„Könnte man seiner Oma in die Hand drücken“

iPad-Verkaufsstart: Sechs Wochen mit Apples Design-Flunder

Von Kevin Körber

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Foto: newsecho.de Das Surfen mit dem iPad: schnell, intuitiv und ein neues Erlebnis.

Vier Monate sind vergangen, seit Apple-Chef Steve Jobs das neue Tablet der Öffentlichkeit präsentierte. Vier Monate voller Superlative, vier Monate voller sich stets überholender Verkaufszahlen und vier Monate voller Stimmen für und wider das iPad. Apple-Experte Sven Werdehausen hat das Gerät getestet und sprach mit newsecho.de über Vor- und Nachteile.

Ein Gerät zwischen iPhone und MacBook – so präsentierte Apple-Chef Steve Jobs am 27. Januar auf einer seiner legendären Keynotes das iPad. Schon Wochen zuvor spekulierte man in Tech-Blogs und Foren über das, was da kommen würde. Dass es ein Tablet wird, war mehr oder weniger klar und wurde von allen erwartet. Doch wie genau das iSlate oder das iTablet (beides Namen, die vor Veröffentlichung die Runde machten) aussehen und vor allem was es bieten wird, das wusste bis zum Tag der Keynote niemand.

Das war vor exakt vier Monaten. Inzwischen ist klar: Nein, das iPad ist kein vollwertiges Netbook, sondern basiert auf dem iPhone-Betriebssystem. Klar ist aber auch, dass Apple mal wieder einen Volltreffer gelandet hat. Das belegen zumindest die Verkaufszahlen: Nachdem das Tablet am 4. April offiziell in den USA erhältlich war, verkaufte es sich binnen eines Monats knapp eine Million Mal. Zum Vergleich: selbst die erste iPhone-Generation konnte die Millionen-Marke erst nach 74 Tagen knacken. Als einer der ersten flog auch Sven Werdehausen nach New York um sich gleich mehrere iPads zu sichern. Dabei galt es vorab, kleine Hürden zu meistern.

„Wenn man weiß, wie es geht, war es nicht schwierig. Pro Person konnte man sich maximal zwei iPads reservieren. Pro Person heißt: Pro iTunes-Account. Was passiert, wenn ich im Apple-Store bin, wusste ich nicht. Fakt war: Pro physikalisch anwesender Person bekam man zwei iPads.“ Sven Werdehausen ist Apple-Experte und arbeitet beim Apple Certified Service Engineer Haus & Gross IT-Services in Saarbrücken. Dort betreut er das Thema iPad, entwickelt mit seinen Kollegen auch iPhone- und iPad-Apps.

Das iPad im Alltag

Seit etwas mehr als sechs Wochen hat der Apple-Experte das iPad nun in Betrieb und attestiert dem Gerät größtenteils Positives: „Im alltäglichen Gebrauch sind vor allem das Surfen, die E-Mail-, Adress- und Kalenderverwaltung – also die Dinge, die Apple von Haus aus mitliefert – genial. Man braucht das iPad nicht unbedingt, es ging ja auch die ganze Zeit ohne. Aber abends auf der Couch zu sitzen und im Netz zu surfen, das möchte man nicht mehr vermissen.“ Und in der Tat: das Surfen mit dem Tablet kann man als bis dato einzigartig beschreiben. Das sanfte Navigieren mit dem Finger, unabhängig von einer Maus, lässt ein bisher unbekannt neues, aber wohliges Gefühl beim Ansteuern der Internetseiten aufkommen, wie wir im Kurztest selbst erleben durften.

