganze Bücher zu lesen – ohne sich ein iPad zuzulegen.
Apple startet eigenes Social-Gaming-Netzwerk und Mobile-Werbeplattform
Eine weitere Neuerung kommt mit dem „Game Center“ und erinnert stark an das Xbox-Live- oder das Playstation-Network-Prinzip. So lassen sich Freunde direkt zum Onlinespiel einladen oder man kann sich im Multiplayermodus von Spielen mit passenden Gegnern automatisch verbinden lassen.
Für weniger Staunen sorgte die neue hauseigene Form von mobiler Werbung; iAd wird sie heißen und soll Entwicklern zusätzliche Möglichkeiten einräumen, mit ihren Apps Geld zu verdienen. Damit startet man zur direkten Attacke gegen Google. „Bisherige mobile Formen der Werbung sind bescheuert“, sagte Steve Jobs am Donnerstagabend während seiner Präsentation. Jobs Rechnung: Täglich nutzt ein durchschnittlicher iPhone-Nutzer mehr als 30 Minuten lang Apps. Bei Werbeeinblendungen im Drei-Minuten-Takt käme man so auf 10 Einblendungen pro Tag. Daraus resultieren eine Milliarde mögliche Impressions täglich für die Werbekunden.
HTML5 soll es ermöglichen, sogar interaktive Formen der Werbung in Apps einzubinden – beispielsweise Videos. Bei einem Klick auf die Werbefläche wird die App nicht mal mehr geschlossen. Als Vorzeigeobjekt präsentierte Jobs eine Werbung für „Toy Story“. Die Werbung, die vielmehr eine Mini-App ist, beinhaltet Videos, Minispiele und weiterführende Informationen. Durch die Anbindung an Google Maps kann sogar eine Karte geöffnet werden, die Kinos in denen der Film zu sehen ist aufzeigt.
Den Entwicklern entstehen damit zwar eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten, dennoch möchte Apple ein großes Stück des Werbekuchens für sich einheimsen. Lediglich 60 Prozent des Gewinns gehen an die Entwickler, die restlichen 40 Prozent fließen auf das Apple-Konto.
Kein Multitasking für das iPhone 3G
iPhone-Entwickler dürfen sich ab heute mit einer Vorschau des Betriebssystems beschäftigen, die Endverbraucher müssen sich noch bis Sommer gedulden. Das ist zwar nicht mehr lange, aber der Wermutstropfen: iPhone 3G-Nutzer sowie Besitzer eines iPod Touchs der zweiten Generation können vom neuen Multitasking nicht profitieren. Dieses Feature ist erst ab dem iPhone 3GS und dem iPod Touch der dritten Generation verfügbar. Ein Betriebssystem-Update für das iPad wird es hingegen frühestens im Herbst geben.
Expertenblogs mutmaßen indes, dass zur Veröffentlichung des iPhone OS 4.0 im Sommer vielleicht auch eine neue iPhone-Generation vorgestellt werden könnte. Von ihr war während der heutigen Keynote jedoch keine Rede.
























