Arbeitsbedingungen der Zulieferer

Dunkle Seite des Apple-Erfolgs

Von Kevin Körber

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Foto: DPA Ein Apple-Mitarbeiter mit frisch eingetroffenen iArtikeln vor einem Apple Store. (Archivfoto)

Cupertino/New York – Apple geht es auch in der Ära nach Steve Jobs finanziell so gut wie nie zuvor. Dennoch werden immer wieder Stimmen laut, die große Missstände bei Arbeitsbedingungen der Zulieferfirmen kritisieren. Schnell und billig soll es in den Produktionshallen vonstatten gehen.

Die gigantische Nachfrage nach dem iPhone 4S und den iPad-Tablets ließ das kalifornische Unternehmen alleine im vergangenen Weihnachtsquartal einen Gewinn von 13,1 Milliarden Dollar einfahren – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Von diesem wirtschaftlichen Erfolg sollen die Arbeiter in den Zulieferfirmen jedoch wenig bis gar nichts zu spüren bekommen. Apple-Produkte müssen schnell und vor allem günstig produziert werden, Arbeitsbedingungen sollen dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Diesen Eindruck vermittelt ein ausführlicher Artikel, der in der „New York Times“ veröffentlich wurde.

Dazu wurden Interviews mit mehr als drei Dutzend aktuellen, aber auch ehemaligen Mitarbeitern von Vertragspartnern und von Apple geführt. Einige davon arbeiteten auch in leitenden Positionen, so die US-Zeitung. Deren Ausführungen fallen ernüchternd aus und lassen Apple in keinem guten Licht stehen. Zwar hätten sich die Bedingungen der Arbeiter in Zulieferfirmen in den vergangenen Jahren gebessert, dennoch seien grundlegende Probleme vorherrschend.

Mehr Qualität, weniger Herstellungskosten

Ein ehemaliger Manager des chinesischen Produzenten Foxconn sagte, Apple gehe es zwar stets um eine gesteigerte Produktqualität, gleichzeitig wolle man aber die Produktionskosten immer weiter senken, um am Ende mehr Profit mit den verkauften Geräten einzufahren. Das Wohl der Mitarbeiter stehe dabei nicht an oberster Stelle des teuersten Unternehmens der Welt, dessen Barreserven und Wertpapiere sich nun auf 97,6 Milliarden Dollar summieren.

Auch ein ehemaliger Apple-Manager sagte gegenüber der „Times“, dass man seit vielen Jahren von Arbeitsmissständen in einigen Fabriken wisse, diese blieben jedoch seither bestehen. Als Grund gab der Ex-Apple-Angestellte an: „Dieses System lohnt sich für uns.“ Die schnelle Lieferung der Apfel-Produkte und wichtige Beziehungen zu Zulieferern stünde den Leuten in der Apple-Führungsetage im Weg, die mit dieser Methode nicht einverstanden sind, und die Arbeitsbedingungen der Zulieferer nur zu gerne verbessert wüssten.

60-Stunden-Wochen sind keine Ausnahme

Weiterhin berichtet die Zeitung, dass Apple zwar im vergangenen Jahr als erster Technikkonzern der Fair Labor Association (FLA) beigetreten sei, und 2011 rund 230 Überprüfungen der Lieferanten durchführte, dennoch seien keine Lösungen für die Probleme gefunden worden. So sollen in 93 Einrichtungen mindestens die Hälfte der angestellten Arbeiter mehr als 60 Stunden pro Woche an der Produktion von Apple-Geräten beteiligt sein. Zudem werden die Explosionen erwähnt, die es im vergangenen Jahr in verschiedenen Einrichtungen gegeben hatte. Dabei kamen vier Menschen ums Leben. Immer wieder wurde in der Vergangenheit insbesondere über Foxconn berichtet. Ein Zulieferer Apples, bei dem sich bereits mehrere Mitarbeiter das Leben genommen haben sollen.

Fabrik-Angestellte sollen in kleinen Wohnungen fast schon zusammengepfercht hausen und seien teilweise auch gefährlichen Chemikalien ausgesetzt. So wird das Unternehmen Wintek erwähnt, dass in seinen Werken in China hunderte Arbeiter dem giftigen n-Hexan ausgesetzt haben soll. Es soll statt Alkohol eingesetzt worden sein, um iPhone-Displays drei Mal schneller reinigen zu können.

Die Probleme der Arbeitsbedingungen werden offenbar ignoriert werden, da sie Jahr für Jahr auftreten, so zitiert die Zeitung eine ehemalige Apple-Führungskraft. „Wenn wir es ernst meinen würden, würden die Kernprobleme verschwinden“, heißt es. Man würde sich derzeit von den Lieferanten besänftigen lassen, indem diese versprechen, sich das nächste Mal stärker zu bemühen. „Die Konsumenten kümmert derzeit ein neues iPhone mehr als die Arbeitsbedingungen in China“, so ein Apple-Mitarbeiter gegenüber der „Times“.
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