Und noch etwas fällt auf. Insbesondere dann, wenn man noch ein iPhone 2G oder 3G sein Eigen nennt: das iPad ist schnell. Verdammt schnell sogar. Doch das ist kaum verwunderlich, wie Werdehausen erklärt: „Apple hat bereits drei Generationen iPhone hinter sich, die nicht so viel anders sind als das iPad. Diese Erfahrungen sind da natürlich eingeflossen.“ Prozessor und Betriebssystem harmonieren miteinander und die derzeit noch nicht vorhandene Multitaskingfunktion verhindert eine größere Belastung der Hardware. Surft man mit dem mobilen Safari-Browser durchs Netz, surft man durchs Netz – und nur das, von wenigen kleinen Prozessen die zum Betrieb nötig sind einmal abgesehen. Werdehausen: „Es ist perfekt auf hohe Akkulaufzeiten und geringen Stromverbrauch optimiert.“

Multimediaspaß mit Tennisarm

Doch so schick, schnell und intuitiv das iPad auch daher kommt, die Nachteile liegen mit 680 Gramm (Wi-Fi-Variante) beziehungsweise 730 Gramm (Wi-Fi inklusive 3G) deutlich spürbar auf der Hand. Denn im Dauerbetrieb wird es selbst für den geübten iPhone-Nutzer schwierig, das iPad länger in einer Hand zu halten. „Meist legt man es dann auf dem Schoß ab“, gibt Werdehausen als Tipp mit auf den Weg. Alternativ bietet sich auch das Mikrofaser-Case oder die Docking-Station an, mit denen sich im Stand auf dem Tisch ein besserer Blickwinkel einrichten lässt. Beide Zubehörteile sind jedoch, wie man das aus dem Hause Apple bereits kennt, nicht im Lieferumfang enthalten und schlagen mit Preisen von 39 Euro (Case) beziehungsweise 29 Euro (Dock) zu Buche.

Im Akkubetrieb leistet das iPad zehn Stunden Stand-by. „Die sind von Apple nicht gelogen, es hält eher länger durch“, weiß iPad-Tester Werdehausen aus Erfahrung zu berichten. Während man es als Nutzer beinahe schon gewohnt ist, von Herstellerangaben bezüglich Akkulaufzeit stetig über den Tisch gezogen zu werden und die Angaben Idealbedingungen voraussetzen, die fast nie gegeben sind, kann man sich als iPad-Besitzer tatsächlich auch mal mehrere Stunden lang Filme ansehen, ohne dass der Akku schwächelt.

Man muss Abstriche machen

„Dafür, dass das iPad die erste Generation seiner Art ist, gibt es erstaunlich wenig Kritikpunkte“, resümiert Sven Werdehausen nach mehr als einem Monat Intensivtest. „Was man im Netz oft liest, beispielsweise das Fehlen von Flash, stimmt natürlich, aber die Vorteile wiegen das definitiv auf.“ Ob das alle künftigen Besitzer des Apple-Tablets so sehen, darf jedoch bezweifelt werden. Viel zu oft wird man beim alltäglichen Surfen an die Flash-Grenzen stoßen und damit konfrontiert werden, wo das Adobe-Produkt überall zum Einsatz kommt. Hier reden wir nicht über Online-Games oder eingebettete Videos, sondern zum Beispiel auch über Upload-Dialoge im Browser wie etwa beim großen Fotoportal Flickr.

Doch nicht nur im Internet wird man gewisse Standards der heutigen Zeit schmerzlich vermissen. Einen USB-Anschluss beispielsweise sucht man am iPad vergeblich. Will man als Hobbyfotograf Bilder auf sein Tablet überspielen, macht dies immerhin ein Adapter von Apple möglich. Dieser kostet – richtig erraten – natürlich 29 Euro extra.

Um kurze Texte wie Notizen oder E-Mails auf dem Gerät zu schreiben, reicht die virtuelle Tastatur auf dem Touchscreen vollends aus. Gerade als iPhone-Nutzer ist es schon fast eine Wohltat, die gewünschten Tasten ohne größere Vorsicht auch tatsächlich zu treffen. Wer jedoch großes Mitteilungsbedürfnis hat, der sollte über das als Zubehör erhältliche Keyboard-Dock nachdenken. Kostenpunkt: 69 Euro.

Welche Zielgruppe das iPad anvisiert, wieso es als Hoffnungsträger der Medienlandschaft gilt und wie zufrieden iPad-Nutzer in den USA sind lesen Sie auf Seite 2.
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